Pilztagebuch Mai 2011/1

Wetter und Pilzwachstum im Nordwesten Mecklenburgs

Tagebuch Wetter und Pilze im Mai 2011

Sonntag, 01. Mai (Maifeiertag)Wie der April endete, begann der Wonnemonat Mai. Sonne pur von morgens bis abends, sehr trockene und kühle Luft mit böigem Nordostwind. Es ist inzwischen schon wieder sehr trocken geworden und nennenswerte Regenfälle sind laut Mittelfristprognose bis Mitte des Monats nicht in Sicht, statt dessen stehen uns eher wieder frostige Nächte bevor! Schlechter können die Aussichten für uns Pilzfreunde kaum sein. Auch die Landwirtschaft wird Probleme bekommen. Während im vergangenen Jahr der Mai kühl und feucht war und es somit sehr viele Maipilze gab, werden wir in diesem Jahr wohl einen stark verkümmerten „Hungeraspekt“ dieses beliebten und ergiebigen Frühlingspilzes erleben.

Speisemorcheln gab es im letzten April - Drittel

Speisemorcheln gab es im letzten April - Drittel an feuchteren Standorten sehr reichlich. Diese habe ich heute auf ein Dörrgerät gelegt und bis morgen werden sie getrocknet sein. Getrocknete Morcheln sind besonders würzig und delikat!

Montag, 02. Mai – Von Nordosten her ist inzwischen polare Kaltluft bei uns angelangt. Mit Frühling hat das jetzt nichts mehr zu tun. Die Nächte sollen im Binnenland frostig werden. Ich Denke, es sind wohl die verfrühten Eisheiligen. Ab der zweiten Wochenhälfte soll es wieder etwas wärmer werden, aber frühsommerliche Temperaturen sind bei uns, genauso wie ergiebiger Regen, bis auf weiteres nicht in Sicht. Es kann morgen und übermorgen einige Regen- und Graupelschauer geben, die werden aber kaum in`s Gewicht fallen.

Nach dem ich meine Maipilze am Abend des 2. Mai nochmals mit etwas Wasser beglückt hatte, erntete ich sie am morgen drauf. Standortfoto am 03.05.2011.

Nach dem ich meine Maipilze (Calocybe gambosa) am Abend nochmals mit etwas Wasser beglückt hatte, erntete ich sie endlich am folgenden Morgen. Standortfoto am 03.05.2011.

Dienstag, 03. Mai – Nach eisigkalter Nacht und strahlendem Sonnenschein in klarer Winterluft entschloß ich mich heute morgen, die gepflegten Maipilze endlich zu ernten. Sie hatten inzwischen das optimale Stadium erreicht. Es waren etwa 4- 5 Kilo. Allerdings wuchsen sie bei dem meist sonnigen, windigen und trockenem Wetter langsammer als bei günstigeren Bedingungen, was zur Folge hatte, das der Madenbefall bereits begonnen hatte. An dieser Stelle wimmelt es in der Regel nur so vor Mücken. Das war bis vor kurzem auch so, aber heute morgen, bei den fast noch frostigen Temperaturen, traute sich nur eine einzige Mücke, mich zu belästigen. Am Abend und in der kommenden Nacht zieht ein kleines Randtief von Südnorwegen kommend über Dänemark zur Mecklenburg – Vorpommerschen Ostseeküste. Es hat schauerartige Niederschläge im Gepäck, so dass es heute Nacht zeitweise regnen oder sogar schneien kann. Im Ostseeküstengebiet sind zwischen 5 und 10 Liter prognostiziert. Das könnte stellenweise sogar mal etwas mehr als nur der berühmte „Tropfen auf dem heißen (kalten) Stein sein“. Ich habe im unmittelbaren Küstengebiet viele Maipilz – Standorte. Dort, wo sie noch nicht völlig vertrocknet sind, könnten die Niederschläge wenigstens eine kleine Auffrischung bringen, bovor es in den nächsten Tagen wieder trocken weitergeht.

Bei herrlicher Ruhe, sonnenschein und Vogelgezitscher ließ ich mir heute richtig Zeit und genoss die Ernte dieser schönen Maipilze, die ich immer ma

Bei herrlicher Ruhe, Sonnenschein und Vogelgezwitscher ließ ich mir heute richtig Zeit und genoss die Ernte dieser schönen Maipilze, die ich zwischenzeitlich immer mal wieder mit Wasser versorgte. 03. Mai 2011.

