18.06.2025 – MTB 2134-2 West- und Ostfriedhof Wismar
Mittwochsexkursion
Messtischblatt Wismar
18. Juni 2025
Auch für Pilz- und Naturinteressierte Gäste
Im MTB 2134/2 – Friedhof Wismar

Diese Gruppe Flockenstielieger Hexenröhrlinge (Neoboletus erytrophus) begrüßte uns bereits beim Eintreffen vor dem Friedhofsgelände.
Foto: Christian Boss
Bei angenehmen sommerlichen Temperaturen trafen sich heute 7 Freunde der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V. zu unserer Kartierungsexkursion im 2. Quadranten des Messtischblattes Wismar vor dem Friedhof in Wismar.
Der Friedhof ist eine große als Park angelegte Anlage, die aus dem Westfriedhof, Alten Friedhof und Ostfriedhof besteht. Es wurden dort in der Vergangenheit Baumarten und Zierhecken angepflanzt, die sonst nicht auf natürliche Art und Weise in Mecklenburg-Vorpommern wachsen würden. Das Gelände liegt wie Großteile von Wismar auf lehmigen Geschiebemergel – also guter Boden mit einem hohen Kalkanteil.
Ein ganz besonderes Biotop, wo in der Vergangenheit auch schon besondere und seltene Pilzarten gefunden wurden.
Wir begannen unsere Kartierung auf dem Westfriedhof und wechselten danach auf die andere Straßenseite der Schweriner Straße zum Alten und Ostfriedhof.
Das Pilzaufkommen war erwartungsgemäß nicht so hoch. Aber wir waren alle begeistert von dieser geschichtsträchtigen Anlage mit Ihren Mausoleen und Grabkapellen, Denkmälern und alten Grabanlagen. Unser vielseitig interessierte Naturfreund Chris war wieder mit dabei, so dass wir auch viel über Bäume, Pflanzen und Insekten erfuhren.
Zum Schluss waren wir uns alle einig – es war heute eine der schönsten Exkursionen mit wenigen – dafür einigen seltenen – Pilzarten. Wir wollen euch mit diesen Bildern ein wenig daran teilhaben lassen. Auch wenn es dieses mal nicht nur um Pilze geht, hoffen wir, euch Interessantes und Wissenswertes zu zeigen.
Catrin (Text, Fotoauswahl und -beschriftung, Artenliste)

Das Großkelchige Johanniskraut (Hypericum calycinum) blüht am Eingang zum Westfriedhof auffallend schön.
Foto: Christian Boss

Und nicht nur das. Gleich am Eingang des Westfriedhofes stand eine Gruppe Fahler Röhrlinge (Hemileccinum impolitum). Dieser Pilz ist selten und steht auf der roten Liste der gefährdeten Arten.
Foto: Phillip Buchfink

Der Fahle Röhrling hat zitronengelbe Röhren und riecht sehr stark nach Jod (Medizinschrank).
Foto: Phillip Buchfink

Der alte Baumbestand aus verschiedenen Arten und große Rasenflächen sorgen für das parkähnliche Gelände.
Foto: Christian Boss

Die Pyrenäen-Eiche (Quercus pyrenaica) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). In Parks und Arboreten wird sie gelegentlich als Ziergehölz gepflanzt.
Foto: Christian Boss

Fransige Wulstlinge (Amanita strobiliformis) schieben sich hier aus dem Erdboden. Die Hutoberseite ist mit dicken klebrigen Hüllfetzen besetzt, an denen sich Erde festgesetzt hat. Ansonsten ist die Huthaut glatt.
Foto: Phillip Buchfink

Charakteristisch für den Fransigen Wulstling ist auch das tiefe Wurzeln der Art im Substrat. An der Stielbasis besitzt er eine rübenartig geformte Knolle, die von einer flüchtigen Scheide umgeben ist.
Foto: Phillip Buchfink

Der Gewöhnliche Hornklee (Lotus corniculatus) dient auch als Futterpflanze, Stickstoff-Lieferant und Bienenweide. Die Pflanze enthält Blausäure abspaltende (cyanogene) Verbindungen. Bei Schnecken, den Hauptfeinden des frisch austreibenden Hornklees, wirken sie als Fraßgift.
Foto: Christian Boss

Das fleißig blühende Orangerote Habichtskraut (Hieracium aurantiacum L.) ist eine Wildstaude, die auch als Heilpflanze verwendet wird. Die Wirkung dieses Krautes wird als schleimlösend, harntreibend, antibiotisch, krampflösend und entzündungshemmend beschrieben. In der alten Kräuterkunde wird das Habichtskraut innerlich bei Durchfall, grippalen Infekten, Blasen- und Nierenentzündung, Wurmbefall und Nierensteinen eingesetzt, äußerlich zur Wundbehandlung und als Augenspülung.
Foto: Christian Boss

