Tagebuch September 2021

Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter und Pilze September 2021

Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis) am 01. September 2021 im Börzower/Questiner Wald.

Diesen tollen Fund konnte Phillip bereits vor dem Beginn unserer Exkursion im südöstlichen Bereich des Börzower/Questiner Waldes tätigen. Es handelt sich um den Blutblättrigen Zwergschirmling (Melanophyllum echinatum). 01.09.2021.

Mittwoch, 01. September – Die Hochsaison 2021 läuft auf Hochtouren! Es kommt eher selten vor, dass gleich zu Beginn des Septembers bereits der Höhepunkt der herbstlichen Pilzsaison eingeläutet wird. Geschuldet dem relativ kühlen und regnerischem August. So konnte sich nach Jahren endlich mal  wieder eine wirklich üppige und vielseitiger Pilzflora entwickeln, mit einer Artenfülle, die wir in den letzten Jahres so nicht erleben durften. Dieser Umstand kam natürlich auch der heutigen Mittwochsexkursion zu Gute. Sie führte in den 2. Quadranten des Messtischblattes 2132. Hier befindet sich ein größeres Waldgebiet zwischen Grevesmühlen, Börzow und Questin. Die Böden sind teils sehr sandig. So entspricht dieses Revier auch den Vorstellungen vieler Kochtopf  und Sonntags – Mykologen. Neben der mykologischen Bestandsaufnahme bedienten wir auch dieses Klischee. Insbesondere Phillip konnte mit einer reichen Ernte von Speisepilzen heimkehren.

Schon bevor es losging hatte Phillip seinen Korb mit einer bunten Mischung leckerster Speisepilze gefüllt.

Bevor sich alle Teilnehmer gegen 10.00 Uhr im Wald am verabredeten Treffpunkt einfanden, durchstreifte er bereits den südlichen Teil des Waldgebietes, welcher außerhalb des heute zu bearbeitenden Quadranten liegt. Sein Korb war also schon gut mit Maronen – Röhrlingen, Steinpilzen, Hexenröhrlingen, Pfifferlingen u. s. w. gefüllt. Zum Glück hatte er noch eine große Tüte mit dabei, sonnst hätte er seine überaus geliebten Pfifferlinge während unserer Kartierungsaktion gar nicht alle abtransportieren können. Soviel zum Thema Kochtopf – Mykologie.

Phillipp konnte es kaum fassen, dass es hier so viele Pfifferlinge in aller bester Qualität gibt.

Nun zum eigentlichen Anliegen unseres Besuchs im Questiner/Börzower Wald. Neben Phillip und meiner Wenigkeit, war auch wieder Chris Engelhardt aus Lübeck dabei. Roland vom Rehnaer Pilzverein und zwei Mitarbeiter der Universität Rostock. Mit großer Fotoausrüstung und Notizblock ging es dann ans Werk. Wir waren quasi nur links und rechts des Bahndamms unterwegs. Hier ist die Artenvielfalt erfahrungsgemäß besonders hoch. Da ansonsten überwiegend saure Bodenverhältnisse dominant sind, findet sich hier durch das geschotterte Gleisbett auch genügend Kalk im Boden. Das erhöht das Artenaufkommen und das war uns auch am Wichtigsten.

Ohne einen gewissen Basenanteil im Boden würden diese leckeren Edelreizker (Lactarius deliciosus) hier auch kaum wachsen. Das Standortfoto entstand direkt an der steilen Bahnböschung im Questiner/Börzower Wald am 01.09.2021.

Ich muss schon sagen, so wie es derzeit in unseren Wäldern sprießt, ist es  schon etwas beängstigend. Was soll aus unseren großen Ausstellungen im Oktober werden, wenn es jetzt schon so Auspowert? Das Frischpilzaufkommen war enorm! Und die  Qualität vieler Pilze beeindruckend und sehr fotogen. So macht es Spaß, so soll es sein! Insbesondere die Massen von taufrischen Grauen Langfüßlern boten ganz wunderbare Motive für die Kameras. Herrliche Öhrlinge waren dabei. Ein breites Angebot von Täublingen und Milchlingen. Immer wieder Kornblumen – Röhrlinge und ein Massenvorkommen von Verfärbenden Schleimköpfen, wie ich es noch nie erlebt habe. So zog sich die Exkursion bis in den späten Nachmittag hinein.

In solchen Mengen, wie heute entlang des Bahndamms im Börzower/Questiner Wald, immer wieder in größeren Gruppen wachsend, konnte ich den Verfärbenden Schleimkopf (Cortinarius nemorensis) bisher noch nie vorfinden. Essbar. 01.09.2021.

Und damit nicht genug. Als nach und nach alle Teilnehmer die Heimfahrt antraten, drehte ich noch eine zusätzliche Runde und dass sollte nicht umsonst gewesen sein, denn das Beste kam mal wieder zum Schluss. Drei Exemplare des in M-V und auch in Deutschland ausgesprochen seltenen Heide Milchlings. Ein andächtiger Moment und ein Hochgefühl, dieser Rarität nach Jahren mal wieder gegenüber zu stehen. Damit habe ich diesen Milchling ein drittes mal in meinem Leben finden können. Das erste mal auf dem Darß in den dortigen Dünenkiefernwäldern. Ein zweites mal vor wenigen Jahren in den sandigen Kiefernforsten bei Garwitz und nun am sandigen Bahndamm bei Börzow. Man sagt ja, alle guten Dinge sind drei. Vielleicht war es das letzte mal, dass ich diesem Pilz begegnen durfte.

Neben der Grünspitzigen Koralle der mit Abstand wichtigste Fund der heutigen Mittwochsexkursion war dieser Heide – Milchling (Lactarius musteus). Für Mecklenburg der 3. Nachweis dieser Art. Der Heide – Milchling gilt in Deutschland als vom Aussterben bedroht!

Durch den feuchten und kühlen August erleben wir nun auch im Norden eine Pfifferlings – Schwämme. 01.09.2021 im Questiner/Börzower Wald.

Donnerstag, 02. September – Die Pilzsaison 2021 hat ihren Höhepunkt erreicht, zumindest vorläufig. Freunde von essbaren Röhrlingen und Pfifferlingen sollten diese Tage nutzen. Viel besser wird es zunächst kaum werden. Es wächst nun, bis auf die klassischen Spätherbstpilze, fast alles, was den Speiseplan der Pilzsammler bereichert b. z. w. in den Körben der volkstümlichen Pilzsucher landen könnte. Das spiegelt sich auch in der Pilzberatung wieder, die inzwischen rege in Anspruch genommen wird. Immer wieder wird von ungewöhnlich vielen Pfifferlingen berichtet. So wunderte sich ein älterer, erfahrener Pilzsucher, der im Raum Warin seine versteckten Plätze hat, dass er plötzlich so viele Pfifferlinge an Stellen findet, an denen er in den Vorjahren nie einen einzigen gesehen hatte. In punkto Pfifferlinge haben wir nun zu den Süddeutschen aufgeschlossen. Es gibt eine Schwämme von Eierschwämmen!

Diese Dunkelbraunen Dickfüße (Cortinarius brunneus) hat Phillip gestern in den Kobander Tannen gefunden. Der Pilz wächst in feuchteren Fichtenwäldern und ist in unseren Breiten eher zerstreut nachgewiesen.

Andere Pilzsucher waren am Farpener Stausee mit großem Erfolg unterwegs. Viele mastige Maronen, Sommer- und Gemeine Steinpilze und auch einige Rotkappen landeten in ihrem großen Eimer und wurden mir zur Kontrolle vorgelegt. Herrliche Anis – Champignons,  genauso wie die giftigen Karbol – Champignons, finden den Weg auf meinen Beratungstisch.

Hier ein weiterer Top – Fund unserer gestrigen Mittwochsexkursion im Questiner/Börzower Wald. Die Grünspitzige Koralle (Ramaria apiculata) ist in Deutschland bisher nur selten nachgewiesen worden. Sie wuchs am Rande eines alten Nadelholzstammes. 01.09.2021.

Eingangs schrieb ich von zumindest vorläufig. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass der diesjährige Pilzherbst zweigleisig b. z. w. in 2 Wachstumswellen daher kommen könnte. Grund ist die Umstellung der Großwetterlage. Der September scheint wie befürchtet, den August ersetzen zu wollen. Ein mächtiges, blockierendes Hoch baut sich über Osteuropa auf und hält sich von Westen nähernde Tiefruckgebiete auf Distanz. Es sieht aktuell so aus, dass wir bis Mitte des Monats keinen nennenswerten Niederschlag mehr bekommen. Es wird oft sonnig sein. Dabei ist die Luft nun auch trockener geworden.

Kornblumen – Röhrlinge (Gyroporus cyanescens) gab es gestern im Börzower Wald immer wieder. In allen Alterstadien und oft von unkundigen Sonntagssammlern aus dem Sandboden herausgerissen. Standortfoto am 01.09.2021.

Es ist ein wunderschönes, erfrischendes Blau, welches uns der Kornblumen – Röhrling im Schnitt präsentiert. Sein Stielfleisch ist zellig – hohl gekammert.

Zunächst bleibt es durch Zufuhr eben dieser trockener Festlandsluft aus dem Hochdruck Gebiet heraus relativ kühl, bei Tagestemperaturen um 20 Grad. Im laufe der nächsten Woche könnte es aber immer wärmer werden und der Sommer noch einmal richtig aufdrehen. Dann flacht natürlich auch das Pilzaufkommen allmählich wieder ab. Ganz zum Erliegen wird es aber nicht mehr kommen. Außerdem könnte das Gerangel von Hoch und Tief auch eine äußerst ungünstige Entwicklung nehmen. Soll heißen, schaffen es die Tiefs, wenn sie sich mal richtig aufbäumen, nicht den hohen Luftdruck nach Osten abzudrängen, könnte der Gradient sich derart verschärfen, dass wir eine Ostwindlage bekommen. Wenn diese einige Tage anhält, dann ist es der Super – Gau für` s Frischpilzaufkommen. Aber das ist zumindest derzeit nicht in Sicht, obwohl es gestern schon mal vorsichtig angedeutet wurde. Also diese Tage nutzen, wer weiß, vielleicht sind es die Besten, die uns in diesem Jahr beschert werden!

Graue Langfüßler (Helvella macropus) gab es gestern in Mengen und dazu in einer ganz hervorragenden Qualität. 01.09.2021 im Questiner/Börzower Wald.

Der Rote See ruft!

Freitag, 03. September – Auf zum Roten See heißt es morgen wieder. Die Mitglieder des Pilzvereins Heinrich Sternberg Rehna e.V. und die Gruppe der Pilzfreunde innerhalb der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. sowie interessierte Gäste sind morgen wieder zu ihrem traditionellen Treffen am Roten See bei Brüel eingeladen. Gegen 09.45 Uhr trudeln die „Pilzfanatiker“ und solche die es werden wollen, am dortigen Parkplatz ein. Nach kurzer Begrüßung durch die Vereinsvorsitzenden starten wir dann in mehreren Gruppen in die waldreiche Umgebung. Ab 13.00 Uhr treffen sich alle wieder an der dortigen Waldgaststätte „Blockhütte am Roten See“ zur Stärkung und zu einem Pils in gemütlicher Runde. Dabei werden natürlich die Sammelergebnisse bewundert und besonders interessante Arten besprochen und vorgestellt. War es in den Vorjahren für ein opulentes Frischpilzaufkommen viel zu trocken, wird uns morgen wohl ein überwältigendes Allerlei an der Pilzfront geboten werden. Ganz sicher auch volkstümliche Speisepilze satt!

Der Kuhrote Schönkopf (Calocybe civilis), also ein Verwandter des Maipilzes, ist in manchen Jahren in sandigen Kiefernwäldern keine Seltenheit. Wie alle Schönköpfe ist er essbar. 01.09.2021 im Questiner/Börzower Wald.

Selbst in Wäldern, in denen es vor einigen Tagen noch recht bescheiden war, bricht nun der Wahnsinn aus, um es einmal mit Phillip seinen Worten zu formulieren. Phillip schreibt mir heute: „Im Gadebuscher Stadtwald habe ich gestern noch eine Stippvisite gemacht und eine dicke Steinpilzernte eingefahren. Es gibt nun auch dort Pilze im Überfluss, vor einer Woche kaum ein einziger! Cortinarien in allen Formen und Farben, erste Schnecklinge, Trompetenpfifferlinge, Täublinge in allen Farben. Auch den Strubbelkopf – Röhrling, den ich hier noch nie fand. WAHNSINN! Es gibt keinen Meter Waldboden ohne Pilze!

Die allseits bekannten Eselsohren (Otidea onotica) nutzen in diesem Jahr auch die günstigen Wachstumsbedingungen. Standortfoto im Questiner/Börzower Wald am 01.09.2021. Essbar.

Ja, wie ist das möglich? Unterkühltes Wetter mit viel Regen im August. Dazu oft auch trübe und kein knalliger Sonnenschein und Hitze, die die Feuchtigkeit schnell wieder hätten verdunsten lassen. Ja der August war in diesem Jahr ein September. So wird die Hochsaison kurz mal vier Wochen vorgezogen. Was soll dass noch im eigentlichen Herbst werden? Unsere großen Ausstellungen finden im Oktober statt. In Rehna sogar erst im fortgeschrittenen Oktober. Na ja, eine Handvoll Spätherbstarten wird es dann ja wohl noch geben.

Ein naher Verwandter des Eselsohrs ist der Kröten – Öhrling (Otidea bufonia). Er ist düsterer gefärbt und die Außenseite der Apothezien können violette Tönungen aufweisen. Es soll auch einen Violetten Öhrling geben, aber wer weiß, vielleicht ist dieser nur nur eine Farbvariante des Kröten – Öhrlings oder umgekehrt. Standortfoto am 01.09.2021 im Questiner/Börzower Wald.

Hier sehen wir zwei Vertreter aus der nicht ganz einfachen Gattung der Rauhfüße. Birkenpilz (Leccinum scabrum). 01.09.2021 im Questiner/Börzower Wald.

Aber zunächst ist nun noch einmal der sonnige Sommer ausgebrochen. Wobei zeitweise, und welch ein Glück für uns, auch mal hochnebelartige Wolken die Sonne verdecken können. Auch der nächtliche Tau Fall wird nun stärker. Im laufe der nächsten Woche soll es auch bei uns immer wärmer werden. Deutschlandweit steigen die Temperaturen auf sommerliches Niveau zwischen 25 und 30 Grad. Das schlägt dann ganz schön in die Pilzfront ein. Lässt vieles vertrocknen, insbesondere in sonnigeren, sandigeren Wäldern und Wiesen. Aber es gibt Hoffnung! Im Gegensatz zu gestern rechnen die Wettermodelle doch ein forscheres herannahen Westeuropäischer Tiefdruckstörungen, die nach den neuesten Berechnungen auch zu uns in den Nordosten durchstoßen könnten. Zumindest kann die Hochdruck – Allianz eine Unterbrechung in Form von kräftigen Schauern und Gewittern erfahren. Eine feuchte Auffrischung wäre uns ganz recht!