Mittwoch, 04. Mai – Das gestern erwähnte Randtief hat nur dem westlichen Schleswig Holstein nennenswerte Regenfälle gebracht. Auch die Insel Rügen hat noch einige Liter ab bekommen. In Westmecklenburg gab es leider nur wenige Tropfen. – Heute war mein Exkursionstag und ich informierte mich über den Stand des Maipilz – Wachstums an einigen, der ertragreichsten Stellen. Das Ergebniss war, wie nicht anders zu erwarten, ernüchternd. An den meisten Stellen war nichts zu sehen. An drei Standorten kamen ingesamt etwa 1 Kilo zusammen. Und das in einem Gebiet, wo im Mai des Vorjahres gut und gerne ein ganzer Zentner geerntet wurde! Da ich hier nicht mit Wasser nachgeholfen habe, blieben die Fruchtkörper auch unterdurchschnittlich klein. Da an den meisten Myzelienstandorten eine mehr oder minder starke Humusdecke vorhanden ist, kann es durchaus sein, dass hier noch junge Fruchtkörperanlagen auf bessere Zeiten, sprich Regen, warten. Aber der ist bis auf weiteres nicht in Sicht. Immerhin ist der Höhepunkt des ungewöhnlich kalten Wetters  erreicht und nach einer vielfach frostigen Nacht, soll es ab morgen mit den Temperaturen wieder bergauf gehen.

Die heutige Maipilzernte. 04.05.2011.

Die heutige Maipilzernte. 04.05.2011.

Donnerstag, 05. Mai – Gestern hatte Irena in Schwerin ihre ansich sehr ergiebigen Maipilzstandorte besucht. Die meisten von ihnen waren steckengeblieben, teils sogar komplett vertrocknet. Gut 1,0 Kg waren noch verwendungsfähig. – Die Wetterlage stellt sich wieder um. Statt aus dem hohen Norden, ströhmt die Luft in den nächsten Tagen aus wärmeren, südlicheren gefilden zu uns. Ein deutlicher Temperaturanstieg, der sich heute schon bemerkbar machte, ist die Folge. Zunächst soll die Luft noch sehr trocken sein, aber ab der nächsten Woche soll sie von Frankreich her feuchter werden. Schauer und Gewitter sind die Folge. Diese werden aber naturgemäß nicht alle treffen, sondern eher sporadisch und punktuell auftreten. Warten wir´s ab, ob wir bei dieser Lage die Chance haben, auch mal einen kräftigeren Regenguss ab zu bekommen. Meist weiß die Ostsee dies zu verhindern.

Die Schweriner Maipilze von gestern.

Die Schweriner Maipilze von gestern, heute fotografiert.

Freitag, 06. Mai – Ein heiterer und endlich auch wieder warmer Frühlingstag. Die Wärme bleibt uns auch in der nächsten Zeit erhalten, genauso wie die Trockenheit. Erst ab Mitte nächster Woche kann auch bei uns die Schauer und Gewitterneigung zunehmen. In einer Wismarer Parkanlage habe ich heute einige Maipilze gefunden. Direkt auf dem Parkrasen beobachte ich hier schon seit Jahren einen kleinen Hexenring. In seinem Bereich ist der Rasen deutlich grüner und üppiger, wie es auch beim Nelkenschwindling zu beobachten ist.

Die meisten Maipilze des kleinen Hexenrings von heute waren stecken geblieben und werden weiter vertrocknen. Einzig diese kleine Gruppe war noch einigermaßen frisch. Es handelt sich um die gelbhütige Variante des Maipilzes. Standortfoto am 06.05.2011 im Parkrasen.

Die meisten Maipilze des kleinen Hexenrings von heute waren stecken geblieben und werden weiter vertrocknen. Einzig diese kleine Gruppe war noch einigermaßen frisch. Es handelt sich um die gelbhütige Variante des Maipilzes. Standortfoto am 06.05.2011 im Parkrasen.

Sonnabend, 07. Mai – Strahlender Sonnenschein, frühsommerliche Wärme und lebhafter, südöstlicher Wind in sehr trockener Luft, so ist das heutige Wetter schon ganz gut charakterisiert. Die Natur leidet! Speziel die Pflanzen- und Pilzwelt dürsten nach Regen, aber davon ist zunächst kaum etwas in Sicht. Die Niederschlagsprognosen der nächsten fünf Tage sind äußerst dürftig. Die Schauer und Gewitterneigung nimmt zwar allmählich zu, aber es wird höchstens vereinzelt und punktuell mal einen kräftigeren Guss geben. Erst zum nächsten Wochenende könnte es deutlich wechselhafter werden, es ist aber noch lange nicht Sicher, dass damit auch flächendeckendere und ergiebigere Niederschläge verbunden sind.

Die Rapsblüte hat begonnen, eigentlich beste Maipilz - Zeit. In diesem Jahr können wir diesbezüglich wohl nicht mehr viel erwarten.

