Regenwanderung am Elde – Kanal

09. September 2017 – Öffentliche Pilzlehrwanderung

Öffentliche Pilzlehrwanderung

Sie führte durch den Wald bei Garwitz am Eldekanal

Der Elde – Kanal bei Garwitz am 09.09.2017. Hier wuchsen u.a. seltene Stachelpilze.

20 Interessenten, nicht nur aus der dortigen Region, erwarteten gegen 09.30 Uhr meine Ankunft in Garwitz auf dem Parkplatz an der Schleusenbrücke.

Am Rande der Lewitzregion, an der Müritz/Elde Wassserstraße bei Garwitz, befindet sich ein umfangreiches Waldgebiet. Auf einer früheren Exkursion anläßlich einer dort stattgefundenen BFA – Tagung in den 1990er Jahren, durchstreifte ich den Bereich unserer heutigen Wanderung schon einmal und es war recht vielfältig, was die Pilzwelt damals im Angebot hatte. Es handelt sich größtenteils um Nadelwälder auf sandigem Untergrund. Durch Eichen, Birken, Pappeln und Buchen entlang der Wasserstraße, die aber auch sonst eingestreut sind, war eine recht hohe Vielseitigkeit im Hinblick auf eine interessante Lehrwanderung gegeben und auch der Speisepilzfreund kam so leidlich auf seine Kosten. Leider spielte das Wetter nicht so richtig mit und es war ungemütlich regnerisch. Das führte auch dazu, dass die Wandertruppe so nach und nach zerfiel. Hinzu kommt, dass aufgrund der Feuchtigkeit meine Kamera den Geist aufgab, so dass heute kein Abschlußfoto möglich war. Der Zoom arbeitete nicht mehr ordnungsgemäß. Ich trocknete sie später und fettete im Zoom – Bereich etwas ein, so dass nun wieder alles O.K. ist. Hier wie immer einige Bilder von heute:

Der Startschuß ist gefallen!

Nach wenigen Schritten begrüßte uns eine größere Gruppe von Erschiebern (Lactarius vellereus). Die Imposanten Milchlinge schmecken leider scharf und herb und sind somit für unseren Gaumen eine Scheußlichkeit. In Osteuropa und vor allem in Sibierien werden sie aber sehr geschätz und speziell behandelt als Wintervorrat für die Speisekammer genutzt.

Gut ist die deutlich abgesetzte Stielknolle ohne Volvareste des leicht giftigen Gelben Knollenblätterpilzes (Amanita citrina) zu erkennen. Auch sein muffiger Kartoffelkellergeruch unterscheidet ihn vom tödlich giftigen Grünen Knollenblätterpilz.

Hellbräunliche Färbung, zonierter Hut, weiße, milde Milch, der Geruch nach Blattwanzen und der Standort außschließlich unter Eichen kennzeichnen den essbaren Eichen – Milchling (Lactarius quietus) recht gut.

Gut ist die spinnwebartige Cortina beim Aufschirmen dieser Haarschleierlinge (Cortinarius spec.) zu erkennen. Die Art konnte ich leider nicht näher bestimmen.

Dafür ist die Bestimmung dieses Schleierlings ein Kinderspiel. Einmal kurz den sattgelbbräunlichen, schleimigen Hut anlecken und man wird von seine Bitterkeit tief beeindruckt sein. Es handelt sich um den Galligen Schleimfuß (Cortinarius vibratillis). An den Cortina – Resten am Stiel verfangen sich die braunen Sporen. Typisch für viele Haarschleierlinge.

Bevor es in den armen Kiefernwald ging, wanderten wir eine weile direkt am Elde – Kanal entlang.

Und über dieses Exemplar freute ich mich ganz besonders. Ist es doch die wichtigste Art einer jeden Pilzwanderung und Ausstellung. Der grüne Mörder = Grüner Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Tödlich giftig!

Gerne in Gesellschaft des Grünen Knollenblätterpilzes finden wir auch diesen Stinker. Der schwefelgelbgrüne Ritterling sondert einen durchdringenden, stechenden Geruch ab, der an Leuchtgas erinnern soll. Der Schwefel – Ritterling (Tricholoma sulphureus) ist leicht giftig!

Die wenigen Steinpilze (Boletus edulis), die wir heute fanden, waren schon sehr grenzwertig!

Auf dem Damm des Elde – Kanals wuchsen diese sehr seltenen Stachelpilze.

Die Stacheln finden wir natürlich auf der Unterseite. Sie bilden das sporentragende Hymenophor. Dank der Bestimmung durch Benno Westphal haben wir den seltenen Starkriechenden Duftstacheling (Phellodon confluens) gefunden!