Eine leicht bestimmbare Art aus der Riesengattung Cortinarius ist der unter Birken vorkommende Geschmückte Gürtelfuß (Cortinarius armillatus). 01.09.2021 im Questiner/Börzower Wald.

Der Aufbruch!

Sonnabend, 04. September – Wie geplant trudelten die Mitglieder der Vereine und Gäste gegen 09.45 Uhr auf dem Parkplatz am Roten See bei Brüel ein. Nach kurzer Begrüßung starteten wir in zwei Gruppen durch die Wälder der Umgebung. Während Torsten Richter mit seinen Leute forschen Schrittes voraus eilten und schon mal die eine oder andere Fette Henne einfingen, hing ich mit meinen Leuten etwas zurück. Und das waren nicht nur die Wismarer Pilzfreunde, sondern auch eine 11 – köpfige Gruppe aus Hagenow, die eine Pilzwanderung mit dem Steinpilz – Wismar letzte Weihnachten unter dem Tannenbaum vorfanden. Sind dort an Weihnachten in der Regel die Geschenke des Weihnachtsmannes vorzufinden, kann zu dieser Jahreszeit unter den Nadelbäumen allerhand interessantes aus dem Pilzreich entdeckt werden.

Die ersten Speisepilze, die entdeckt wurden, waren diese Würzigen Tellerlinge (Rhodocybe truncata).

Ein buntes Sammelsurium landete in den Körben, welches unbedingt noch vom Fachmann begutachtet werden muss.

Das allgemeine Pilzaufkommen hielt sich gegenüber anderen Wäldern doch etwas zurück, aber dennoch konnten am Ende wohl alle zufrieden gewesen sein, denn zumindest zu Erlernen gab es allerhand. Gegen 13.00 Uhr trafen sich alle an der Blockhütte wieder und präsentierten ihre Fundstücke. Zunächst lud Torsten Richter zu einem Gruppenfoto auf der Steganlage der Badestelle ein und dann ging es zum gemütlichen Teil, mit Speis und Trank. Natürlich auch mit einem zünftigen Pils vom Fass. Danach durchsuchte ich noch das Sammelgut unserer Gäste und stellte die wichtigsten Arten kurz vor. Dabei erläuterte ich auch die eigentliche und wichtige Aufgabe, die das Pilzreich im Gefüge der Natur zu erfüllen hat.

Junge Tigel – Teuerlinge (Crucibulum laeve) am Wegesrand.

Im Anschluss stattete ich mit zwei Warinern dem Deichelsee einen Kurzbesuch ab. Wir fahndeten nach dem Satans – Röhrling, aber leider Fehlanzeige. Nicht nur das dieser sich versteckt hielt, Frischpilze waren hier ohnehin Mangelware.

Gleich neben obigen Tigel – Teuerlingen wuchsen diese Gestreiften Teuerlinge (Cyathus striatus).

Schließlich fuhr ich alleine noch in die Jülchendorfer Buchen und in das Waldgebiet Demen/Buebeck. In den Jülchendorfer Buchen steuerte ich meine zuverlässigste Stelle von Sommersteinpilzen an. Ich hatte es irgendwie im Blut, dass es etwas bringen könnte. Tatsächlich kam ich gerade recht, denn ein neuer Schub von Sommersteinpilzen hatte sich auf den Weg gemacht. Im Vergleich zu den vormaligen Wachstumsschüben, hat sich ihre Qualität verbessert. Wenn nicht der Goldschimmel aktiv wurde, waren sie teils sogar komplett madenfrei.

Junge Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) in den Jülchendorfer Buchen am 04.09.2021.

Reifpilz oder Zigeuner (Rozites caperatus) am 04.09.2021 im Waldgebiet Demen/Buerbeck. Sehr guter Speisepilz.

Schließlich noch nach Demen – Buerbeck. Hier ging es mir um den Zigeuner. Phillip hatte an den Tagen zuvor welche in den Kobander Tannen entdeckt und hier habe ich ebenfalls ein Areal dieser inzwischen recht selten gewordenen Art. Eichen und Birken, die an Randlage auch von Kiefern und Fichten tangiert werden. Ein absolutes Pfifferlingsrevier, aber die sind hier oft durch rege Sammeltätigkeit recht ausgedünnt, so auch heute. Dafür, neben unzähligen Milchlingen und Täublingen, waren aber die gesuchten Reifpilze anwesend. Reifpilz = Zigeuner! Auch mal ein Steinpilz, aber der imposanteste Anblick eröffnete sich durch eine dicht gedrängt stehende Gruppe von insgesamt etwa 15 Birkenrotkappen auf wenigen Quadratmetern. Aller beste Qualität. Die mussten mit und landeten zusammen mit den Steinpilzen und Pfifferlingen auf dem Trockner.

Dicht gruppiert machen diese Heide – Rotkappen (Leccinum testaceoscabrum) den Eichen –  Milchlingen den Platz streitig. 04. September 2021 im Waldgebiet Demen/Buerbeck.

Es wird wirklich Herbst! Der Späte oder Leberbraune Milchling (Lactarius hepaticus) ist bereits erschienen! Standortfoto am 05.09.2021 in der Lübtheener Heide bei Probst Jesar.

Sonntag, 05. September – Heute habe ich es endlich geschafft, die noch ausstehende Mittwochsexkursion vom 21. Juli diesen Jahres nachzuholen. Der letzte Quadrant der Topographischen Karte Lübtheen = 2632 stand noch aus. Da ich gestern bekanntlich mit Gästen aus dem nicht weit entfernten Hagenow, dessen Umland ebenfalls zur Griesen Gegend gehört, am Roten See unterwegs war und diese mir von reichlich Maronen – Röhrlingen berichteten, konnte ich auch Irena überzeugen, dort mit runter zu kommen. Im 4. Quadranten gibt es reichlich Kiefernforste, wobei ein Teil als Sperrgebiet wegen militärischer Nutzung ausgewiesen ist und als munitionsverseucht gilt. Rund um den Mordkuhlenberg befindet sich das Nationale Naturerbe Lübtheener Heide. Ein großes Heidegebiet also. Wir beschränkten uns allerdings mit dem Besuch der Umgebung von Probst Jesar, mit gleichnamigen See und den umliegenden Kiefernforsten. Ein Natur – Idyll pur!

Direkt auf dem Mittelstreifen eines sandigen Waldweges wuchsen diese Kornblumen – Röhrlinge (Gyroporus cyanescens). 05.09.2021 in der Lübtheener Heide.

Frischpilze waren hier reichlich zu finden. Auch die beliebten Maronen – Röhrlinge. Allerdings nicht ganz so üppig, wie wir es aus dem späteren Herbst kennen. Auch war die Qualität diesbezüglich recht durchwachsen. Das stellte Irena leider nicht zufrieden und sie drängte auf die Weiterfahrt in einen anderen Bereich. So war ich zumindest froh, dass wir hier eine kleinere Runde drehen und ich etwas 45 Arten kartieren konnte. Wir fuhren also noch eine Runde durch die Mecklenburgischen Elbauen im Amt Neuhaus. Teils ausgesprochen arme Sandlandschaften mit Dünen – Kiefernwäldern, die in ihrem Reiz einzigartig sind. Das besonders auch bei Dömitz, unmittelbar in Elbnähe. 

Diese Steinpilze habe ich etwas standortversetzt, da im hohen Gras gewachsen, fotografiert. Sie wuchsen an einer Birkenreihe. Keine weiteren Bäume in der Nähe. Sollte es sich um den Birken Steinpilz (Boletus betulicola) handeln? Außer seinem Wirtsbaum und den mehr graubrauen Hüten ist dieser Herrenpilz nur mikroskopisch vom Gemeinen Steinpilz abgrenzbar. 05.09.2021 Lübtheener Heide.

Hin und wieder ein kleiner Zwischenstopp, denn Pilze wuchsen überall an den Straßenrändern, Täublinge und Perpilze, Riesen – Schirmpilze, kapitale Sommersteinpilze oder auch einige Birkenpilze. Auch sahen wir wieder die Rotte Wildschweine, die am helllichten Tage eine Wiesenfläche umwühlte. Ich fotografierte sie bereits auf einer früheren Mittwochsexkursion. Hier gibt es ein Wildgehege mit Beobachtungsturm und die Schwarzkittel können selenruhig ihrer Aufgabe frönen, ohne Angst zu haben, von Förster/Jäger Grünrock einen auf dem Pelz gebraten zu bekommen.

Stink – Stäubling (Lycoperdon foetidum). Standortfoto im Kiefernforst der Lübtheener Heide bei Probst Jesar.

Pilzfreund Phillip war am Wochenende auf einem Lehrgang für angehende Pilzberater in Teterow. Auf den dortigen Exkursionen wurde dieser für M-V sensationelle Fund getätigt. Ein Pilz, der noch auf meiner Lebensliste steht, dem ich auch einmal in freier Wildbahn begegnen möchte. Er wurde bisher nur einmal ganz im Westen Mecklenburgs, in den 1990er Jahren, von Benno Westphal gefunden. Es handelt sich um den stark giftigen Riesen – Rötling (Entoloma sinuatum). Foto: Phillip Müller.

Montag, 06. September – Morgen ist Neumond und die Pilze sollten wieder wachsen. Die Mondanbeter werden also Ausschwärmen, da nun auch die Steinpilze wieder am kommen sind. Das auch in den letzten zwei Wochen teilweise unglaubliches an der Pilzfront abging, wird sie kaum interessieren. Es geht nur um Steinpilze, oder? Wie dem auch sei, auch Steinpilze wachsen seit Wochen und üben Ungehorsam ihrem himmlischen Herrn gegenüber! Tatsächlich kann es aber sein, dass sie nun wieder etwas zahlreicher erscheinen, denn es greifen die letzten, nennenswerten Niederschläge von Ende August. Sie sollten also wieder verstärkt schieben. Mir scheint allerdings, dass der neuerliche Schub schon längst im Gange ist. Zumindest regional. Wieder waren die auslösenden Niederschläge sehr unterschiedlich verteilt b. z. w. ergiebig, so dass auch dieses mal wieder differenziert werden muss.

Hier sehen wir Büschelraslinge am Ufer des Probst Jesaer Sees am Standort fotografiert. Die Pilze sind recht kompakt und festfleischig. Ich vermute den Gepanzerten Büschel – Rasling (Lyophyllum loricatum). Sehr guter Speisepilz. 06.09.2021.

Wichtig ist jetzt, dass wir wieder Nachfolge – Niederschläge bekommen und diese scheinen tatsächlich in Richtung Wochenende in Arbeit zu sein. Es nähert sich von Südwesten eine Zone mit feuchtwarmer, labil geschichteter Gewitterluft. Am Freitag und Sonnabend kann es auch über M-V recht verbreitet Schauern und Gewittern. Da die Gewitter sich kaum verlagern sollen, können sie regional durchaus höhere Regenmengen ablassen, aber es wird auch wieder Gebiete geben, wo nur wenig Niederschlag fallen dürfte. Alles in allem sind das gute Aussichten. Auch die momentan zwar trockene, aber recht warme und windschwache Wetterlage ist dem Pilzwachstum sehr förderlich. 

Rosenrote Schmierlinge (Gomphidius roseolus). Ihre Partner, die Kuh – Röhrlinge, waren nicht auszumachen. 05.09.2021 Lübtheener Heide.

Ein Buchen – Klumpfuß (Cortinarius amoenolens) entfaltet sich. Gut nachvollziehbar, warum diese Riesengattung als Haarschleierlinge bezeichnet wird. 07.09.2021 im Klaasbachtal.

Dienstag, 07. September – Heute war ich am Vormittag zu einer individuellen Wanderung mit einem pilzinteressierten Pärchen aus Kiel verabredet. Sie hatten sich auch schon mit den Kieler Pilzfreunden auf die Pirsch begeben, aber die sprechen fast nur wissenschaftlich ihre Pilzfunde an, und dass ist für den Laien durchaus schwer verständlich. So nahmen sie den langen Weg aus Schleswig – Holstein auf sich, um mit mir mal in den Mecklenburger Wäldern unterwegs zu sein. Gut, dass sie sich nicht unseren Kartierungsexkursionen angeschlossen haben, wenn meist auch die wissenschaftlichen Namen fallen, aber ich/wir sind gerne Bereit, diese auch in` s deutsche zu übersetzen. So entglitten mir heute zwar auch einige Wortlaute auf Schlau, dass aber eher unabsichtlich und mit der Übersetzung sogleich folgend.

Igel – Stäubling (Lycoperdon echinatum). 07.09.2021 im Klaasbachtal.

Ametystblättriger Klumpfuß (Cortinarius calochrous). 07.09.2021 im Klaasbachtal bei Neukloster.

Ich hatte für die Tour ein artenreiches Edelrevier ausgesucht. Das Klaasbachtal bei Neukloster. Das steil ausgewaschene Bachtal glänzt bekanntlich durch seine Artenvielfalt, da reichlich Kalk im Boden eingelagert ist. Das Pilzaufkommen war zwar relativ überschaubar, aber dennoch sehr interessant und vielseitig. Verschiedene Täublinge, neben gängigen Milchlingen auch einige nicht alltägliche Vertreter wie der Rotgegürtelte Milchling, der Rauchfarbene Milchling oder der Schwefel – Milchling. Es gab sehr schöne Igel – Stäublinge, Herkuleskeulen und Korallenpilze. Verschiedene Dick-, Schleim-, und Klumpfüße, das Europäische Goldblatt und eine große Schar von Krausen Kraterellen u. a. mehr.  

Krause Kraterelle (Pseudocraterellus undulatus) am 07.09.2021 am Standort im Klaasbachtal fotografiert. Die recht seltene Art steht irgendwie zwischen der Herbsttrompete, die wir heute auch fanden, und dem Grauen Pfifferling. Guter Speisepilz.

Der Schwefel – Milchling (Lactarius decipiens) wurde bisher nur selten in M-V nachgewiesen. Toller Fund heute im Klaasbachtal – 07.09.2021.

Von 14.00 – 16.00 Uhr schnell die Sprechzeit im Info – Zentrum warnehmen und danach hatte ich schon wieder eine Verabredung zu einem Waldbesuch. Ein Pilzfreund aus Wismar möchte eine Gesundheitskur mit Chaga beginnen und den Pilz mal in natura an Birke sehen und ernten. So fuhren wir in die Redentiner Tannen, wo wir im August unsere Abendwanderung hatten. Damals entdeckten wir am Fuße einer Birke den Schiefen Schillerporling, wie sein bürgerlicher Name lautet. Es war nicht weit zu fahren und der Pilz war leicht zu enten, denn in der Regel befinden sich die schwarzen Fruchtkörper durchaus höher am Stamm. Nicht alle schwarzen Auswüchsen an Birken sind die begehrten Vitalpilze. Da ist es schon wichtig, dem Pilz mal ein erstes mal am Baum zu begegnen, um zu erkennen, was ihn ausmacht. Und da es genügend herkömmliche Speisepilze gab, war gleichzeitig in 10 Minuten noch ein herzhaftes Abendbrot eingesammelt.