Die Rapsblüte, so wie hier am heutigen Abend bei Herren - Steinfeld, hat begonnen - eigentlich beste Maipilz - Zeit. In diesem Jahr können wir diesbezüglich wohl nicht mehr viel erwarten. 07.05.2011

Sonntag, 08. Mai – Heute war die erste Vereinsexkursion der wismarer Pilzfreunde angesagt. Es ging zum Neumühler See bei Schwerin. Angesichts der Trockenheit haben wir uns eher auf einen Spaziergang in toller Landschaft eingestellt, als auf interessante Pilzfunde, die hier unter besseren Vorzeichen ohne weiteres möglich gewesen wären. Der nördliche Bereich dieses ungewöhnlich langen, tiefen und sauberen Sees wird von mächtigen Buchenwäldern und ufernahen Erlenbrüchen dominiert. Im südlichen Gebiet finden wir eher offene, busch- und wiesenreiche Landschaft vor. Ist im Sommer und Herbst der nördliche Teil weitaus interessanter für Pilzfreunde, so ist es zu dieser Jahreszeit eindeutig der südliche Teil. Leider spielte die Witterung nicht mit (siehe auch unter „Am Neumühler See“). Eine Umstellung der Großwetterlage soll sich im laufe der kommenden Woche anbahnen. Tiefdruckeinfluß soll dann allmählich die Oberhand gewinnen und könnte zum nächsten Wochenende sogar zu großräumigeren und flächendeckenderen Regenfällen führen. Im Vorfeld kann es im laufe der Woche hier und da auch schon mal einen Gewitterschauer geben. Wollen wir hoffen, dass es auch so kommt.

Wer jetet noch essbare Frischpilze finden möchte, sollte sich auf Baumpilze wie diesen Schwefelporling (Laetiporus sulphureus) konzentrieren. Sie erleben zur Zeit gerade ihren Frühjahrswachstumsschub. Fündig wird man jetzt häufig an Weiden und Obstbäumen, aber auch Eichen. Jung essbarer und schmackhafter Speisepilz, der aber roh giftig ist. Standortfoto am 08. Mai 2011 am Pinnower See.

Wer jetzt noch essbare Frischpilze finden möchte, sollte sich auf Baumpilze wie Schwefelporlinge (Laetiporus sulphureus) konzentrieren. Sie erleben zur Zeit gerade ihren Frühjahrswachstumsschub. Fündig wird man an Weiden und Obstbäumen, aber auch Eichen. Jung essbarer und schmackhafter Speisepilz, der aber roh giftig ist. Standortfoto am 08. Mai 2011 am Pinnower See.

Montag, 09. Mai – Ich glaube wir und die durstige Natur können in den nächsten Tagen allmählich aufatmen. Die Herrschaft der Schönwetterhochs scheint endlich gebrochen zu sein. Im laufe der Woche soll die Luft immer feuchter werden und gewittrige Störungen, die schon seit Tagen über Westeuropa lagern, aber immer noch abgebremst wurden, können ab morgen mit ersten Schauern und Gewittern übergreifen. Allerdings zunächst auf Westdeutschland. Am Mittwoch und Donnerstag soll sich aber von Nord nach Süd, von der Ostsee bis zu den Alpen, eine breite Gewitterzone bilden und erste, teils heftige Regengüsse produzieren. Weitere Gewitterschauer sollen dann bis zum Wochenende besonders in der Nordwesthälfte Deutschlands folgen. Für die nächste Woche werden bei kühlen Temperaturen sogar großflächige Regenfälle vorhergesagt. Ich Denke, dass hört doch gut an, oder?

Dienstag, 10. Mai – Der heutige Tag war für unsere Region wohl der bisher wärmste in diesem Jahr, aber es herrschte kein eitel Sonnenschein mehr. Statt dessen trübten mal mehr, mal weniger dichte Schleierwolken den Himmel. Am Abend waren sogar schon erste Altocumulus floccus am Himmel zu sehen. Neben Altocumuls castellanus die bekanntesten, vorgewittrigen Wolken. Ein untrügliches Zeichen, dass die Atmosphäre unruhiger und instabiler wird. In Schleswig Holstein sind sogar schon die ersten Regentropfen gefallen und heftige Gewitter haben den Südwesten Deutschlands erreicht. Morgen kann es auch bei uns losgehen. Es wird dann in den nächsten Tagen schrittweise kühler und es stellt sich zunehmend typisches Aprilwetter mit Sonne und dicken Quellwolken im Wechsel ein. Immer wieder werden teils kräftige Schauer und Gewitter für Abwechslung sorgen und bringen uns endlich das langersehnte nass!