Beide Pilze sind von oben gelb. Auf der Unterseite ist aber der Unterschied mehr als deutlich. Links ein Blätterpilz, der Amiant – Körnchenschirmling (Cystolepiota amiantinum) und rechts ein Leistling, der Echte Pfifferling (Cantharellus cibarius). Beide sind essbar, aber der Körnchenschirmling ist schon aufgrund seines etwas stechenden Geruches nicht empfehlswert.

Etwas metallisch – stechend riecht auch der Dickschalige Kartoffel – Hartbovist (Scleroderma citrinum). Er ist leicht giftig!

Ständig war jemand am Bücken, denn Pilze zum kennen lernen gab es wirklich reichlich.

Am grasigen Wegrand am Kanal unter verschiedenen Bäumen fanden wir eine kleine Gruppe echter Schirmpilze. Es handelt sich um den lebensgefährlich giftigen Rosabraunen Schirmpliz (Lepiota subincarnata). Ich danke Benno Westphal für seine Bestimmung! Unter den echten Schirmpilzen gibt es Arten, in denen gefährliche Knollenblätterpilz – Gifte festgestellt wurden, so auch in dieser!

Das Stielnetz dieses ungenießbaren Gallen – Röhrlings (Tylopilus felleus) ist besonders grobmaschig. Die Netzzeichnung auf den Stielen einiger Röhrenpilze kommt offensichtlich durch am Stiel auslaufende Röhren des Hymenophors zustande.

Was bei dieser Ziegenlippe (Xerocomus subtomentosus) an der Stielspitze deutlich zu erkennen ist. Essbar.

Mit bis zu 20 cm Höhe ist der Beutel – Stäubling (Calvatia excipuliformis) ein recht auffälliger Bauchpilz. Ist er innen weiß und druckfest kann er gegessen werden. Dieses Exemplar befindet sich hingegen in der Ausreifung und ist somit ungenießbar geworden.

Und nochmal zum Vergleich: links der tödliche Grüne Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) und rechts der kaum giftige Gelbe Knollenblätterpilz (Amanita citrina).

Die Lamellen des Rosablättrigen Helmlings (Mycena galericulata) nehmen erst recht spät die charakteristische Rosafärbung an. Hier ist davon noch kaum etwas zu sehen. Wir finden diesen Helmling fast ganzjährig an Laubholz – Stubben, vorwiegend an denen von Eichen. Er ist der einizige Vertreter seiner Gattung, der als essbar gilt. Die Hüte sollen ganz vorzüglich schmecken, aber nur vom Kenner zu sammeln!

Ebenfalls essbar und wesentlich leichter zu erkennen ist der Violette Lacktrichterling (Laccaria ametystea). Er wächst mitunter zahlreich in Laubwäldern. Typisch sind neben der Farbe auch die dicklichen Lamellen und ein eingedellter Hut.

Maronen – Röhrlinge (Xerocomus badius) gab es heute nicht wenige, aber selten waren sie noch in so guter Qualität wie dieses Exemplar.

Den Olivgrünen Milchling (Lactarius turpis) finden wir unter Birken und Fichten. Sein weißer Milchsaft schmeckt widerlich scharf und terpentinartig, so dass der Pilz komplett ungenießbar ist.

Eine markannte Gestalt ist der kleine Feuer – Schüppling (Pholiota flammans) mit seiner leuchtend gelben Färbung und den zahlreichen Schüppchen. Wir finden ihn an Fichtenholz in der Optimalphase der Vermorschung. Nicht nur seine Schönheit ist spektakulär, er soll auch die kleinsten Sporen aller Blätterpilze besitzen (Mikroskop!). Ungenießbar.

Mit hängen und würgen habe ich gerade noch dieses wichtige Foto hin bekommen, bevor meine Kamera endgültig streikte. Neben den Stachelpilzen war er der Knüller der heutige Wanderung. Der extrem seltene Heide – Milchling (Lactarius musteus). Wir finden ihn außschließlich auf armen, sandigen Heideböden. Er ist in MV nur an sehr wenigen Punkten nachgewiesen, wir haben heute einen neuen gesetzt! Nach besonderer Zubereitung wäre er sogar essbar, was sich bei seiner Seltenheit aber strikt verbietet!

So steht heute zum Schluß nicht unser Gruppen – Foto, sondern sozusagen als Umrahmung des Berichtes noch einmal ein Bild des Elde – Kanals bei Garwitz.

  • Wann startet die nächste Pilzwanderung? – Siehe unter Termine!