Sommersteinpilze (Boletus reticulatus) heute beim Chaga holen in den Redentiner Tannen. Fast hätten wir sie wieder mit dem Auto überrollt, so wie es bei unserer Abendwanderung beinahe geschehen wäre. 07.09.2021.

Der Stamm der Zaubereiche im Törber Holz am 08.09.2021.

Mittwoch, 08. September – Das Törber Holz liegt im dritten Quadranten des Messtischblattes Mallentin = 2132. Es war Ziel der heutigen Mittwochsexkursion. Vier Augenpaare durchstreiften diesen Mischwald mit seiner Zaubereiche, der auf schweren Böden stockt. Kurzzeitig schloss sich uns auch Roland Lebendig vom Rehnaer Pilzverein an. Die Stammbegleitung setzte sich aus einem Urlauber – Pärchen aus Süddeutschland und einer jungen, naturinteressierten Dame aus der Hansestadt Lübeck zusammen. Der Bürger- & Heimatverein Börzow e.V. hat eine Schautafel eingangs des Waldes, von Bonnhagen kommend, aufgestellt und einen kleinen Parkplatz eingerichtet. Von hier aus gibt es zwei Wanderrouten durch das Törber Holz. Eine kleinere, die wir heute im wesentlichen nutzten und eine größere, die praktisch das gesamte Waldgebiet umrundet. Die Zaubereiche ist schon ein beeindruckender Baum, in dem es sich auch Hornissen gemütlich gemacht haben. Rolland erzählte uns aber, dass die ursprüngliche Zaubereiche schon längst das Zeitliche gesegnet hat, aber das jetzige Naturmonument kann sich auch sehen lassen. Unter ihr wuchsen einige Täublinge.

Ein Schmarotzer – Röhrling (Xerocomus parasiticus) wächst aus einem Dickschaligen Kartoffel – Hartbovist (Scleroderma citrinum) heraus. 08.09.2021 im Törber Holz.

Der Pilz des Jahres 2003 war der Papageigrüne Saftling (Hygrocybe psittacina). 08.09.2021 im Törber Holz.

Im Vergleich zu vielen anderen Wäldern war das allgemeine Frischpilzaufkommen im Törber Holz doch sehr reduziert. Hatten unsere Urlauber gestern noch jede Menge volkstümliche Speisepilze, allen voran Maronen – Röhrlinge im Revier Weiße Krug, einschließlich dem Radebachtal bei Blankenberg, einsammeln und in der Pilzberatung vorlegen können, musste man sich hier doch mächtig anstrengen, um überhaupt eine Pilzmahlzeit zusammen zu bekommen. Da schwärmten sie dann doch noch vom Radebachtal, wo es Pilze in rauen Mengen gab. Nicht nur die banalen Maronen – Röhrlinge, sondern eine bunte Vielfallt bis hin zu den herrlichsten Korallenpilzen. Das Radebachtal scheint sich derzeit wohl von seiner besten Seite zu zeigen.

Ein Top – Fund war auch dieser Blozende stinkvezelkop, wie ihn die Niederländer nennen. Zu deutsch Grünroter Rißpilz und auf Schlau Inocybe haemacta. Der Hutscheitel grünt etwas und im Alter oder bei Verletzung rötet dieser seltene Rißpilz. Sein Geruch ist urinartig. In M-V wurde er im Raum Nordwestmecklenburg schon mehrfach nachgewiesen, im Rest des Landes gibt es kaum Fundpunkte. Auch in ganz Deutschland scheint dieser leicht kenntliche Rißpilz nicht gerade häufig zu sein. Giftig! 08.09.2021 im Törber Holz.

Zurück zum Törber Holz. Da meine Exkursionsbegleitung heute nicht vordergründig Speisepilze ernten wollte, sondern etwas dazu lernen, war es auch völlig ausreichend, was uns hier geboten wurde. Die junge Dame aus Lübeck hat gleich ihre Fundstücke im Wald beschriftet und mit Zettel versehen, um zuhause nochmals Bestimmungsübungen durchzuführen. Ein ausführlicher Bericht folgt irgendwann in den nächsten Wochen oder Monaten.

Auch dieses rätselhafte Gewöll begeisterte uns heute. Ich denke, es ist ein Myxomycet. Vielleicht aus der Gattung Trichia. Schade, dass ich ihn zur Zeit nicht näher ansprechen kann. 08.09.2021 im Törber Holz.

Diese Verwandten des bekannten Mehlpilzes habe ich heute auf der Moosfläche meiner Pilzausstellung fotografiert. Sie sind dort gewachsen. Sehr praktisch! Ich brauche nur noch ein Namensschild dazu stellen. Muschel – Räsling (Clitopilus hobsonii).

Donnerstag, 09. SeptemberDer September scheint tatsächlich für den wenig hochsommerlichen August in die Bresche springen zu wollen. Das war heute mal wieder ein echter Sommertag, der ab 25 Grad im Schatten als solcher gilt. Aber zumindest eine dezente Abkühlung macht sich bereits auf den Weg. Erste Gewitter haben auf Westdeutschland übergegriffen und verlagern sich langsam in Richtung Nordosten. Erste Exemplare könnten bereits morgen früh Westmecklenburg erreichen. Die Gewittertätigkeit wird sich im Tagesverlauf intensivieren. Örtlich können sogar unwetterartige Regenmengen von bis zu 35 Liter auf den Quadratmeter fallen. Anderen Ortes mag es allenfalls etwas tröpfeln oder sogar komplett trocken bleiben. Es sind also wieder konvektive Niederschläge und da gilt es im Auge zu behalten, wo die Starkregenschauer besonders intensiv waren. Aber das Spiel kennen wir ja.

Meist als Einzelgänger oder nur zu wenigen Exemplaren findet sich der Krummstiel – Schüppling (Pholiota tuberculosa) an Laubholz – Ästen und Stämmen. 08.09.2021 im Törber Holz.

Auch Sonntag und Montag kann es noch etwas Schauern, bevor sich das Wetter wieder beruhigen soll. In der nächsten Woche kann sich das Spiel wahrscheinlich wiederholen. Die etwas zurück gegangenen Temperaturen steigen allmählich wieder auf sommerliche Werte an und in der 2. Wochenhälfte greifen von Südwesten unter Zufuhr immer schwülerer Luft neue Schauer und Gewitter, teils mit Unwetterpotential, über. Also ein insgesamt recht warmes Temperatur – Nivea, wenig Wind, gelegentliche Regengüsse, das nenne ich nahezu ideales Pilzwetter. Die bisher gut angelaufene Hauptsaison geht also weiter.

Ein häufiger Buchenbegleiter ist der Brandige Ritterling (Tricholoma ustale). Seine braunen Hüte können von Sonntagssammlern für Maronen gehalten werden. Der Pilz ist zwar essbar, aber wenig schmackhaft. 08.09.2021 am Standort im Törber Holz.

Interessant ist um diese Jahreszeit auch immer mal, was die tropischen Tiefdruckgebiete so machen. Also die tropischen Stürme und Hurricane, die oft in die atlantisches Westwinddrift mit einbezogen werden. In der kommenden Woche wäre das beispielsweise Ex – Hurricane Larry, der sehr warme und feuchtigkeitsgesättigte Luft in die Zirkulation mit einspeist und auch mit seinen hohen Windgeschwindigkeiten den Atlantik ganz schön aufmischen könnte. Somit kann er durchaus auch für das Europäische Wettergeschehen nicht unbedeutend sein.

Die Maronen – Röhrlinge (Xerocomus badius), die im moosreichen Fichtenforst des Törber Holzes wuchsen, gehörten alle samt zu einer heller bräunlichen Form dieses beliebten Speisepilzes.

Safran – Schirmpilz (Macrolepiota rhacodes). Essbar. 08.09.2021 im Törber Holz am Standort.

Der feuchtkühle August hat also das Frischpilzwachstum ordentlich angekurbelt und die oft windschwache September – Wärme mit Schauern und Gewittern bietet ihnen doch beste Bedingungen. Trotz der guten Saison, gibt es Gejammer. Nicht genug Steinpilze, zu wenige Maronen. Schon wieder alles zu trocken. Nur noch alte Latschen und ähnliches bekomme ich zu hören und zu lesen. Das ist einfach so, wenn die Pilzsaison relativ ausgeglichen verläuft. Aber es geht auch ganz anders. Pilzfreundin Angelika war in der letzten Zeit in einigen Niedersächsischen Heidegebieten unterwegs und hier gab es ihren Worten nach einen wirklich starken Schub von Maronen – Röhrlingen. An einem Straßenrand Steinpilze ohne Ende, soweit das Auge es erfassen kann. Auch ihre geliebten Kiefern – Steinpilze konnte sie aufspüren. Und natürlich vieles, andere mehr. Es gibt in diesem Jahr wirklich nichts zu Jammern, auch wenn es regional auch mal dürftiger aussehen mag. Wir sind auf dem Wege zu einem guten Pilzjahr! Wann hat es das zum letzten mal gegeben? Einfach mal die zurückliegenden Tagebücher durchblättern.

Immer wieder schön, das Luftmyzel des Helmlings – Schimmels (Spinellus fusiger). Wir sehen hier also gleich zwei Pilzarten. Ein Rettich – Helmling (Mycena pura), der von seinem filigranen Parasiten befallen ist. 08.09.2021 im Törber Holz.

Die Gattung der Riesenschirmpilze beinhaltet eine ganze Reihe von recht ähnlichen Arten. Hier habe ich mal den Hut des nicht so häufigen Warzen – Schirmpilzes (Macrolepiota mastoidea) im Törber Holz am 08.09.2021 fotografiert. Die Hutschüppchen sind im Vergleich zu anderen Parasolen nur sehr klein und die Hutmitte erinnert an eine Brustwarze. Essbar.

Freitag, 10. September – Bereits in den Früh- und Vormittagsstunden zog ein Gewitter – Cluster über Westmecklenburg, mit örtlich starken Regengüssen. In Wismar wurde es kurzzeitig mal nass. Tagsüber kam es nur zu örtlichen, kleinen Schauern. Jetzt am Abend machen sich aus Südwesten neue Schauer und teils kräftige Gewitter auf den Weg nach Mecklenburg. Es könnte eine unruhige Nacht werden, falls die Gewitter nicht an Energie einbüßen. Momentan (20.00 Uhr) geht jedenfalls ordentlich die Post über Niedersachsen ab. Heftige Brummer und sehr blitzintensiv, bis hin zum Hagelniveau sind dabei. Hoffen wir, dass das Gröbste bis morgen früh 08.00 Uhr durch ist, denn dann soll eine öffentliche Lehrwanderung von Wismar aus starten. Ziel ist der bewaldete Höhenzug namens Kühlung, zwischen der Mecklenburgischen Kleinstadt Kröpelin und dem Ostseebad Kühlungsborn. Es geht also in ein kleines Norddeutsches Mittelgebirge, dass sich bis zu 130 Meter über die nur wenige Kilometer entfernte Ostsee erhebt. Tatsächlich wurden hier auch schon eher montan verbreitete Pilzarten, wie der Olivgelbe Holzritterling gefunden. Ein Pilz, der bei uns im platten Norden eigentlich nichts zu suchen hat. Wie dem auch sei, hoffen wir auf eine pilz- und lehrreiche Wanderung durch die Kühlung.

Hier noch eine wunderschöne Aufnahme von Christopher Engelhardt, die ihm auf unserer vorletzten Mittwochsexkursion im Questiner/Börzower Wald am 01.09.2021 gelang. Sie zeigt einen Myxomyceten = Schleimpilz, nämlich das Löwenfrüchtchen (Leocarpus fragilis).

Hier die Hutoberseite eines weiteren, selteneren Riesenschirmpilzes, nämlich des Jungfern – Schirmpilzes (Macrolepiota puellaris). Der elegante Schirmpilz besticht durch seine smarte Erscheinung. Wir finden ihn im Nadelhumus. 01.09.2021 im Questiner Wald.

Am nächsten Wochenende geht es in ein anderes, norddeutsches Mittelgebirge, nämlich in die Märkische Schweiz in Brandenburg. Dort verlief der Sommer auch in diesem Jahr sehr trocken. Aber in den zurückliegenden Wochen hat es auch hier teils ergiebig geregnet. Ich habe mich heute mal kurz im Pilzticker umgeschaut, wie die Pilzlage in Berlin/Brandenburg aussieht. Das Frischpilzwachstum ist hier nun auch erwacht und das wie üblich mit einem heftigen Schub von Röhrlingen. Insbesondere größeren Mengen von Steinpilzen. Die erleben im großen Norden derzeit einen beeindruckenden Wachstumsschub, glaubt man den Bildern und Kommentaren der glücklichen Finder. Aber Gejammer macht sich auch hier breit. Bis zu 80 % der Herrenpilze sollen von Maden befallen sein. Wie dem auch sei, der Berlin/Brandenburger Raum wurde auch heute von einigen kräftigen Gewittern überquert und vielleicht gibt es hier morgen auch noch Regennachschub. Hoffen wir also, dass uns ein vielseitiges Frischpilzaufkommen in der Märkischen Schweiz geboten werden wird. 

Hier noch eine Stimmungsvolle Aufnahme von Christian Ehmke. Sie zeigt den giftigen Doppelgänger des Edel – Reizkers, den Birken – Reizker (Lactarius torminosus). Er besitzt weißen Milchsaft und der Edel – Reizker roten. Auch wäre der Hutrand des essbaren Reizkers niemals so wollig, wie bei hier gezeigter Art.

Sonnabend, 11. SeptemberDie teils noch heftigen Gewitter von gestern Abend schwächten sich bei ihrer Verlagerung nach Mecklenburg – Vorpommern Tagesgang bedingt ab. Trotzdem kam es die ganze Nacht hindurch verbreitet zu schauerartigen Regenfällen samt Blitz und Donner. Örtlich hat es auch wieder kräftig geschüttet. Häufig waren die Regenfälle aber nicht übermäßig. Auf jeden Fall war es eine Auffrischung der Oberböden, welche nach den trockenen Tagen auch dringend angezeigt war.

Der Höhenzug der Kühlung steigt direkt hinter dem Ostseebad Kühlungsborn bis auf knapp 130 Meter über dem Meeresspiegel an. Für uns Flachländer schon ein recht anspruchsvolles Gelände.

Einen schönen Anblick lieferte uns der Grauhäutige Scheidenstreifling (Amanita submembranacea). Essbar und am Standort fotografiert in der Kühlung am 11.09.2021.

Unsere heutige Pilzwanderung durch die Kühlung konnten wir trocken über die Runden bringen. Zumindest war es so von oben, aber ziemlich nass von unten. Hier hatte es ganz gut Wasser gegeben und die oft von der Forst zerfahrenen Waldwege waren wegen Wasser und Schlamm teilweise nicht trockenen Fußes zu begehen. Von Trockenheit also keine Spur. Allerdings stockt das hügelige Waldgebiet auf schweren Böden, wo das Wasser besonders auf den verfestigten Wegen kaum versickern kann. Wie dem auch sei, die achtköpfige Gruppe erlebte eine recht vielseitige Wanderung, was das Artenangebot angeht. So sahen die gut gefüllten Körbe der Sammler am Ende recht bunt aus. Neben Klassikern wie Steinpilzen, Maronen oder Rotfüßchen waren darin vor allem auch einige Täublinge, Safran – Schirmpilze, Perlpilze, Graue Wulstlinge, Herbsttrompeten und einiges mehr enthalten.