Unruhiger, vorgewittriger Himmel kurz vor Sonnenuntergang am 10.05.2011. Diese, etwas chaotisch anmutenden Wolken dueten auf hohe Labilität in der Atmosphäre hin. Neben hohen Schleierwolken (Cirrus) sehen wir hier die beiden vorgewittrigen Wolken Altocumuls floccus und castellanus. Letztere wirken aus einer Schichtwolke herausragende, mit ihren kleinen Quellungen wie Zinnen einer Burg.

Unruhiger, vorgewittriger Himmel kurz vor Sonnenuntergang am 10.05.2011. Diese, etwas chaotisch anmutenden Wolken deuten auf hohe Labilität in der Atmosphäre hin. Neben hohen Schleierwolken (Cirrus) sehen wir hier die beiden vorgewittrigen Wolken Altocumuls floccus und castellanus. Letztere wirken aus einer Schichtwolke herausragend, mit ihren kleinen Quellungen, wie Zinnen einer Burg.

Mittwoch, 11. Mai – Die ersten Regentropfen sind gefallen, aber nur im westlichsten Bereich von Mecklenburg in meßbarer Menge von maximal 1 Liter auf den Quadratmeter. Sie standen im Zusammenhang mit den Resten der nächtlichen Schauer und Gewitter, die gebietsweise über Westdeutschland niedergingen. Hier war die Luft schon raus!. Am Nachmittag und Abend haben sich neue Gewitterschauer gebildet, die aber nur sehr vereinzelt niedergehen. Morgen soll sich die Gewitterträchtige Zone besonders in der Osthälfte Deutschlands deutlich aktivieren. Für Westmecklenburg sind Regenmengen zwischen 2 und 10 Litern berechnet worden. – Ich habe heute einen schönen Schwefelporling an einer Weide, die direkt an einem kleinen Feldgewässer steht, gesehen und ernten wollen, aber es war leider von der Landseite aus trockenen Fußes kein rankommen. Zum Essen wäre er so wie so nichts mehr gewesen, er hätte aber unsere im Moment armselige Frischpilzausstellung bereichern können.

Chaotischer Gewitterhimmel auch heute Vormittag, kurz vor dem eintreffen der nächtlichen Schauerreste in Keez bei Brüel. 11.05.2011.

Chaotischer Gewitterhimmel auch heute Vormittag, kurz vor dem Eintreffen der nächtlichen Schauerreste in Keez bei Brüel. 11.05.2011.

Donnerstag, 12. Mai – Da es von der Pilzfront zur Zeit kaum etwas neues zu Berichten gibt, beschränke ich mich momentan im wesentlichen auf die Wetterentwicklung. Diese hat sich ja inzwischen auf pilzfreundlich umgestellt. Vielerorts sind auch schon heftige Regenfälle niedergegangen. Unser westmecklenburger Bereich wurde aber bis auf wenige Tropfen bisher ausgespart. Dafür hat vor allem der vorpommersche Raum heute Nachmittag einige heftige Gewittergüsse abbekommen. Wir warten noch auf unsere, aktuell für heute prognostizierten 2 – 5 Liter. Auf dem Regenradar sind noch einige Schauerechos zu erkennen, die von Südwesten her in den nächsten Stunden zu uns herein ziehen können. 19.45 Uhr – dunkle Gewitterwolken türmen sich über Wismar auf, es könnte jeden moment einen Guss geben!

Ich habe heute die letzten getrockneten Herbstrompeten aus dem Vorjahr in Gläser zum Verkauf gefüllt. Der Verkauf von getrockneten Pilzen im klein Stil hilft auch ein wenig, um den "Steinpilz" für Wismar zu erhaltern.

Ich habe heute die letzten getrockneten Herbstrompeten aus dem Vorjahr in Gläser zum Verkauf gefüllt. Der Verkauf von getrockneten Pilzen im klein Stil hilft auch ein wenig, um den "Steinpilz" als pilzkundliche Informations-, Ausstellungs- und Beratungsstelle zu erhalten.

Freitag, 13. Mai – Die dunklen Wolken von gestern Abend gehörten zu einer kleineren Gewitterzone die von Schleswig Holstein kommend das Küstengebiet entlang schleifte und örtlich auch einen kräftigen Regenguss brachte. In Wismar wurde leider nur die Straße angefeuchtet. Weitere, örtliche Gewitter brauten sich dann noch in den nächsten zwei bis drei Stunden zusammen und zogen ostwärts ab. Westmecklenburg hat bisher kaum etwas an Regen abbekommen, dafür um so mehr, mit 10 – bis über 20 Litern auf den Quatratmeter, das östliche Vorpommern. Hier kann die Zeitrechnung bis zum Erscheinen der nächsten Frischpilze eröffnet werden. Aber es ist noch lange nicht Hopfen und Malz verloren. Das nächste Randtief ist für morgen angesagt. Es zapft zunächst kurzzeitig wieder feuchtwarme Mittelmeerluft an um sie schließlich mit sehr frischer, labil geschichteter Höhenkaltluft zu ersetzen. Das wird morgen und am Sonntag wieder zu heftigen Wettererscheinungen wie Starkregen b.z.w. vielen Schauern und Gewittern führen. Dann sollten endlich auch wir in Westmecklenburg mit nennenswerten Niederschlägen bedacht werden.