Die Indische Scheinerdbeere (Potentilla indica) ist eine aus Südostasien und Südasien stammende Pflanzenart, die in Mitteleuropa als Zierpflanze gezogen wird und stellenweise verwildert – so wir hier auf dem Friedhof auch.
Foto: Christian Boss

Ein Netzstieliger Hexen-Röhrling (Suillellus luridus) auf einer Wiese unter Linden.
Foto: Christian Boss

Tränen-Kiefer (Pinus wallichiana). Aufgrund ihres eleganten Aussehens und der lockeren offenen Krone wurde sie in Europa als Zier- und Parkbaum eingeführt.
Foto: Christian Boss

Behaarte Blattstiele der Sommer-Linde (Tilia platyphyllos) – ein wesentlich Unterschied zur Winterlinde.
Foto: Christopher Engelhardt

Wieder wurde etwas gefunden. Voller Einsatz, um die schönste Perspektive für das Foto zu finden…
Foto: Christian Boss

Und hier das Ergebnis: Wieder ein noch junger Fahler Röhrling (Hemileccinum impolitum), der sich neben vielen anderen Exemplaren aus dem moosigen Rasen kämpft.
Foto: Phillip Buchfink

Der Bildhauer Roland Engelhard schuf nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche Kriegerdenkmäler – so auch dieses auf dem Wismarer Friedhof.
Foto: Sylvina Zander

Einer der makroskopisch an seinem doppelten Ring einfach bestimmbaren Vertreter der Champignons. Stadt-Champignons (Agaricus bitorquis).
Foto: Phillip Buchfink

Das Velum und der doppelte Ring des Stadt-Champignons (Agaricus bitorquis) im Detail.
Foto: Phillip Buchfink

Auch diese giftigen Vertreter der Champignons waren bereits am Start. Karbol-Egerling (Agaricus xanthodermus agg.). Für geübte Augen bereits an seinem „Quadratschädel“ zu erkennen. Der Hut ist normalerweise ungeschuppt, kann aber wie hier auch grau oder braun geschuppt sein.
Foto: Christian Boss

Raupensack vom Kleinen Rauch-Sackträger (Psyche casta). Die Raupen des Rauch-Sackträgers spinnen sich eine tragbare Wohnröhre, die sie mit kleinen Stöckchen oder Steinchen bekleben. Beim fertigen Insekt hat nur das Männchen Flügel, das Weibchen lebt weiterhin in dem Gespinnstsack und verlässt ihn nie. Zur Paarung lockt es das Männchen durch einen Duftstoff an und schiebt sich teilweise aus dem Sack. Nach der Paarung legt sie ihre Eier im Gespinnstsack ab und stirbt.
Foto: Christian Boss

Und das hier ist tatsächlich ein Schmetterling, der Hornissen-Glasflügler (Sesia apiformis). Der Hornissen-Glasflügler erinnert mit seiner Warnfärbung und seinem Verhalten potentielle Beutegreifer an Hornissen, die ihn deswegen meiden.
Fotocollage: Christopher Engelhardt

Faltentintling (Coprinopsis atramentaria) am Fuße einer Pappel.
Die Raupen des Hornissen-Glasflüglers leben übrigens vorwiegend im Wurzelbereich von Pappeln und bohren sich in die Rinde ein. Nach 3 bis 4 Jahren verlassen sie gegen Ende ihrer Entwicklung den Baum wieder durch den Fraßgang. Dabei entstehen die links und rechts der Pilze zu sehenden ca. 1 cm großen Austrittslöcher.
Mikroskopische Bestimmung und Foto: Phillip Buchfink

Admiral (Vanessa atalanta). Den Admiral erkennt man an seinen roten Binden auf den Vorder- und Hinterflügeln. Er ist ein „Wandervogel“ unter den Schmetterlingen, denn er fliegt jedes Jahr im Frühling über die Alpen zu uns nach Deutschland. Er ist häufig in Gärten, Wiesen und an Waldrändern anzutreffen.
Foto: Christian Boss

Unser Erinnerungsfoto von dieser wunderschönen interessanten Naturexkursion auf dem Wismarer Friedhof. Von links nach rechts: Phillip, Katarina, Chris, Sylvina, Catrin, Christian.
Foto: Dorit Meyer
Die Artenliste auf dem Friedhof Wismar – MTB 2134/2 NO:
Stadt-Champignon (Agaricus bitorquis), Karbolegerling (Agaricus xanthodermus agg.), Perlpilz (Amanita rubescens), Fransiger Wulstling (Amanita strobiliformis), Angebrannter Rauchpoling (Bjerkandrea adusta), Maipilz (Calocybe gambosa), Faltentintling (Coprinopsis atramentaria), Zunderschwamm (Fomes fomentarius), Birkenporling – alter FK (Fomitopsis betulina), Fahler Röhrling (Hemileccinum impolitum), Nelkenschwindling (Marasmius oreades), Flockenstieliger Hexen-Röhrling (Neoboletus erytrophus), Schuppiger Porling (Polyporus squamosus), Netzstieliger Hexen-Röhrling (Suillellus luridus)