Stichtag des Wenzelspilzes ist zwar der 28. September, aber schon heute zeigte sich die erste Vorhut. Gelbschuppiger Hallimasch (Armillaria lutea). Guter Speisepilz, der roh giftig ist. Standortfoto am 11.09.2021 in der Kühlung.

In der Pilzberatung wurde heute ein ähnliches Sammelsurium aus der Jamelner Forst vorgelegt. Hier dominierten Rotfüßchen und Maronen in allen Altersstadien. Es hat sich in vielen Wäldern also ein solides Frischpilzaufkommen eingestellt. Neben überständigen Steinpilzen und Maronen schieben auch immer wieder junge Exemplare nach. Das mag sicher noch zwei/drei Wochen so weiter gehen und dann dürften wir den Spätherbst begrüßen. 

Welch ein toller Fund! Da kommt natürlich Freude auf. Die korbfüllende Fette Henne (Sparassis crispa) wuchs am Fuße einer Fichte. 11. September 2021 in der Kühlung.

Sonntag, 12. September – Heute gab es ein Wiedersehen mit unserem Pilzfreund Jochen, der vor wenigen Jahren nach Niedersachsen umgezogen war, aber trotzdem der Gruppe der Pilzfreunde innerhalb der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. treu geblieben ist. „Schuld“ an unserem Wiedersehen war allerdings eine private t-v Gesellschaft, die im Auftrag des NDR Menschen sucht, für die Leuchte des Nordens. Die wird bekanntlich seit 20 Jahren vom NDR in Hamburg produziert. Die NDR – Quiz – Show mit Jörg Pilawa. Hier kämpft vor vielen Zuschauern an den Flimmerkisten jeweils ein Kandidat aus seinem Norddeutschen Bundesland um die „Leuchte des Nordens“. Daher ist das Fernsehen immer auf der Suche nach geeigneten Kandidaten, die für ihr Bundesland in den Ring steigen können.

Schöne Grüße aus Schweden übermittelt uns mit diesem Bild Christopher Engelhardt. Er ist hier mit Partnerin Andrea für einige Wochen unterwegs, um den nordischen Herbst zu erleben und vielleicht auch mal ein Polarlicht einzufangen und zu bewundern.

Weißer Polsterpilz (Oligoporus ptychogaster) schon etwas angegilbt auf einem Fichtenstubben in der Haushalt Forst Bad Kleinen am 12.09.2021.

Da die Geschäftsführerin der privaten Fernsehfirma eine begeisterte Pilzliebhaberin ist und sie Steinpilze ganz besonders mag, ist sie zufällig auf diese Homepage gestoßen und fand das Ganze, was wir hier in Wismar betreiben, unglaublich aufregend und beim nächsten Aufenthalt an der Ostsee und in unserer altehrwürdige Hansestadt, steht ein Besuch im Steinpilz – Wismar ganz weit oben auf ihrer Wunschliste. So fand sie auf unserer Internetseite nicht nur hinreichend Informationen rund um den Steinpilz, sondern wurde auch fündig hinsichtlich ihrer beruflichen Verpflichtungen, interessante Kandidaten, die etwas außergewöhnliches für ihre jeweilige Region auf die Beine stellen, für die genannte Fernsehsendung auszuwählen. Dafür würde Sie gerne unseren Dr. Jochen Sperber und meine Wenigkeit gewinnen. Ich versuchte ihr zwar auszureden, mich in die engere Auswahl zu nehmen, da ich eher das Rote Schlusslicht für M-V tragen würde, denn als Leuchtturm für  Mecklenburg – Vorpommern zu fungieren. Jochen dürfte meiner Auffassung nach genau der richtige dafür sein. Ein belesener und gebildeter, weltgewandter Mensch, mit der nötigen Portion hintersinnigem Humor. Ja, der sogar selbst Bücher schreibt und veröffentlicht. Er würde trotz des veränderten Wohnortes für Mecklenburg – Vorpommern antreten dürfen, da es recht schwierig ist, aus unserem Bundesland Kandidaten zu gewinnen, während im großen Flächenland Niedersachen ein Überangebot besteht.

Frische Tüten des Anis – Zählings (Lentinellus cochleatus) aus dem Rand eines Buchenstubbens heraus wachsend, in der Haushalt Forst Bad Kleinen am 12.09.2021. Es handelt sich um die geruchlose Form.

So waren wir heute in ein Hotel am alten Hafen in Wismar zur Eignungsprüfung, oder modern ausgedrückt, zur Casting – Show  eingeladen. Fragebögen beantworten nach dem Rateschema der Sendung und auch ein kleiner Videofilm von den Kandidaten, in dem sie sich kurz vorstellen und für die Sendung empfehlen können. Der NDR wird schließlich entscheiden, wer tatsächlich in die Sendung eingeladen wird. Da noch eine Reihe weiterer Bewerber im Casting waren, habe ich ja noch eine Chance, nicht in die engere Auswahl zu gelangen. Allerdings Winken dem Sieger der Quiz – Show 1000.00€. Die könnte der Steinpilz – Wismar b.z.w. die Gemeinnützige Gesellschaft gut gebrauchen, damit der Steinpilz – Wismar auch in Zukunft eine Überlebens – Chance hat.

Der Graugrüne Milchling (Lactarius blennius) ist ein ungenießbarer Massenpilz des Buchenwaldes. Sein weißer Milchsaft schmeckt brennend scharf. 12.09.2021 in der Haushalt Forst Bad Kleinen.

Im Anschluss lud uns Jochen und seine Frau zum Essen ein. Uns, das waren Irena, Jonas und meine Wenigkeit. Dann mussten sie sich jedoch sputen, denn in Niedersachsen waren Kommunalwahlen. Irena, Jonas und ich fuhren schließlich noch kurz in die Haushalt Forst bei Bad Kleinen. Uns interessierte, ob es wohl reichlich Herbsttrompeten geben möge. Gleich zu Beginn fand Jonas ein Nest von ihnen und das war`s dann auch schon.  Aber wir suchten uns eine schöne Mischpilzpfanne für heute Abend zusammen, die vorzüglich mundete.

Das ergibt eine leckere Mischpilz – Pfanne. Dominant waren Wasserfleckige Röteltrichterlinge, Lungenseitlinge und Herbsttrompeten. Dazu der hochwertige Grüngefelderte- und Frauen Täubling, Stockschwämmchen. Ziegenlippe und Marone hätten nicht sein brauchen, die Wollstiel – Birkenpilze waren zum Glück noch jung und fest. Am besten mundeten mir die Wasserfleckigen R. T. und vor allem die Lungenseitlinge.

Einen schönen Farnaspekt liefert uns hier Christian Ehmke. Wir sehen den sehr häufigen Seidigen Rißpilz (Inocybe geophylla) in seiner etwas selteneren, violetten Form (var. lilacina). Giftig!

Montag, 13. September – In der Pilzberatung in Wismar geht es recht ruhig zu. Angesichts des teils enormen Frischpilzaufkommens in Teilen von Mecklenburg – Vorpommern, sogar ungewöhnlich dezent. Das liegt an dem nach wie vor differenzierten Pilzaufkommen in unseren Wäldern. Besonders in den auch in diesem Sommer sehr trockenen Regionen in Vorpommern, scheint jetzt richtig die Post abzugehen. Pilzsucher, die dort am Wochenende unterwegs waren, berichten von sehr vielen Steinpilzen und Maronen. Hier ist es also wie erwartet richtig explodiert. Selbiges dürfte in der Region Berlin/Brandenburg abgehen, in der ich ja am Wochenende unterwegs sein werde. Bei uns läuft es hingegen in etwas ruhigeren Bahnen ab, obwohl es stellenweise weiterhin sehr viel zu Ernten gibt. Die Steinpilze schieben seit Wochen und punktuell auch richtig lohnend. Auch viele andere Arten sind unterwegs. Eine Besucherin der Ausstellung sagte mir heute, wer derzeit nicht zufrieden ist und ohne Pilze aus Wald und Flur heimkehrt, dem sei nicht mehr zu helfen. Also ab in die Wälder, besser wird es in diesem Jahr nicht mehr, bis auf die Spätherbstpilze wie Hallimasch, Stockschwämmchen, Rötel – Ritterlinge u. a., die bald das Zepter übernehmen werden. 

Auch diese häufige Art fällt durch ihre intensive blaugrüne Färbung auf. Blauer Träuschling (Stropharia caerulea) Essbar.

Dienstag, 14. September – Heute wurde seit sehr langer, Corona – bedingter Pause, zu einem abendlichen Treffen in den Steinpilz – Wismar eingeladen. Das Treffen galt der Vorbereitung unserer diesjährigen Großpilzausstellung am ersten Oktober – Wochenende. Leider nahmen diesen Termin nur wenige Vereinsmitglieder wahr. Das unsere alte Garde nicht mehr zu mobilisieren ist, war klar. Aber wir haben inzwischen doch auch reichlich neue und durchaus junge und agile Pilzfreunde hinzu gewonnen, von denen ich hoffe, dass sie sich etwas mehr einbringen, wenn solch wichtige Termine, wie die mit viel Arbeit verbundene Großpilzschau anstehen. Im Verein zu sein bedeutet nicht nur Vergünstigungen auf unseren Wanderungen zu genießen, sondern auch gemeinsam etwas gemeinnütziges auf die Beine zu stellen.

Eine wirklich außergewöhnlich gelb leuchtende Lohblüte (Fuligo septica) fanden wir am Sonntag in der Haushalt Forst. Sohn Jonas meinte, sie füttern zu müssen und steckte ihr einen Buntstieligen Helmling in dem Mund. Angelehnt an einen Zeitrafferfilm, der zeigt, wie sich die Gelbe Lohblüte über ein Stockschwämmchen hermachte und es völlig aufzehrte. Kein Wunder, es sind ja Pilztiere!

Aber vielleicht habe ich daran auch etwas Schuld, da ich gestern den Ausfall des Abends und auch unserer Pilzausstellung kurzzeitig angekündigt habe. Ich hatte Bedenken, wegen der aktuellen Infektionslage in Verbindung mit Veranstaltungen in Innenräumen. Andererseits habe ich noch jede Mengen tiefgefrorene Waldpilze, die ich gerne im Zuge unseres Imbissgeschäftes los werden möchte. Immer wieder fragen die Leute nach, wann es endlich wieder unsere leckeren Pilzspezialitäten gibt. So wollten wir heute Abend eigentlich in einem etwas größeren Kreis darüber beraten, ob und wie die diesjährige Ausstellung aussehen und vonstatten gehen könnte. Wir haben uns darauf geeinigt, den Termin nicht platzen und die Großpilzausstellung wie gewohnt und wie angekündigt über die Bühne gehen zu lassen. Es sei denn, die Corona – Regeln werden dahingegen verschärft, dass wir doch noch absagen müssen. Es bleibt also nach wie vor ein kleines Fragezeichen hinter diesem Termin. 

Ein häufiger Haarschleierling und auch recht leicht kenntlich ist der Wohlriechende Gürtelfuß (Cortinarius torvus). Sein Fleisch riecht im Schnitt angenehm nach getrockneten Pflaumen. Ungenießbar. Standortfoto am 12.09.2021 in der Haushalt Forst Bad Kleinen.

Herrliche Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) heute im Strohkirchener Holz. Sie liegen nun auf dem Trockner. 15.09.2021.

Mittwoch, 15. September – Die Woche wird geteilt und damit stand heute wieder eine Mittwochsexkursion auf dem Plan. Ein letztes mal ging es in das MTB Mallentin. Nach dem Holmer Wald, dem Börzower/Questiner und dem Törber Holz, war heute im vierten Quadranten das Strohkirchener Holz an der Reihe. Während der Holmer Wald und der Börzow/Questiner auf armen Sanderflächen stehen, so stocken sowohl das Törber Holz wie auch das Strohkirchener Holz auf schweren, teils sogar kalkreicheren Böden. Daher finden sich auf relativ kleinem Raum höchst unterschiedliche Böden und entsprechend verschiedene Waldtypen. Die sandigen Forste sind in der Regel die klassischen Revier der Kochtopf – Mykologen und die basenreicheren Wälder auf besseren Böden begeistern den Hobby – Mykologen. Selbstverständlich können beide auch in den jeweils anderen Gebieten glücklich werden, denn sowohl arme Sandstandorte können sehr interessante Pilzarten hervorbringen und auch in den basenreicheren Wäldern können einige der beliebtesten, weniger wählerischen Speisepilze vorkommen.

Hier sehen wir zwei Milchlinge, die nur wenig voneinander entfernt wuchsen. Rechts der überaus häufige Süßliche Milchling (Lactarius subdulcis) und links eine Art, die man für einen Braunroten Milchling (Lactarius badiosanguineus) halten könnte. Nur, dass der Pilz im Norddeutschen Tiefland bisher überhaupt noch nicht nachgewiesen wurde. Jedoch soll es ein isoliertes Vorkommen im östlichen Hügelland Schleswig – Holsteins geben. Ich denke eher, es dürfte sich um den Orangefuchsigen Milchling (Lactarius ichoratus) handeln.

Ein weiterer Hit des Tages ist hier zu sehen. Der Weichstielige Schleimfuß (Cortinarius eburneus) ist in ganz Deutschland ausgesprochen selten nachgewiesen. Jedenfalls laut Verbreitungskarte der DGfM. Der kleine Schleierling ist unter Rotbuchen auf basischen Böden zu finden und sein Schleim schmeckt extrem bitter, ähnlich dem viel häufigeren Galligen Schleimfuß. Toller Fund! 15.09.2021 im Strohkirchener Holz.

Heute jedoch wäre der Küchen – Mykologe, der nur Röhrlinge in seine Sammelbehälter verfrachtet, im Strohkirchener Holz völlig fehl am Platze gewesen. Wir, das war meine Wenigkeit und ein Urlauber – Pärchen aus Erfurt, die bei dieser Gelegenheit auch gleich der Gruppe der Pilzfreunde in Wismar beitraten, konnten nach gut 3 stündiger Exkursion nicht die Spur eines Röhrlings entdecken. Nicht einmal die in jedem Wald überaus häufigen Rotfüßchen waren vertreten. Überhaupt war das Strohkirchener Holz im Vergleich zu vielen anderen Wäldern derzeit, nicht gut drauf. Das Revier wirkte über weite Strecken pilzleer. Kaum mal ein Täubling oder Milchling, nur punktuell wurde es mal etwas interessanter, dann aber mit durchaus tollen Funden! Das soll aber nicht heißen, dass es heute keine Speisepilze gab. Wer die ausgezeichneten Stockschwämmchen liebt, hätte hier Feiern können. Etliche Stubben waren von ihnen mehr oder weniger überzogen und meist auch im idealen Erntealter. So habe auch ich zugeschlagen und eine Ladung für mein Dörrgerät geerntet und meine Begleitung nahm sich welche zum Abendbrot mit. Wäre ich allein gewesen, so hätte ich sicher noch meinen großen Weidenkorb voll sammeln können. Aber wir wollten ja in erster Linie Kartieren und diesbezüglich kam am Ende dann doch noch einiges und teilweise auch recht interessantes zusammen.