Sonnabend, 14. Mai – Heute war wieder eine öffentliche Pilzlehrwanderung angesagt. Fünf Leute fanden sich bereit, eine Pilzwanderung zu wagen, wohl weißlich, dass es kaum von Erfolg gekrönt sein wird. Aber die Landschaft zwischen Brook und dem Schloßgut Gross Schwansee, direkt hinter dem Strand der Ostsee, genauer gesagt, der Lübecker Bucht, entschädigte allemal (siehe auch unter „Leerwanderung an der Ostsee“). Das Wetter dazu war wie zum Wandern bestellt. Angenehme Temperaturen, nur eine leichte Seebrise mit mehr oder weniger bewölktem Himmel und es blieb vor allem noch trocken. Aber am Nachmittag kam er endlich auch zu uns, der ersehnte Regen. Es zog sich immer mehr zu und es setzte schließlich schauerartiger Gewitterregen ein, der von West nach Ost über Mecklenburg hinweg zog. Es waren zwar nicht die ganz großen Mengen, aber ich Denke um die 5 Liter auf den Quadratmeter waren es nahezu flächendeckend in unserem Einzugsgebiet. Nach der langen Trockenheit natürlich immer noch viel zu wenig. Aber es soll ja wechselhaft und unbeständig weitergehen. Schon für morgen sind wieder verbreitet kräftige Gewitterschauer in sehr kühler Meeresluft angesagt!

Einer der wenigen Frischpilze die wir heute fanden und der einzige Blätterpilz. Grauer Falten - Tintling (Coprinus atramentarius) Der "Antialkoholokerpilz", wie er auch genannt wird, ist ganz jung essbar, aber ohne Alkohol! Standortfoto am 14.05.2011 im Brooker Wald.

Einer der wenigen Frischpilze die wir heute fanden und der einzige Blätterpilz. Grauer Falten - Tintling (Coprinus atramentarius) Der auch als Anti - Alkoholikerpilz bezeichnete Tintling soll ganz jung essbar sein, aber ohne Alkohol versteht sich, sonst könnte es unangenehm werden! Standortfoto am 14.05.2011 im Brooker Wald.

Sonntag, 15. Mai – Wie erwartet bildeten sich in der eingloßenen höhenkalten Luft im laufe des Vormittags rasch viele Quellwolken und erhoben sich majestätisch zu mächtigen Gewittertürmen.

Mächtig quillt die Königin aller Wolken, die Cumulunimbus - Woklke in die Höhe und ereicht in wenigen Minuten mit der Ausbildung des sogenannten Amboss das Reifestadium einer Gewitterwolke. 15.05.2011.

Erhaben quillt die Königin aller Wolken, die Cumulunimbus - Quellwolke in die Höhe und erreicht in wenigen Minuten mit der Ausbildung des sogenannten Amboss das Reifestadium einer Gewitterwolke. 15.05.2011.

Ab dem späten Vormittag verdunkelte sich der Himmel aus westlicher Richtung bis zum Abend hin immer wieder und von kurzen, sonnigen Abschnitten einmal abgesehen, entluden sich wiederholt heftige Regengüsse, teils mit kleinem Hagel sowie Blitz und Donner. Ein Wetter, wie es eigentlich in den April gehört.

Schwere Donnerschläge in der Ferne und eine bedrohliche Wolkenwand ziehen am Mittag in Brüel auf. Es war der erste starke Gewitterschauer. Weitere, ähnlich starke sollten bis zum Abend noch folgen. Auf so ein tolles Wetter haben wir lange gewartet!. 15.05.2011.

Schwere Donnerschläge in der Ferne und eine bedrohliche Wolkenwand ziehen am Mittag in Keez bei Brüel auf. Es war der erste starke Gewitterschauer. Weitere, ähnlich heftige sollten bis zum Abend noch folgen. Auf so ein tolles Wetter haben wir lange gewartet!. 15.05.2011.

Mit dem gestrigen Regen sind in unserem Gebiet flächendeckend etwa 5 – 10 Liter gefallen. Stellenweise sicher auch etwas mehr. Eine leichte Enspannung an der Pilzfront hat nun eingesetzt und ich bin gespannt, ob sich dadurch noch einige Maipilze hervorlocken lassen.