Ganz sicher bin ich mir bei der Bestimmung dieses Schirmlings noch nicht, aber ich vermute, es dürfte sich um den Fatal Dapperling, wie ihn die Engländer nennen, handeln. Zu deutsch: Fleischbrauner Schirmling (Lepiota helveola). Tödlich giftig! Enthält Knollenblätterpilzgifte! 15.09.2021 im Strohkirchener Holz.

Das Wetter hielt zum Glück bis zum Ende der Tour einigermaßen durch, aber es wurde zunehmend regnerischer. Schließlich regnete es sich ein und wir brachen ab. Bis zum Abend pladderte es weiter, so dass sich in meinem Messbecher in der Wismarer Innenstadt 11 Liter einfanden. Ein schöner Landregen war das heute und ganz in unserem Interesse.

Zerstreut bis selten ist bisher dieser Schleierling in Deutschland nachgewiesen. Im Norden hauptsächlich im Nordwestmecklenburger Raum durch unsere Kartierungen und einige Fundmeldungen liegen auch aus Schleswig – Holstein vor. Hainbuchen – Hautkopf (Cortinarius schaefferi). 15.09.2021 im Strohkirchener Holz. 

Schon alleine mit den hier fotografierten und gezeigten Arten hat das Strohkirchener Holz seine Klasse bewiesen und ist ganz sicher noch für manch andere Überraschung gut.

Donnerstag, 16. September – Ein Pilzfreund der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. war heute in der Haushalt Forst Bad Kleinen und Drispeth/Zickhusen unterwegs. Es gibt hier allgemein weiterhin viele Pilze. Auch immer wieder Inseln der beliebten Herbsttrompeten.

Diese Koralle habe ich gestern im Strohkirchener Holz an einem liegenden, bemoosten Buchstamm fotografiert. Ich denke, es handelt sich um die Steife Koralle (Ramaria stricta). Unweit des Stammes wuchs sie in beeindruckenden Mengen auf Holzspänen. 15.09.2021.

Einen tollen Fund konnte Phillip heute in der Haushalt Forst machen. Er entdeckte eine Gruppe der wunderschönen Dunkelvioletten Dickfüße (Cortinarius violaceus). Der schöne Haarschleierling soll essbar sein.

Die Saison wurde nun auch wieder gestützt durch die neuerlichen Regenfälle. So sind in unserem Einzugsgebiet in den zurück liegenden 72 Stunden zwischen 10 und 24 Liter gefallen. Die 24 hat Schwerin geschafft. Alles in allem wieder recht ordentlich und damit müssen wir zunächst zufrieden sein, denn der Regen wird in den nächsten Tagen immer spärlicher und bis Mitte der kommenden Woche wird es dann immer trockener. Wir liegen am Rande eines Skandinavienhochs und dieses führt ab Sonntag für die Jahreszeit schon sehr frische Luft zu uns. In der trockenen Kaltluft sind dann bei klaren und windschwachen Verhältnissen nur noch einstellige Tiefstwerte zu erwarten. In besonders ungünstigen Muldenlagen, fern ab der Ostsee, kann sogar geringer Bodenfrost nicht ausgeschlossen werden. Ein erster Hauch der bald beginnenden kalten Jahreszeit, des Winterhalbjahres. Aber keine Angst, das Frischpilzaufkommen wird dadurch keinen Schaden nehmen. In der 2. Hälfte der nächsten Woche könnte sich das Islandtief deutlich verstärken und einen Tiefkomplex bis Nord- und Westeuropa ausweiten. Dann könnte es richtig herbstlich werden mit viel Regen und Wind.

Bei diesen Schlauchpilzen dürfte es sich um eine bräunliche Form der Herbst – Lorchel (Helvella crispa) handeln. 15.09.2021 im Strohkirchener Holz.

Das September – Tagebuch wird nun eine Pause einlegen. Morgen fahre ich zu einem Pilzseminar in die Märkische Schweiz, in das Umweltbildungszentrum DreiEichen bei Buckow. Mal schauen, wie es dort aussieht. Im vergangenen Jahr fand diese Veranstaltung schon einmal dort statt und wir erlebten ein kurzweiliges Pilzwochenende mit reichlich tollen Funden. So hoffe ich, das uns auch in diesem Jahr einiges geboten wird. 

Herbstzeit ist Ritterlingszeit. Hier sehen wir den Gelbblättrigen Ritterling, der gestern in zahlreichen Exemplaren unweit einer Birke stand. Dieser braunhütige Ritterling, mit seinen gelben Lamellen, ist streng an die Birke gebunden. Als Speisepilz nicht zu empfehlen. 15.09.2021 im Strohkirchener Holz.

Zum 2. mal lud der Steinpilz – Wismar zu einem Seminar in das Umweltbildungszentrum Drei Eichen bei Buckow ein.

Freitag, 17. September – Heute morgen setzte ich mich in den Zug der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (ODEG) um in die Märkische Schweiz zu fahren. Also in das Bundesland Brandenburg, unweit von Berlin. Die Zugverbindung ist eigentlich recht unproblematisch, mit einmal Umsteigen in Berlin. Aber derzeit gibt es auf dieser Strecke umfangreiche Baumaßnahmen, so dass zwischen Ludwigslust und Wittenberge Schienen – Ersatzverkehr (Bus) angesagt ist. Auch in Berlin musste ich 2 mal umsteigen. Wie dem auch sei, ich war pünktlich um 13.14 Uhr in Müncheberg, wo mich die Organisatoren Doreen und Olli abholten. Mit dem Auto hatten wir nach einigen Minuten unser Seminar – Objekt erreicht. Das Umweltbildungszentrum Drei Eichen bei Buckow. Direkt vor dem Einparken in unsere Parknische begrüßten uns fünf imposante Riesen – Champignons. Die Veranstaltung war gerettet, es gibt Pilze!

Insgesamt fünf Riesen – Champignons (Agaricus augustus) begrüßten uns gleich bei der Ankunft vor dem Objekt.

Nach kurzer Einweisung und der Zimmerbelegung ging es in die Waldhalle, die wir in diesem Jahr für unsere Vorträge und Pilzbestimmungen nutzen durften. Anders als in den Vorjahren, wo Ulrich Klein oder Christopher Engelhardt den Theorieteil bestritten, musste ich dieses mal auch diesen Part übernehmen. Zunächst gab es einen bebilderten Spaziergang durch das Pilzjahr und im 2. Teil stellte ich in Wort und Bild einige wichtige Speisepilze und ihre ungenießbaren b. z. w. giftigen Doppelgänger vor. Der Tag mündete am Abend in einem gemütlichen Beisammensein, so wie es sich gehört, mit Pils und Wein. 

Auch in diesem Jahr blieb der Douglasien – Röhrling (Suillus lakei) seinem Standort unter einer Douglasie auf dem Objekt von Drei Eichen treu. Der exotische Schmierröhrling ist essbar. Standortfoto am 17.09.2021.

Wenn schon der Steinpilz – Wismar im Brandenburgischen zu Gast ist, darf das namensgebende Objekt auch nicht fehlen. Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis). Foto: Johanna Davids.

Sonnabend, 18. September – Heute waren Exkursionen angesagt. Nach dem Frühstück starteten wir, eine Gruppe von Pilzbegeisterten, die teils sogar einen weiten Anreiseweg von Hannover oder Dresden nicht gescheuten haben, in ein sandiges Misch- und Nadelwald – Revier direkt vom Objekt aus. Das Frischpilzaufkommen war recht vielseitig, so dass keine Langeweile aufkommen konnte. Neben klassischen Speisepilzen wie Maronen – Röhrlingen, Steinpilzen, Edel – Reizkern, Hallimasch, Stockschwämmchen oder Pfifferlingen gab es reichlich verschiedene Täublinge, Milchlinge, Helmlinge und vieles mehr. So wurden reichlich verschiedene Arten zum Bestimmen und Auswerten mitgenommen, aber auch reichlich Speisepilze. Dieses mal landete in den Speisepilzkörben eine wirklich bunte Mischung, die ohne Fachmann so kaum möglich wäre. Und dabei unterstützte mich unser Nachwuchspilzberater Phillip Müller ganz hervorragend. Als für mich bedeutendster Fund der ersten Exkursion möchte ich den Ulmen – Holzrasling nennen, der am Stamm einer alten Ulme wuchs. Durch das Ulmen – Sterben ist dieser Pilz mittlerweile ziemlich selten geworden.

Selten geworden – der Ulmen – Holzrasling (Hypsizygus ulmarius) unweit der Umweltbildungsstätte Drei Eichen in Brandenburg.

Farbenfroher Saftling (Hygrocybe spec.).  Um welche Art es sich handelt, entzieht sich leider meiner Kenntnis. 18.09.2021 in der Märkischen Schweiz.

Nach dem Mittag starteten wir in die 2. Runde. Dieses mal stand der Trockenrasen unweit der Münchehofer Flugsanddüne auf dem Programm. Dieses Gebiet begeisterte uns bereits im vergangenen Jahr auf unvergessliche Art und Weise. Im letzten Jahr vor allem durch die recht seltenen und farbfreudigen sowie geruchsintensiven „Mäuseklopilze“ (Blaugrüner Zärtling), sowie durch seltene Saftlinge oder winzige Erdsterne. Auch heute wurden wir ausgiebig belohnt. Die Zärtlinge (Rötlinge) waren zwar nur mit wenigen Exemplaren vertreten, dafür waren Saftlinge gleich mit drei Arten dabei und es gab ein Massenvorkommen von Ellerlingen. Dazwischen Erdzungen, große braune Becherlinge, interessante Rißpilze und zu den Waldrändern hin viele Täublinge und Milchlinge. Auch gab es für mich nach vielen Jahren ein Wiedersehen mit dem großen, fleischigen Bräunenden Fälbling (Großer Kakao – Fälbling). Auch der Kleine Erdstern aus dem letzten Jahr war wieder vertreten. Es war ein Fest für alle Beteiligten!

Spitzgebuckelter Saftling (Hygrocybe persitens). Er gehört den noch etwas häufigeren Arten an. 18.09.2021.

Am Abend wurden alle Funde auf Pappteller ausgebreitet und zu einer großen Ausstellung geordnet. Großen Anteil daran hatte unser Phillip Müller, der mir hier eine wirkliche Hilfe war. Ich glaube, das westliche Mecklenburg darf sich bald auf kompetenten Nachwuchs in Bezug auf Pilzberatung freuen. Mit etwa 180 Arten konnte sich unser Sammelsurium durchaus sehen lassen. Zum Schluss, bevor wir zum gemütlichen Teil übergingen,  stellten Phillip und meine Wenigkeit unsere Funde mit ausführlichen Erläuterungen noch einmal vor.  

Eine trockene, matte, fast wie bereift wirkende Hutoberfläche besitzt der sehr seltene Weiße Wiesenellerling (Cuphophyllus borealis). Es war meine erste Begegnung mit diesem wunderbaren Pilz, der hier auf geringer Fläche sehr zahlreich wuchs. Sehr ähnlich kann der Schnee – Ellerling aussehen, doch seine Hüte sind eher durchscheinend hygrophan. 18.09.2021 in der Märkischen Schweiz.

Ein wunderbar frischer und fester Rauhfuß, der Birkenpilz (Leccinum scabrum). Er trat alsbald die Reise zu einem Abendbrot nach Dresden an. 19.09.2021 in der Märkischen Schweiz.

Sonntag, 19. September – Das kleine Pilzseminar im Brandenburgischen neigt sich seinem Ende zu. Aber bevor am frühen Nachmittag zum Aufbruch und Abschied geblasen wurde, ging es nochmals zu einer Exkursion im Objektnahen Waldgebiet. Mischwälder auf nach wie vor meist sauren, sandigen Böden. Das allgemeine Frischpilzaufkommen konnte hier als gemäßigt und überschaubar angesehen werden. Für eine Fachpilzexkursion im Rahmen eines Pilzseminars aber durchaus zufrieden stellend. Es überwogen einige Täublinge und Milchlinge, aber auch Klassiker wie Maronen, Pfifferlinge und einzelne Steinpilze waren dabei. Allerdings waren die Böden hier bereits, anders als bei uns, schon wieder recht ausgetrocknet, so dass unbedingt Regen erwünscht ist. Dieser hielt sich in kühler Luft an diesem Wochenende sehr in Grenzen. Nur kurz mal gab es einen unergiebigen Schauer.

Bestens zum Färben von Wolle geeignet, der Zimtblättrige Hautkopf (Cortinarius cinnamomeus). 19. September 2021 im Wald bei Buckow (Märkische Schweiz).

Gegen 12.00 Uhr erreichten wir wieder unser Umweltzentrum und es wurde zum Mittagstisch geladen. Es gab Stampfkartoffeln mit leckeren und herzhaft zubereiteten Waldpilzen. Diese hatten wir am Vortag zusammen getragen und der Koch des Objektes erklärte sich bereit, sie für uns zuzubereiten. Ein derartiges Sammelsurium hatte er noch niemals in der Verarbeitung und fragte uns beim Servieren der Speise, ob wir auch alle erforderlichen Formaltäten für unser baldiges Ableben erledigt hätten. Kein Wunder, denn neben gängigen Maronen oder Steinpilzen befanden sich im Gericht u. a. zahlreiche Fahlgelbe Rötel – Trichterlinge, Stockschwämmchen, Hallimasch, Edel – Reizker und bunte Täublinge.

Auf einem großen Teller, Würzige Tellerlinge, fein gesäubert und vorbereitet zur Verkostung.

Am Vorabend gab es übrigens eine Verkostung des Würzigen Tellerlings, den wir hier doch recht zahlreich fanden. Nach dem uns unsere Berliner Pilzliebhaberin Beatrice und ihr nicht nur Pilzliebhaber Christian von einer bitteren Überraschung während eines früheren Speiseversuches berichteten, wollten wir es wissen. Phillip bereitete uns eine Würzige Tellerlings – Pilzpfanne zu. Leider habe ich davon nichts abbekommen, aber am Ende wurden die Pilze als durchaus Speisetauglich bewertet, allerdings trotz ihres wunderbar würzigen Geruches und ihrer festfleischigen Konsistenz, mit einer leicht bitterlichen Komponente.

Zur Erinnerung an ein wunderschönes Pilzwochenende in der Märkischen Schweiz vom 17.09. – 19.09.2021. Foto: Doreen und Oliver Justus.

Schwärzender Saftling (Hygrocybe nigescens) am 18.09.2021 in der Märkischen Schweiz.

Montag, 20. September – Heute ist übrigens in Thüringen Feiertag – Weltkindertag! Das erste mal ist er dort ein arbeitsfreier Tag. Wann wird endlich in M-V ein weiterer Feiertag eingeführt? Wie dem auch sei, heute herrschte bei uns im Nordosten Alltag. Der bescherte mir wie jeden Montag langen Tag im Info – Zentrum. Bezüglich Pilzberatung war es für die Hochsaison ungewöhnlich ruhig. Das liegt wohl daran, dass die Saison in wirklich ruhigen und ausgeglichenen Bahnen verläuft. Wir warten auf den Spätherbst – Aspekt! Da kam es recht gelegen, dass sich kurzfristig eine Schulklasse der Fachschule für Agrarwirtschaft Zierow angekündigt hat. Die Schüler kamen mit ihrem Lehrer direkt von einer Pilzexkursion aus dem Prosekener Grund. So musste ich kurzerhand für ein halbes Stündchen den Unterricht übernehmen. Allgemeines zum Thema Pilze, ihre Bedeutung und im speziellen ging ich natürlich auch auf die mitgebrachten Objekte ein. Neben einem Schwefelporling von den Pflaumen – Bäumen an der Zierower/Wischer Landstraße, waren verschiedene Arten wie giftige Karbol – Champignons oder Rißpilze dabei.

Hier sehen wir allerdings noch Pilze, die ich am Standort in der Märkischen Schweiz fotografiert habe und die mich sehr erfreuten. Die Art hatte ich etwa um die Jahrtausendwende das erste und letzte mal zu Gesicht bekommen. Es handelt sich um den Bräunenden- oder Großen Kakao – Fälbling (Hebeloma edurum). Ungenießbar.

Am interessantesten und für Schüler einer Landwirtschaftlichen Bildungsanstalt von besonderer Bedeutung war jedoch Rostpilzbefall an mitgebrachten Maiskolben, nämlich der Maisbeulenbrand. Immer mal werfe ich auch einen eher flüchtigen Blick auf Maisbestände an Waldrändern, konnte den Pilz aber erst einmal entdecken. Um so mehr bereiteten mir die Schüler heute eine große Freude mit diesem Phytoparasiten. In Wikipedia ist zu lesen „Der Pilz kommt überall vor, wo Mais angebaut wird, er bevorzugt jedoch warme, mäßig trockene Klimazonen. Der wissenschaftliche Name ustilago rührt vom lateinischen ustilare (= verbrennen) her und bezieht sich auf das „verbrannte“ Aussehen der Pflanze, wenn sich die tumorartigen Pflanzengallen öffnen und sich die blau – schwarzen Brandsporen über der Pflanze verteilen.“

Vom Maisbeulenbrand (Ustilago maydis) befallene Maiskolben aus Zierow.

Fleischrosa Schönkof (Calocybe carnea). Ein relativ seltener Verwandter des Maipilzes. 19.09.2021 in der Märkischen Schweiz von Johanna Davids fotografiert. Essbar, aber wenig lohnend.

Der Maisbeulenbrand kann alle Pflanzenteile befallen und bildet tumorartige Wucherungen, die bis zur Kindskopfgröße heran wachsen können. Eine direkte oder chemische Bekämpfung des Pilzes ist nur schwer möglich. Die Sporen können auf ehemals befallenen Maisschlägen bis zu 10 Jahre im Boden überdauern. Wird befallener Mais an Tiere verfüttert, kann er Frühgeburten begünstigen und in den USA soll die afroamerikanische Bevölkerung den Pilz für Abtreibungen benutzt haben. In Mexico gilt der Maisbeulenbrand als Nahrungsmittel und Delikatesse. So wird der Befall von Mais durch diesen Pilz nicht als Schaden, sondern als Nutzen angesehen. In Europa und in den USA wird der Maisbeulenbrand = Huitlacoche in der gehobenen Gastronomie als mexikanischer Trüffel angeboten. Auch einige Schüler der Zierower Landwirtschaftsschule haben ihn sich bereits zubereitet. Während der Pilz in der Schweiz offiziell als Marktpilz zugelassen ist, wird er in einschlägigen Nahrungsmittellisten in Deutschland nicht geführt.

Hier sehen wir eine originelle Missbildung bei einem Blutroten Täubling (Russula sanguinea). Erinnert an einen Kussmund, wie es treffend einer der Teilnehmer unseres Pilzseminars feststellte. Reichlich scharf ist dieser Täubling jedenfalls! 19.09.2021 in der Märkischen Schweiz.

Einen schönen Fund konnte Phillip Müller auf unserem Seminar in Drei Eichen tätigen. Eine Gruppe von Rötenden Wachstrichterlingen (Cantharellula umbonata). Der nicht häufige, schlanke und elegante Pilz, der im Alter röten kann, ist in feuchten Moospolstern von Nadelwäldern zu finden. 18.09.2021 in der Märkischen Schweiz.

Dienstag, 21. September – Das Sehen bei mir hatte sich in der letzten Zeit immer schwieriger gestaltet. Nach meinen Augenoperationen bezüglich dem Grauen Star, Ende 2019/Anfang 2020, hatte sich auf dem linken Auge ein sogenannter Nachstar gebildet und die Linse trübte neuerlich ein. Gerade auch auf der Pilzpirsch wirkte sich dieser Umstand zunehmend ungünstiger aus. Es war schon sehr anstrengend, wenn es auf einem Auge eher neblig war und das Andere schärfer die Konturen der gesuchten Objekte wiedergab. Aber auch beim Lesen und Schreiben des Tagebuches wurde es immer schwieriger. Damit war heute Schluss. Ich hatte Termin zum Lasern des Auges. Der Nebel lichtete sich innerhalb von Sekunden nach der Behandlung und es ist schon schön, was heute alles möglich ist. Aber dabei wurde festgestellt, dass es im rechten Auge auch bald soweit sein wird. Im Frühling, zu Beginn der nächsten Saison, werde ich mich um einen Termin bemühen. Im Anschluss war Versammlung des Vorstandes der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. angesagt. So hatte ich heute keine Zeit um kurz mal einen Blick auf die Entwicklung an der heimischen Pilzfront zu werfen.

Gezielt haben wir in der Märkischen Schweiz nachgeschaut, ob der Kleinste Erdstern (Geastrum minimum) wieder an seinem Platz vom Vorjahr anzutreffen ist. Die Freude war groß, als wir den Winzling wieder entdecken konnten. Standortfoto am 18.09.2021.

Eine der häufigsten Arten ist derzeit der giftige Grünblättrige Schwefelkopf (Hypholoma fasciculare). Im Winddurchlässigen Buchenwald der Friedrichstannen konnte ich dieses Büschel mit seinen dekorativen Trockenrissen auf den Hüten am Standort fotografieren. 22.09.2021.

Mittwoch, 22. September (Herbstanfang) – Nach dem in der letzten Woche das Strohkirchener Holz das MTB Mallentin beendete, ging es heute nach Schwerin – Süd – MTB: 2434. So nennt sich die Topographische Karte im Maßstab 1 : 25 000, die zur heutigen Mittwochsexkursion mit dem ersten Quadranten in Angriff genommen wurde. Dazu suchte ich den Nordwestlichen Bereich der Friedrichstannen aus. Buchen, Misch- und Nadelwälder auf vorwiegend sandigen Böden. Das Gebiet ist Kampmittelverseucht, so dass davor gewarnt wird, die Wege zu verlassen. Teils steht dieses Unterfangen unter Strafe und wird verfolgt, teils ist das Betreten auf eigene Gefahr. Ich weiß nicht, ob hier jüngst nach Munitionsresten gesucht wurde, aber der Wald war stellenweise wie umgeackert. Ein Zipfel im Randbereich wurde gerade abgeholzt. Die alten Bäume krachten mit großem Getöse auf den Waldboden. Da blutet einem doch schon das Herz, aber so geht nun mal Forstwirtschaft.

Am Nachmittag des 22. Septembers 2021 in den Friedrichstannen. Der rechte, der drei größeren Bäume im Hintergrund, geht gerade zu Boden.

Ein buntes Sammelsurium für die abendliche Pilzpfanne. Zusammengesucht in den Friedrichstannen.

Auf meiner heutigen Mittwochsexkursion begleitete mich Irena, die etwas Zeit für eine gemeinsame Tour aufbringen konnte. Ihr Fokus war wie immer auf Speisepilze ausgerichtet. Sie hatte ihrer Nachbarin eine abendliche Pilzpfanne versprochen, die am Ende auch dabei heraussprang. Eine bunte Waldpilzpfanne bestehend u. a. aus Pfifferlingen, Rotgelben Stoppelpilzen, Täublingen, Lacktrichterlingen, Stockschwämmchen und einigen mehr. Da die meisten Klassiker derzeit Mangelware in Wald und Flur sind, ist es schon vorteilhaft, wer über einen erweiterten Horizont verfügt. Besonders in einem trockenen Buchenbereich war der Tisch in punkto Frischpilze reich gedeckt. Damit meine ich nicht nur genannte Speisepilze, sondern auch für Kartierungszwecke. Allerdings haben wir in den zurückliegenden Wochen schon ein ganz anderes Frischpilzaufkommen erlebt. 

Trompeten – Pfifferlinge (Cantharellus tubaeformis) und Rotgelbe Stoppelpilze (Hydnum rufescens) scheinen sich den Platz streitig machen zu wollen. Standortfoto am 22.09.2021 in den Friedrichstannen.

Donnerstag, 23. September – Gestern war kalendarischer Herbstanfang. Der Herbstaspekt an der Pilzfront neigt sich hingegen seinem Ende zu, b. z. w. hat schon geendet. So kam heute ein Pilzsucher in die Beratung und berichtete mir, dass er in der Neukloster Forst bei Klein Warin mehrere Stunden unterwegs war und er hatte kaum etwas verwertbares (Klassiker) gefunden. Er war sehr enttäuscht, da er immer erst gegen Ende September in die Pilze geht, weil es vorher wohl noch zu früh sein dürfte. Das aber der Herbstschub schon durch ist, verwunderte ihn daher sehr. Aber das war für uns Insider bereits im August klar, dass es in diesem Jahr frühzeitig wieder bergab gehen würde.

Keine Röhrlinge im Wald? Dann ist Umsteigen angesagt. So waren gestern in den Buchenbereichen der Friedrichstannen viele dieser kaum verwechselbaren Dickblättrigen Schwarztäublinge (Russula nigricans) vertreten. Sind sie jung und frisch, so wie diese, ist schnell ein festfleischiges, aber schwärzendes Pilzgericht eingesammelt. Zumindest von der Konsistenz her viel besser als die meisten Schlabber – Röhrlinge. Standortfoto am 22.09.2021.

Diese Rotgelben Stoppelpilze (Hydnum rufescens) ähneln auf dem ersten Blick den Pfifferlingen. Auf der Unterseite finden sich aber Stoppeln. Auch sie dürfen in den Korb wandern. 22.09.2021 in den Friedrichstannen.

Die Sommerpilze verabschieden sich nun und wie erwarten den Spätherbst, der in der Regel Anfang bis Mitte Oktober durchstartet. Das sind vor allem die Streuzersetzer, die ihre Fruchtkörper erst in größeren Mengen bilden, wenn der Laubfall beginnt. So können sie ihre Sporen auf das frische Laub werfen um ihre abfallwirtschaftliche Tätigkeit aufrecht erhalten. Der Spätherbst ist auch die große Zeit der Stubbenpilze. Stockschwämmchen und Grünblättrige Schwefelköpfe sind ja schon sehr kräftig am Fruktifizieren. Weitere Vertreter werden hinzu kommen, insbesondere der Hallimasch, der in den kommenden Wochen sicher wieder so manchen Korb füllen dürfte. Zaghaft ist er schon zu Gange. Zu den Streubewohnern zählen die Rötel – Ritterlinge, Trichterlinge, Riesenschirmpilze, Champignons, viele Helmlinge u. s. w. Aber auch die Röhrlings – Freundinnen und Freunde brauchen noch nicht die Flinte ins Korn zu werfen. Auch Röhrlinge werden im Verlauf nochmals zahlreicher.

Hallimasch (Armillaria spec.) wird in den nächsten Wochen sicher wieder zum Massenpilz auflaufen. Man beachte seine rohe Giftigkeit und es sollten nur die Hüte verwendet werden. Standortfoto am 18.09.2021 in der Märkischen Schweiz.

Auch die Weichen in der Großwetterlage werden nun auf Herbst umgestellt. Ein erster Herbststurm hat uns heute mit Schauern erreicht. Am Wochenende wagt der Spätsommer nochmal einen kleinen Vorstoß, der zum Sonntag und Montag aber schon von teils kräftigen Schauern und Gewittern verdrängt werden soll. Im weiteren Verlauf sollen die atlantischen Tiefdruckgebiete richtig aufdrehen und immer kühlere Luft heran wehen. Dazu kann es zeitweise stürmisch werden und sie können auch viel Regen abladen. Darauf warten unsere Streubewohner!

Unter den Streubewohnern gibt es nicht nur essbare und ungenießbare Arten, sondern auch einige, die durchaus toxisch sind. Zu den gefährlichsten unter ihnen gehört der Laubfreund- oder Bleiweiße Trichterling (Clitocybe phyllophila). Er besiedelt sowohl Laub- wie auch Nadelstreu und kann Hexenringe bilden. 22.09.2021 am Standort in den Friedrichstannen.

Das Klaasbachtal hatte heute wieder durchaus etwas zu bieten, welches das Herz des Feld – Mykologen höher schlagen lässt. Hierbei dürfte es sich um den Kezonten Korkstacheling (Hydnellum concrescens) handeln. Standortfoto am 24.09.2021.

Freitag, 24. September – Zu einer individuellen Pilzwanderung war ich heute Morgen mit Mittarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Finanzamt Wismar verabredet. Wir trafen uns gegen 08.00 Uhr und fuhren in Richtung Neukloster. Sie hatten sich zu dieser Tour mit dem Fachmann für das Klaasbachtal entschieden. Obwohl natürlich die Kochtopfmykologie im Vordergrund stand, hatten sie sich eher unbewusst für ein mykologisch ganz besonders interessantes Gebiet entschieden. Das freute natürlich auch mich, denn so konnte ich in diesem Zusammenhang gleich einige besondere Pilzfunde für unsere Große Pilzausstellung sichern. Auch hier waren die Klassiker, wie wohl fast überall derzeit, Mangelware. Wäre die Truppe alleine unterwegs gewesen, so wäre in ihren Körben kaum ein Pilz gelandet. Nur ganz vereinzelt gab es mal einen Rotfuß – Röhrling, Ziegenlippe oder sogar ein solitären Steinpilz. Selbst Hallimasch oder Stockschwämmchen waren nur mit wenigen Exemplaren vertreten. Am ehesten gelangten in die Körbe noch Fuchsige Rötel – Trichterlinge, einige Täublinge, Rotgelbe Stoppelpilze oder ein vereinzelter Schirmpilz oder Champignon. Es war also sehr dürftig. Das bedeutet aber nicht, dass es nur wenige Frischpilze gab. Die waren fast auf Schritt und Tritt dabei, aber meist ungenießbare oder gar giftige Arten. Dominant waren einige Haarschleierlinge und Rißpilze. Besonders Graubraune Dickfüße und Buchen – Klumpfüße. Ritterlinge waren vor allem durch stinkige Schwefel- und Widerliche Ritterlinge vertreten. Aber auch Raritäten waren dabei, die vor allem meine Wenigkeit erfreuten. So Gezonte Korkstachelinge und der wunderbare Gold – Täubling.