Montag, 16. Mai – Ein trüber und regnerischer Tag. Ein neues Tief über Skandinavien schob heute mit seiner Warmfront wieder mildere Luft über die eingfloßene Kaltluft und löste flächendeckende Aufgleitniederschläge aus. Ein sogenannter „Landregen“ war die Folge. Allerdings regnete es meist nur in leichter bis mäßiger Intensität. Aber ich Denke, es sind nochmals um die 5 Liter hinzu gekommen. Morgen soll uns die Kaltfront des Tiefs beehren und uns nochmals 5 – 10 Liter auf den Quadratmeter bringen. Sollten diese Mengen tatsächlich fallen, so Denke ich, haben die Niederschläge der vorangegangen Tage mit eingerechnet, insgesamt einen kleinen Grundstein für einen ersten, frühsommerlichen Wachstumsschub entsprechender Pilzarten gelegt.

Dienstag, 17. Mai – Es gab am Vormittag noch zeitweise leichten, schauerartigen Regen und zum Nachmittag trocknete es bei lebhaftem und böigen Westwind zunehmend ab. Somit haben die letzten vier Tage einiges an Regen gebracht. Die Regenmengen blieben im allgemeinen aber unter 20 Liter auf den Quadratmeter. Da der Erdboden sehr ausgetrocknet war und die Vegetation einen enormen Durst hatte, wird man in wenigen Tagen kaum noch etwas von den Niederschlägen bemerken. Hinzu kommt noch die Tagesverdunstung, die bei dem schon sehr hohen Sonnenstand Mitte Mai, enorm ist. Und die Sonne wird in der nächsten Zeit, bei zunehmend frühsommerlichen Temperaturen, wieder die Oberhand gewinnen. Größere Regengebiete sind nicht mehr in Sicht. Positiv ist aber der Umstand, dass wir es  meist mit feuchter, schwüler, gewitterträchtiger Luft zu tun haben werden. Diese wird auch recht verbreitet für Gewitterstimmung sorgen. Es kann praktisch täglich am Nachmittag und Abend zu heftigen Regengüssen kommen. Gebietsweise ist sogar mit schweren, unwetterartigen Gewittern zu rechnen! Gewittergefährdet ist besonders der Süden, Osten und auch der Nordosten Deutschlands, also unsere Region! Da es sich aber meist um luftmasseneigene, durch den Tagesgang bedingte Konvektionsgewitter handelt, könnte sich die noch sehr kühle Ostsee ungünstig auswirken und die Regengüsse von den küstennahen Regionen fern halten. Alles in allem werden die bis jetzt gefallenen Niederschläge zumindest einen ersten, leichten Wachstumsschub erster Sommerpilze um den Monatswechsel herum bewirken. Auch die Frühlingsarten wie Maipilze oder Schildrötlinge könnten nochmals einen verspäteten Wachstumsversuch starten. Dieser wird aber voraussichtlich weit unter den normalen Erträgen bleiben.

Diese ausgewachsenen und madigen Maipilze (Calocybe gambosa) habe ich heute an der von mir vor einiger Zeit bewässerten Stelle fotografiert. Es waren noch letzte Nachzügler, denn die meisten hatte ich schon am geerntet.

Diese ausgewachsenen und madigen Maipilze (Calocybe gambosa) habe ich heute (17.05.2011) an der von mir vor einiger Zeit bewässerten Stelle fotografiert. Es waren noch letzte Nachzügler, denn die meisten hatte ich schon am 03. Mai geerntet.

Mittwoch, 18. Mai – Bei sehr angenehmen, feuchtwarmen Temperaturen und stärkerer Bewölkung hatten wir heute, trotz des noch lebhaften Windes, vom Wetter her recht gute Bedingungen für eine positive Beeinflußung hinsichtlich der Entwicklung eines ersten frühsommerlichen Wachstumsschubes. Für morgen sind in weiten Teilen Deutschlands teils kräftige Schauer und Gewitter angesagt. Westmecklenburg wird davon voraussichtlich kaum betroffen sein. Aber in Richtung Vorpommern stehen die Chancen für den einen oder anderen Regenguss recht gut. Zum Wochenende, speziel zum Sonntag hin, soll allerdings in die vorhandene schwülwarme Gewitterluft von Nordwesten her eine Kaltfront hinein laufen. Das erhöht das Potenzial für schwere Gewitter mit hohen Regenmengen auch für unser Einzugsgebiet deutlich. Warten wir es ab!