Der Hit war heute dieses Exemplar des in M-V sehr seltenen Gold – Täublings (Russula aurea). Nur an fünf Tagen meines Lebens konnte ich diese schöne Rarität bisher in der Hand halten. Das war im Wechsel im Radebachtal bei Blankenberg oder hier im Klaasbachtal. Klaus Warning hatte den Gold – Täubling vor Jahren aber auch schon einmal in der Haushalt Forst zwischen Zickhusen und Drispeth. 24.09.2021 Klaasbachtal. Essbar, aber solch schöne und seltene Raritäten isst natürlich niemand!

Der Graubraune Dickfuß (Cortinarius anomalus) war heute Aspekt – bildend im Klaasbachtal. Zu Speisezwecken nicht zu empfehlen. Standortfoto am 24.09.2021.

Das Wetter hatte sich beruhigt, nach dem es in der Nacht zunächst noch recht stürmisch war. Nach etwas Sonne zog es sich wieder zu. Die gestern Abend durchgezogene Kaltfront wurde durch von Süden aufkommende Warmluftadvektion wieder rückläufig und zur Warmfront umfunktioniert. Diese wird nun noch eine Weile über dem Norden von Deutschland entlang schleifen, bevor es im laufe des Wochenendes auch bei uns recht sonnig und spätsommerlich warm werden soll. Schauer und Gewitter vertreiben die wärmste Luft ab Montag wieder in Richtung Osten und damit setzt ein zunächst zaghafter Temperaturrückgang ein. Im Verlauf der neuen Woche könnten dann die Tiefdruckgebiete wieder stärker werden. Sie sollen dann einen Temperatursturz mit Regen und Wind einleiten. Ob es zum übernächsten Wochenende wieder wärmer werden kann, steht noch nicht fest. Der neueste Modelllauf sieht eher eine weitere Abkühlung mit zunehmend sehr kalten Nächten und immer verbreiteteren Bodenfrösten. Sollte es so kommen, dürfte es den Spätherbstaspekt durchaus beflügeln.

Der Buchen – Klumpfuß (Cortinarius amoenolens) ist einer der schönsten und prächtigsten Großpilze unserer kalkreichen Buchenstandorte. Er war heute in besonders mastigen Exemplaren vertreten. Schön ist die Farbveränderung bei zunehmender Reife zu erkennen. Der junge Pilz wartet mit tiefblauen Lamellen auf, die sich durch zunehmende Sporenproduktion später bräunlich verfärben. Kein Speisepilz. 24.09.2021 im Klaasbachtal.

Adam und Eva waren heute das Ziel einer öffentlichen Pilzwanderung.

Sonnabend, der 25. September – Eine gut besuchte öffentliche Lehrwanderung führte heute durch die ehemalige Staatsforst Turloff zwischen Weberin und Crivitz. Nach dem wir kurz nach 08.00 Uhr in Wismar starteten, erwarteten uns in Weberin weitere Pilzfreundinnen und Freunde. Auch einige Kids waren dabei. Die umfangreichen Forste stehen auf sandigen Böden und werden von Kiefern und Fichten dominiert. Moosreiches Gelände, genau so, wie es die Sonntagssammler und Kochtopf – Mykologen lieben. Das es bezüglich Klassiker (Röhrlinge) heute sehr dürftig werden sollte, habe ich gleich zu Beginn klargestellt, um zu hohen Erwartungen vorzubeugen. Das sorgte bei einigen für Verwunderung und betretene Gesichter. Sie konnten es kaum Glauben, weil sie sich meist nach dem Kalender richten und der signalisiert ihnen beste Pilzzeit. Das ist im Normalfall auch richtig, aber welches Jahr, welche Saison, verläuft schon normal? Die Normalität setzt sich aus dem Mittelwert vieler Pilzjahre zusammen und da ist Ende September/Anfang Oktober meist die beste Zeit, denn hier überschneiden sich oft die letzten Sommerpilze, frühherbstliche-, wie erste spätherbstliche Arten. In diesem Jahr ist allerdings der frühherbstliche Hauptschub der erwähnten Klassiker bereits durch und die Spätherbstarten tun sich noch schwer. Oft ist es allerdings so, dass der Sommer und Frühherbst einfach zu trocken waren und die Hauptsaison erst um diese Zeit an Fahrt aufnimmt. Dieser Herbst ist anders! Er wird wahrscheinlich in 2 Hauptschüben ablaufen. Der erste ist durch, der zweite, der Spätherbstliche, wird im Oktober bis in den November hinein folgen. Wie heftig er wird, hängt auch vom Wetter ab. Gut wäre nochmal ein flächiges, intensives Regengebiet. Das würde nochmals eine stärkere Wachstumswelle auslösen. Ansonsten wird es sich ziehen, bis die Fröste zu stark werden.

Diese Erdsterne haben sich erst vor wenigen Stunden geöffnet. Sollen es werdende Hauskrausen – Erdsterne sein oder geht die Tendenz eher zum Rötenden Erdstern? Standortfoto 25.09.2021 im Wald bei Adam und Eva.

Zurück zu unserer heutigen Wanderung. Meine Ankündigung bestätigte sich zwar, aber Frischpilze ganz allgemein gab es reichlich. Auch essbare Arten und wer Glück hatte, konnte auch einige frische Maronen, Rotfüßchen oder auch mal den einen oder anderen Butterpilz, Birkenpilz oder Steinpilz finden. Das aber unter mehr als 20 Augenpaaren! Vereinzelt frische Büschel vom Hallimasch waren auch dabei und die ersten Nebelkappen kündigten den Spätherbst an. Als wir gegen Mittag endlich Adam und Eva erreichten, neigte sich die schöne Wanderung ihrem Ende entgegen. Adam und Eva sind zwei imposante Mammutbäume, die liebevoll umarmt und bewundert wurden. Ein schönes Ambiente für unser Gruppenbild.

Erinnerungsfoto am Schluss einer, trotz Röhrlings – Knappheit, schönen Pilzwanderung zu Adam und Eva am 25. September 2021.

Ein toller Fund direkt unter den Mammutbäumen, der Leberbraune Ackerling (Agrocybe erebia).

Noch kurz zur Wetterentwicklung. Morgen ziehen in der Südwesthälfte Deutschlands bei schwülwarmen Verhältnissen teils kräftige Schauer und Gewitter auf. Diese sollen sich unter Abschwächung in Richtung Nordosten bewegen und können uns zum Montag hin erreichen. Die gewittrige Labilität wird dabei aber immer schwächen und die Niederschlagsfront immer schmaler. Dennoch könnte es auch bei uns strichweise kräftig regnen. Danach fließt allmählich immer kühlere Luft ein und es wird herbstlich. Anders als noch gestern berechnet, ziehen sich die Tiefs in der Folge doch eher wieder nach Westeuropa, b. z. w. den Ostatlantik zurück und können dort im Verlauf sehr weit nach Süden Austrogen. Was das bedeutet, wissen wir ja zur genüge. Weniger Regen, eher stabileres Wetter, das von einem blockierenden Osteuropa- oder Skandinavien Hoch gestützt wird. Die Folge wäre eine neuerliche Südströmung in der für Oktober ausgesprochen warme Subtropikluft zu uns gelangen könnte. Der Altweibersommer oder Goldene Oktober hätte eine Chance und die Pilzfront würde nicht zu viel Wasser bekommen, um nochmals richtig überzuschwappen.

Im Anschluss an die Wanderung sackte ich noch drei Säcke Moos ein und stolperte dabei über ein Nest von Pfifferlingen (Cantharellus cibarius). 25.09.2021 in der ehemaligen Staatsforst Turloff bei Kölpin.

Flockenstieliger Hexen – Röhrtling (Boletus luridiformis). Sehr guter Speisepilz, aber roh giftig! Standortfoto am 26.09.2021 in der Lübschen Forst Ritzerau.

Sonntag, 26. September – Heute fand in der Lübschen Forst (Wald) Ritzerau wieder die traditionelle Pilzwanderung statt. Organisiert vom BUND im Kreis Herzogtum Lauenburg. Aus diesem Grunde fuhren Irena, Jonas und meine Wenigkeit in das benachbarte Bundesland Schleswig – Holstein. Auch Phillip Müller machte sich auf den Weg dorthin. Insofern wäre diese Veranstaltung ohne die Prominenz aus Mecklenburg – Vorpommern kaum vorstellbar, denn wir sicherten im wesentlichen durch unsere Fachkenntnisse diese pilzkundliche Veranstaltung ab. Wie immer hatten sich viele wissbegierige aus der näheren und weiteren Umgebung an der Alten Köhlerhütte/Forsthof im Wald bei Ritzerau eingefunden. Das Lübecker Forstamt verfolgt seit Jahrzehnten ein besonderes Konzept des naturnahen Waldes, welches in ganz Deutschland nicht nur eine Vorreiterrolle in Bezug eines sich auf natürliche Weise entwickelten Waldes besitzt, sondern auch für Kontroversen bezüglich der traditionellen Forstwirtschaft sorgt. Hier gibt es keine Forstplantagen mehr, sondern der Wald wird sich größtenteils selbst überlassen. Er forstet sich sozusagen von alleine auf und es wachsen Baumarten, die hier her gehören. So finden wir hier Jung und Alt in trauter Eintracht und dem entsprechend vielseitig ist auch das Pilzaufkommen. Nichts mit Massenhaften Maronen oder Steinpilzen, die wir oft in den Plantagen in größeren Mengen finden. Hier gibt es vieles, aber vieles auch in einem gesunden Mischungsverhältnis.

Üppige Trompeten – Pfifferlinge (Cantharellus tubaeformis) heute in der Lübschen Forst Ritzerau.

So ging es in mehreren Gruppen in verschiedene Bereiche des Waldes. Irena übernahm eine Gruppe, genauso wie wie Jonas und Phillip und auch ich drehte mit den mir zugeteilten Leuten meine obligatorische Runde. An Frischpilzen herrschte wahrlich kein Mangel, wohl aber an Klassikern und wirklich guten Speisepilzen. Dafür aber war es recht vielfältig und lehrreich. Nach etwa 3 Stunden trafen sich alle wieder an der Köhlerhütte zur Fundauswertung. Auf den sonst üblichen Pilzimbiss wurde auch in diesem Jahr wegen der immer noch angespannten Corona – Lage verzichtet.

Auf den ersten Blick recht ähnlich den Trompeten – Pfifferlingen können die Grüngelben Gallertkäppchen (Leotia lubrica) aussehen. 26.09.2021 in der Lübschen Forst Ritzerau.

Verwundert rieben wir uns heute über diesen Fund die Augen, denn der Amethyst – Pfifferling (Cantharellus cibarius var. amethysteus) fehlt weitgehend nördlich der Mittelgebirgsschwelle. Eine absolute Rarität in Norddeutschland! 26.09.2021 in der Lübschen Forst Ritzerau.

Am späteren Nachmittag begab ich mich noch in mein Info – Zentrum um den Tag auszuwerten. Dabei erreichte mich ein Hilferuf aus dem Universitätsklinikum Lübeck. Dort wurden zwei Patienten (Mutter und Kind) aufgenommen, die Unwohlsein nach einem Steinpilz – Gericht verspürten. Dabei wurden Putzreste aus dem Abfalleimer mitgebracht. Ich bat um aussagekräftige Fotos, um eine mögliche Diagnose der verzehrten Pilze zu stellen, nach der die weitere Behandlung im Krankenhaus ausgerichtet werden kann. Sollten es tatsächlich Steinpilze gewesen sein, dann waren es sicher sehr alte, überständige Exemplare. Mutter und Kind ging es zunehmend schlechter und es setzte nach etwa 2 Stunden Brechdurchfall ein. Inzwischen waren die Bilder bei mir angelangt und darauf war ein junger Kahler Krempling zu sehen. Alles klar, die Patienten haben offensichtlich keine Ahnung von Steinpilz und Co. Noch sehr junge Pilze wurden eingesammelt, obwohl die Lamellen schon deutlich zu sehen waren. Die Symptomatik passte bestens zu einer Gastrointestinalen Pilzintoxikation (Magen/Darm). Die Kremplinge wurden also nicht ausreichend erhitzt, da sie roh recht stark giftig sind. Also roh giftige Arten immer gut und ausdauernd erhitzen, insbesondere auch Hallimasch, der demnächst in großen Mengen durchstarten sollte. Auch viele andere Speisepilze sind roh giftig, auch die beliebten Maronen oder Hexen – Röhrlinge. Beim Krempling kommt noch erschwerend das Paxillus – Syndrom hinzu. Sollten Mutter und Kind jedoch noch nie vorher Kahle Kremplinge gegessen haben, so dürfte es in diesem Fall keine Rolle spielen. Man muss über einen längeren Zeitraum Kahle Kremplinge verzehrt haben. So kann es im Laufe von Jahren zu einer individuellen und sehr selten vorkommenden Sensibilisierung auf Inhaltsstoffe dieses Pilzes kommen. Deshalb der Rat „Hände weg vom Kahlen Krempling“! 

Ein für mich recht schöner Fund in der Lübschen Forst Ritzerau war auch dieser Rißpilz, mit seinem auffallend süßlichen Duft nach reifen Birnen. Der Birnen – Rißpilz (Inocybe fraudans). Im Großraum Nordwestmecklenburg relativ häufig nachgewiesen, so scheint er doch im großen Rest von Norddeutschland bisher kaum kartiert worden zu sein. Ungenießbar.

Auch Lorcheln sind derzeit gut zu Gange. An vielen Waldwegen stehen diese Herbstlorcheln (Helvella crispsa). Essbar, aber roh giftig. Ein Pilzfreund aus Schleswig – Holstein hatte vor wenigen Tagen eine recht üppige Mahlzeit mit diesen Schlauchpilzen. Das Ganze könnte man unter dem Motto „Pilze braten und Symptome raten“  (Stenkelfeld) einordnen. Es befiel ihn etwas später ein deutliches Kribbeln unter der Haut. Standortfoto am 26.09.2021 in der Lübschen Forst Ritzerau.

Montag, 27. September – Unsere diesjährige Großpilzausstellung rückt näher. Nach dem sie im vergangenen Jahr Corona – bedingt ausgefallen war, wollen wir es in diesem Jahr wieder wagen. Ich hatte in diesen Tagen nicht nur in den Wäldern zu tun, sondern habe zwischendurch auch immer Vorbereitungen für die Pilzschau vom 01. – 04. Oktober im Mykologischen Informationszentrum Steinpilz – Wismar getroffen. Ich habe in diesem Jahr die Ausstellungsflächen etwas reduziert, damit Mindestabstände beim Besichtigen besser eingehalten werden können. Ich denke aber, es wird trotzdem eine ansehnliche Palette von einheimischen Großpilzen zu sehen geben. Immerhin sind es 4 unterschiedlich große Moosflächen, die bestückt werden können. In den letzten Tagen habe ich bereits einige, wichtige Arten sicher stellen können. Auch unsere Pilzfreunde Thomas uns Peter waren heute schon auf Tour und konnten einiges Anlanden. Das Sammelgut wird in mehreren Kühlschränken zwischen gelagert. Alleine schon von den prächtigen und teils wirklich riesigen Parasolpilzen, hätte ich bereits eine ganze Fläche bestücken können.

Hier sehen wir einen in unseren Breiten recht häufigen Haarschleierling an basenreichen Buchenstandorten. Den Amethystblättrigen Klumpfuß (Cortinarius calochrous). Kein Speisepilz. Standortfoto am 26.09.2021 in der Lübschen Forst Ritzerau.

Ein toller Fund in der Lübschen Forst Ritzerau war auch dieser seltene Violette Mehlschirmling (Cystolepiota bucknallii).

Riesenschirmpilze sind also wieder mächtig unterwegs. Ein Zeichen, dass es an der Pilzfront wieder aufwärts geht. Wir hatten um den 10. bis 12. September nennenswerte Regenfälle und besonders zwischen Wismar und Schwerin nochmals am 16. September. Insgesamt sollte dies für unser Einzugsgebiet gelten, denn nach Vorpommern zu war es durchaus weniger an Niederschlag. Die Entwicklung wird auch von der feuchtwarmen Subtropikluft begünstigt, die seit Tagen bei uns lagert. Zu dem ist im laufe der 2. Nachthälfte und heute morgen ein Schauer- und Gewitter – Cluster durchgezogen, der besonders auf der Linie Parchim – Schwerin – Wismar einiges an Wasser abgelassen hat. In meinem Messbecher befanden sich 11 Liter. Der Aufwärts – Trend war auch in den Körben von Thomas und Peter zu sehen. Junge Butterpilze, Körnchen – Röhrlinge, Flockenstielige Hexen – Röhrlinge, prächtige Rotkappen und kleine, junge Steinpilze waren dabei. In der Beratung werden mir frische Champignons und junge Maronen – Röhrlinge vorgelegt. Und das,  obwohl der Mond auf dem absteigenden Ast ist!

Hier sehen wir nochmal den Buchen – Klumpfuß (Cortinarius amoenolens) mit seinen umfärbenden Lamellen. 26.09.2021 in der Lübschen Forst Ritzerau.

Dieses, als unbekannter Mürbling betitelte Foto sandte mir Christian Ehmke zu. Leider kann ich an dem Bild nicht schnuppern, aber ich denke, es handelt sich um den deutschlandweit ausgesprochen seltenen Süßriechenden Mürbling (Psathyrella suavissima). Obwohl ich den Pilz auch schon einmal in M-V fand, gibt es auf der Verbreitungskarte der DGfM bisher keinen Fundpunkt für Mecklenburg – Vorpommern.

In der Nacht zieht zwar eine Kaltfront mit schauerartigen Regenfällen durch, aber die Abkühlung hält sich in Grenzen. Allerdings wird die schweiß- und pilztreibende Luftmasse nach Osten abgedrängt und durch angenehmere Luft ersetzt. Die weitere Wetterentwicklung steht auf Grenzwetterlage. Ein Tief – Komplex möchte auf Mitteleuropa übergreifen und könnte viel Regen und Wind im Gepäck haben. Wie schnell die Tiefdrucktendenz zum Wochenende auf Deutschland übergreifen kann, steht noch nicht fest. Sollte das ganze verzögert von statten gehen, könnte es am Wochenende nochmals warm werden. Drängen die Fronten schneller herein, wird es nass und windig sowie auch kühler. Aber die „große Kälte“, wie vor einigen Tagen angedeutet, geben die Wettermodelle derzeit nicht mehr her. Es bleibt wohl bei bestem Pilzwetter! So werde auch ich morgen und am Mittwoch ganztägig unterwegs sein, um weitere Ausstellungsexponate sicher zu stellen.

Hier zur Abwechslung mal eine banale Art, aber dafür ein schönes Stimmungsbild. Wir sehen die auf modrigen Holzresten oft in großen Mengen wachsenden und minderwertigen Birnen – Stäublinge (Lycoperdon pyriforme). 26.09.2021 in der Lübschen Forst Ritzerau.

Dienstag, 28. September (Wenzelstag) – Insider wissen was es bedeutet. wenn der Wenzelstag auf dem Kalender steht. Es ist der Stichtag des Wenzelspilzes. Um dieses Datum herum startet er in der Regel in Massen durch. Auf unseren heutigen Exkursionen durch verschiedene Wälder in Vorbereitung unserer diesjährigen Großpilzausstellung am kommenden Wochenende, konnte wir ihn zwar finden, aber kaum in ausstellungswürdigen Exemplaren. Gemeint ist der Hallimasch oder besser die Gattung Hallimasch. Diesen beliebten Speise – und Massenpilz gibt es nämlich in mehreren Arten. Heute sahen wir einige Honiggelbe und überständige Hallimasch und einige jüngere einer anderen Art. Von Massenpilz allerdings konnte nicht die Rede sein. Aber ich denke, in den nächsten Wochen sollte sich das noch ganz gehörig ändern.

Junge Maronen – Röhrlinge (Xerocomus badius) am Standort im Questiner/Börzower Wald am 28.09.2021.

Wir waren heute also ganztägig in einigen Wäldern Westmecklenburgs unterwegs, um Frischpilz – Material für unsere große Ausstellung zu organisieren. Wir, das waren die Pilzfreunde Thomas, Peter und meine Wenigkeit. Gegen 09.00 Uhr starteten wir in Wismar und fuhren von hier aus in Richtung Grevesmühlen. Der Questiner/Börzow Wald war unser erstes Ziel. Saurer, sandiger Boden und entlang des dortigen Bahndamms auch mit Kalkanteilen im Boden. Hier herrscht mitunter eine hohe Artenvielfalt, aber heute war es schlicht enttäuschend. Nach einer halben Stunde brachen wir hier ab und fuhren in den Raum Rehna.

Trompeten – Pfifferlinge (Cantharellus tubaeformis) und auch Herbsttrompeten stehen im Woitendorfer Wald immer wieder in teils individuenreichen Inseln. 28.09.2021 in der Staatsforst Rehna (Woitendorfer Wald).

Der Woitendorfer Wald war unser Ziel. Auch hier hat die Artenvielfalt im Vergleich von vor einigen Wochen rapide abgenommen. Wir mussten schon ganz schön suchen, um eine zufriedenstellende Kollektion zusammen zu bekommen. Aber wer auf Herbsttrompeten und Trompeten – Pfifferlinge steht, kann hier ordentlich einsacken. Die Trompeten haben inzwischen überdimensionale Größen angenommen. Sehenswert waren auch eine ganze Menge Saftlinge, die uns begeisterten oder Zwitterlinge auf verfaulenden Schwarztäublingen.

Stäubende Zwitterlinge (Asterophora lycoperdiodes) auf verfaulenden Dickblättrigen Schwarztäublingen. 28.09.2021 im Woltendorfer Wald.

Schließlich fuhren wir noch in die Friedrichsthaler Forst bei Schwerin – Neumühle, an den Neumühler See. Hier war das Artenaufkommen am höchsten. Verschiede Täublinge, Milchlinge, Ritterlinge, Schnecklinge und einiges mehr. Auch eine Krause Glucke und zwei wunderbar frische Klapperschwämme waren im Angebot. Außerdem begeisterten mich nicht nur beide Arten der häufigen Stoppelpilze, sondern auch ein seltener Violetter Stachelpilz. Der absolute Knaller waren üppige Exemplare vom Gelbgrünen Kamm – Porling, den es eigentlich nur im Gebirge geben soll. Tatsächlich ist der Pilz schon mehrfach in Mecklenburg gefunden worden und auch in Brandenburg gibt es vereinzelte Fundmeldungen. Nimmt man die steilen Hangterrassen zum Neumühler See, so stellt sich die Landschaft hier tatsächlich etwas wie im Gebirge dar. Das passt dann doch, denn die Fruchtkörper wuchsen hier mehrfach und in sehr üppiger Ausprägung. 

Aber auch solche Teile bevölkerten die steilen Hänge zum Neumühler See. Sie dürfen nicht fehlen, wenn der Steinpilz – Wismar zu einer großen Ausstellung einlädt. Gemeiner Steinpilz (Boletus edulis) am 28.09.2021 in der Friedrichsthaler Forst am Standort fotografiert.

Mittwoch, 29. September – Heute ging es wieder ganztätig in die Pilze. Gegen 09.00 Uhr starteten Thomas, Peter und Reinhold von Wismar aus in die Landeshauptstadt Schwerin. Dort erwarteten uns am Zoo weitere Interessenten aus Schwerin, Rostock und Hamburg. In den Sammeltag habe ich eine reguläre Mittwochsexkursion eingebunden. Der 2. Quadrant des Messtischblattes 2434. Die Wälder um Stern Buchholz. Überwiegend saure Laub- und Nadelforste. Hier erwarteten uns beispielsweise Einwanderer aus Australien, die exotischen Tintenfischpilze. Beeindruckend waren auch größere Mengen von Rotgelber Stoppelpilzen in sehr interessanten Wuchsformen. Am frühen Nachmittag waren wir bei zunehmend regnerischem Wetter hier durch und ein Teil trat die Heimfahrt an.

Schwarzblauende Röhrlinge (Boletus pulverulentus) bei Stern – Buchholz am 29.09.2021.

Mit Pilzfreund Martin aus Hamburg ging es dann noch zu einigen besonderen Stellen, um etwas gezielter die Artenvielfalt aufzustocken. Zunächst kurz an einem ehemaligen Militärstandort im Kaarzer Holz, wo es beispielsweise reichlich Edel – Reizker oder auch Grünlinge gibt. Heute war hier nicht viel zu holen. Wir fuhren in Richtung Brüel. Da Martin noch einige Wunschpilze auf seinem Zettel stehen hatte, machten wir Zwischenstopp am Deichelsee. Das Wetter zeigte sich plötzlich von seiner schönsten Seite und die Sonne spiegelte sich im klaren Wasser dieses sauberen und festgründigen Sees. Hier gibt es ein Vorkommen des Satans – Röhrlings, denn Martin wollte wenigstens einmal im Leben einen Satanspilz in natura sehen und in seinen Händen halten. Dieser Wunsch ging in Erfüllung. Auch schöne Stachelpilze gab es hier. Vereinzelt junge Steinpilze und Flockenstielige Hexen – Röhrlinge.

Tintenfischpilz (Clathrus archeri) im Wald bei Stern – Buchholz am Standort fotografiert. Der Exot wurde Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa eingeschleppt und breitet sich offensichtlich immer mehr aus. Ein Verwandter der allseits bekannten Stinkmorchel.

Weiter ging es nochmals in einen anderen Ausläufer des Kaarzer Holzes. Eine kalkhaltige Buchenstelle. Und die brachte uns weitere Arten für die bevorstehende Pilzausstellung in die Körbe. Verschiedene Haarschleierlinge, Riesenpfifferlinge oder auch ganz wunderschöne Goldzahn – Schnecklinge. Kurz vor dem Dunkel werden steuerten wir schließlich noch den Sonderstandort Perniek an. Hier standen beispielsweise Pappel – Grünlinge, Birkenpilze und Rotkappen auf der Fahndungsliste, die uns auch alle samt ins Netz gingen.  

Hoch erfreut war ich auch über diese seltenen Goldzahn – Schnecklinge (Hygrophorus chrysodon) im Kaarzer Holz. Standortfoto am 29.09.2021. Essbar.

Donnerstag, 30. September – Schon geht wieder ein Monat der Saison 2021 zu Ende. Und der September machte in diesem Jahr als pilzreichster Monat des Jahres alle Ehre. Nur im umgekehrten Sinne. Startet er in der Regel oft noch sehr verhalten, um sich erst im letzten Drittel zur Hochform zu Schaukeln, war es in diesem Jahr komplett umgekehrt. Der August bereitete einen großartigen Start in den September vor. Ab Mitte des Monats flachte es jedoch allmählich ab. Grund war nicht nur die zunehmende, relative Trockenheit, es war der trockenste September seit 15 Jahren in Deutschland, sondern auch weil es ausgepowert war. Leichte bis mäßige Niederschläge im Monatsverlauf ließen das Frischpilzwachstum zwar nicht zum erliegen kommen, welches um diese Jahreszeit ohnehin kaum möglich ist, aber es lief doch sehr reduziert ab und die Sonntagssammler, bei denen nur Röhrlinge in den Körben landen, gingen meist leer aus.

Nein, wir sehen hier keinen Feuerfüßigen Gürtelfuß, sondern einen etwas ungewöhnlichen Blutblättrigen Hautkopf (Cortinarius semisanguineus). 28.09.2021 Questiner/Börzower Wald. Die Pilze liegen inzwischen auf der Ausstellung. Ungenießbar.

Inzwischen hat es sich diesbezüglich wieder etwas erholt, aber großes ist dieses Jahr nicht mehr zu erwarten. Mit dem Großen meine ich natürlich besagte Arten mit dem Schwamm unter der Haube. Allerdings kann es gut sein, das beispielsweise die Derben Rotfüßchen noch mal einen Massenschub bekommen. Aber wir erwarten ja immer noch sehnsuchtsvoll den Durchbruch des Spätherbstes. Er tut sich immer noch schwer, aber seine Zeit beginnt regulär ja erst ab Mitte Oktober. 

Auch diese Gelbgestiefelten Schirmpilze (Lepiota ventriosospora) liegen inzwischen auf der Moosfläche. 28.09.2021 im Woitendorfer Wald. Ungenießbar.

Heute hatte ich im Info – Zentrum voll zu tun. Weitere Vorbereitungen für unsere morgen beginnende Großpilzausstellung standen auf dem Programm. Sauber machen, Wischen und Schrubben, damit der Laden einigermaßen rein aussieht und unsere Damen, die für den Imbiss zuständig sind, nicht noch eine Krise bekommen. Schließlich begann ich damit, die ersten Arten auf die Moosflächen zu legen und zu beschildern. Irena hat in Keez den ganzen Tag gewirbelt, um Vorbereitungen für unseren Pilzimbiss zu treffen. Morgen wird es dann ernst. Die Pilzausstellung öffnet ab 14.00 Uhr und ist am Freitag bis 18.00 Uhr zu besichtigen. Allerdings ohne Imbiss. Wer an den Folgetagen kommt, kann dann auch wieder von unseren Pilz – Spezialitäten probieren. 

Auch diese seltenen Gelbrandigen Saftlinge (Hygrocybe insipida) haben bereits den Weg auf die Ausstellungsflächen gefunden. Standortfoto am 28.09.2021 im Staatsforst Rehna (Woitendorfer Wald).

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