Erste Regungen an der Pilzfront sind bereits zu Spüren. Kleinarten wie einige Tintlinge, Mistpilze. Düngerlinge oder diese Mürblinge (Psathyrella specc.) wachsen schon wenige Tage nach dem ersten Regen. Standortfoto am 18.05.2011 im feuchten Laubwald bei Damshagen

Erste Regungen an der Pilzfront sind bereits zu Spüren. Kleinarten wie einige Tintlinge, Mistpilze. Düngerlinge oder diese Mürblinge (Psathyrella specc.) wachsen schon wenige Tage nach dem ersten Regen. Standortfoto am 18.05.2011 im feuchten Laubwald bei Damshagen

Donnerstag, 19. Mai – Der heutige Donnerstag machte seinem Namen in vielen Teilen Deutschlands alle Ehre. Es blitzte und donnerte an vielen Orten und es kam zu starken Regengüssen. Wie erwartet hat das südöstliche und östlichste Vorpommern auch eine kräftige Gewitterzelle abbekommen. Bei uns blieb es bei stark bewölktem Himmel und leichter Schwüle trocken. Am Abend sickerte dann mit einer schwachen Kaltfront vorübergehend kühlere Luft ein. Bis zum Sonntag hält das zu starken Gewittern neigende Wetter in vielen Regionen unseres Landes an. Der westmecklenburger Bereich wird aber voraussichtlich bis Sonnabend ausgespart bleiben. Am Sonntag kann es aber auch bei uns zu heftigen Wettererscheinungen, hoffentlich mit viel Regen kommen. Das würde dem zu erwartenden Pilzwachstum zusätzlich Substanz und Nachhaltigkeit verleihen.

Freitag, 20. Mai – Die Grenze zwischen kühlerer Nordseeluft und schwülwarmer Gewitterluft verläuft zur Zeit genau über unserer Region. An ihr bildete sich am Vormittag ein Schauergebiet, das genau über uns und unseren Pilzregionen hinweg zog. Es gab allerdings nur 1 – 2 Liter auf den Quadratmeter. Das hat aber gereicht, um die oberflächlich schon wieder abgetrockneten Böden deutlich zu befeuchten. Im belaubten Wald wird allerdings nicht sonderlich viel am Erdboden angekommen sein. Zum Glück hielt sich die Sonne in den letzten Tagen doch eher hinter Wolken verborgen, so dass vom gefallenen Niederschlag der letzten Zeit nicht all zu viel verdunsten konnte und der Vegetation zu gute kam. – Ich habe heute eine kleine Stippvisite in einer wismarer Parkanlage und einem stadtnahen Laubwald getätigt. An beiden Standorten gibt es Maipilze und es waren auch welche vorhanden. Allerdings waren es die während der Trockenperiode steckengebliebenen Exemplare, die teils recht gut aufgefrischt, aber nahezu komplett vermadet waren. Auch die Schwefelporlinge, die hier sonst üppig und reichlich gedeihen, taten sich schwer in ihrer Entwicklung und waren nur recht dürftig ausgeprägt oder gar nicht erst erschienen.

Auch diese Maipilze warebn während der Trockenheit stecken geblieben und wachsen jetzt weiter. Allerdings sind sie meist vermadet. Nur wenn sich noch neue Fruchtkörper bilden sollte, macht es Sinn nochmals in die Maipilze zu gehen. Bis Mitte Juni kann das noch der Fall sein. Standortfoto am 20.05.2011 in der Parkanlage am Seeblick.

Diese Maipilze (Calocybe gambosa) waren während der Trockenheit stecken geblieben und sind jetzt wieder erwacht. Allerdings sind sie meist vermadet. Nur wenn sich noch neue Fruchtkörper bilden sollten, macht es Sinn, nochmals in die Maipilze zu gehen. Bis Mitte Juni kann das der Fall sein. Standortfoto am 20.05.2011 in der Parkanlage am Seeblick.

Sonnabend, 21. Mai – Nachdem Vorpommern kürzlich gebietsweise schon reichlich Regen ab bekommen hatte, ist am gestrigen Abend dort nochmals eine Schwergewitterzelle über weite Bereiche gezogen und hat teils über 20 Liter auf den Quadratmeter gebracht. Da können wir in Westmecklenburg direkt neidisch werden! Aber unsere Hoffnung liegt noch beim morgigen Durchgang einer markanten Kaltfront. Sie soll weite Teile Deutschlands nochmals einen Gewittertag bescheren. Es ist mit heftigen Schauern und Gewittern zu rechnen. Gebietsweise besteht Unwettergefahr durch schwere Gewitterstürme, sehr hohe Regenmengen und Hagelschlag! Es muß ja nicht gleich Hagel sein, aber 20 Liter Regen pro Quadratmeter wären doch Spitze! An der Pilzfront zieht allmählich Leben ein. Ich hatte heute eine individuelle Pilzwanderung mit fünf jungen Damen aus Hamburg. Dazu begleitete mich Pilzfreund Thomas Harm. Es ging in ein schattiges Mischwaldgebiet bei Großenhof und Thorstorf. Neben alten, vergehenden Schuppigen Porlingen, kündeten frische Helmlinge, Buchenwald – Wasserfüße und Grünblättrige Schwefelköpfe vom dem in der nächsten Woche beginnenden Wachstumschub von ersten Sommerpilzen wie z. B. einigen Champignons und Röhrlingen. Von letzteren schickte mir heute Andreas Okrent ein brandaktuelles Foto vom ersten Flockenstieligen Hexen – Röhrling der Saison.

Auch dieses wunderschöne Foto einer Hochgerippten Becherlorchel (Hevella acetabulum) sndte mir Andreas Okrent heute zu. Kein Zweifel, es tut sich langsam was.

Auch dieses wunderschöne Foto einer Hochgerippten Becherlorchel (Hevella acetabulum) sandte mir Andreas Okrent heute zu. Kein Zweifel, es tut sich langsam was!

Sonntag, den 22. Mai Heute gab es bei uns im „Steinpilz – Wismar“ wieder einen Imbisstag. Wie gewohnt mit herzhafter Waldpilzsuppe, Pilzbouletten, Maipilzpfanne, frischen Waffeln u.a. Leckereien. Leider war heute die wismarer Innenstadt zeitweise fast menschenleer. Ich weiß nicht, ob die Leute bei dem am Vormittag meist noch sehr schönen und warmen Wetter alle an den Strand gefahren waren oder aufgrund der vorhergesagten Unwetter lieber ganz zu hause blieben. Jedenfalls hätten wir uns etwas mehr Zuspruch gewünscht. Mit dem Wetter hatten wir allerdings Glück. Das erste, kräftige Gewitter gegen 14.00 Uhr, schrammte haarscharf an uns vorbei und brachte nur einige Donnerschläge und wenige Tropfen Regen. Pünktlich zum Ende unseres Imbisstages, gegen 18.00 Uhr, näherte sich dann die eigentliche Kaltfront und der Himmel verdunkelte sich bedrohlich. Wir schafften es gerade noch so, das nötigste rein zu Räumen, bevor der Wolkenbruch auf uns herab prasselte. Es regnete dann noch teils kräftig und schauerartig verstärkt bis weit in den Abend hinein. Auch im gesamten Einzugsgebiet unserer Pilzregionen gab es ab dem Nachmittag kräftige Gewitterschauer, so dass ich im großen und ganzen mit dem Niederschlagsergebniss zufrieden bin. 5 – 15 Liter dürften im allgemeinen zusammen gekommen sein. Jetzt ist es 22.00 Uhr und es regnet immer noch kräftig. Ich Denke, wir können für die nächsten 2 – 3 Wochen recht zuversichtlich sein und uns auf die ersten schönen Sommerpilze freuen. Zumal es auch in der nächsten Zeit vom Wetter her eher weschselhaft mit gelegentlichen Niederschlägen weiter gehen soll.

Schon morgens um 07.00 Uhr zog eine stark labile Zone über Wismar hinweg und brachte schon erste, schwache Schauer. 22.05.2011.

Schon morgens um 07.00 Uhr zog eine stark labile Zone über Wismar hinweg und brachte schon erste, schwache Schauer. 22.05.2011.

Montag, 23. Mai – Der Abkühlungseffekt der am gestrigen Abend durchgezogenen Kaltfront hielt sich sehr in Grenzen. Bei heiter bis wokigem Wetter gab es heute wieder einen angenehm warmen Tag ohne Schwüle. Die nächste Kaltfront ist schon wieder auf dem Weg zu uns. Sie bringt morgen nochmals etwas kühlere Luft mit und einige, meist leichte Schauer. Aber die gestrigen haben ja gut geschaft. Pilzfreundin Angelika Boniakowski hat in ihrer Ortschaft Hagebök, etwa 12 Km östlich von Wismar, innerhalb ihres Ortes von zwei, etwas auseinanderliegenden Niederschlagsmessern, 18 b.z.w. 20 Liter abgelesen. Das ist doch eigentlich schon ein Wunschergebniss. Dann kann es ab dieser Woche endlich mit dem Pilzwachstum bergauf gehen. Ich habe heute schon meine Ausstellungsflächen deutlich erweitert und hoffe, die Pilze wissen das auch!

Naturfotograf Andreas Okrent hat letzte Woche schon diesen Flockenstieligen Hexen - Röhrling (Boletus luridiformis) fotografiert. Das er ein ausgezeichneter speisepilz ist wissen auch schon die Schnecken. Nur nicht, dass man ihn nicht roh verzehren sollte!

Naturfotograf Andreas Okrent hat letzte Woche schon diesen Flockenstieligen Hexen - Röhrling (Boletus luridiformis) fotografiert. Das er ein ausgezeichneter Speisepilz ist, wissen auch die Schnecken. Nur nicht, dass man ihn nicht roh verzehren sollte!

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