Wetter und Pilze im Raum Nordwestmecklenburg

Tagebuch Wetter/Pilze im April 2019

Der Steinpilz – Wismar grüßt alle Leser des Tagebuches auf das herzlichste und wünscht eine erfolgreiche Pilzsaison 2019!

Spitzmorcheln vom feinsten heute in der Pilzberatung.

Montag, 01. April – Wir starten in die neue Saison. Wie wird sie ausfallen? Das weiß natürlich niemand! Zumindest legen wir in diesem Jahr gleich von Anfang an richtig los. Die obigen Spitzmorcheln wurden mir heute von einem Pilzfreund aus Lübow in die Beratung gebracht. Er hat sie am 30. März auf Rindenmulch in Wismar gefunden und eingesammelt. Auch in anderen Regionen Deutschlands häufen sich die Morchelfunde, auch Speisemorcheln sind schon dabei. Pilzfreunde aus Sachsen melden reichlich Böhmische Verpel. Wenn das kein hoffnungsvoller Einstieg ist! Auf jedenfall gibt es in diesem Jahr viel nachzuholen und das merken wir bereits jetzt. Im vergangenen Jahr herrschte zu dieser Zeit tieftster Winter und mit dem folgenden Turbo – Frühling konnten die meisten Frühjahrspilze kaum Schritt halten. Danach wurde es auch schon zu trocken und bis zum Spätherbst waren unsere Wäldern meist pilzfrei, bis auf örtliche Bereiche, wo es mal stärkere Schauer gab. Sollten in diesem Jahr also günstigere Bedingungen herrschen, dürfen wir uns auf einiges gefaßt machen.

Wenn die Morcheln bereits wachsen, so sind natürlich die Lorcheln erst recht in der Spur. Hier sehen wir die essbare Schildförmige Scheibenlochel (Gyromitra ancilis). In geeigneten Nadelwäldern gibt es sie in diesem Jahr regelrecht als Bodendecker. Massenbestände, wie ich sie noch niemals sah! Standortfoto am 30.03.2019.

Eigentlich hatten wir im zurückliegenden Winter, der keiner war, zumindest bei uns an der Küste, mehr Frischpilze in den Wäldern als in allen Sommermonaten des letzten Jahres. Spätherbstpilze bis in den Januar und nun auch schon wieder im Frühling.  Winterpilze natürlich bis Anfang Februar sehr üppig und im milden Verlauf des Monats wurde bereits der Grundstock für unsere Lorcheln und Morcheln gelegt. Im Januar waren einige Pilzfreunde mit einem Fersehteam des NDR auf erfolgreicher Pilzpirsch und im Februar mußte ich nochmals wegen einer Fersehsendung die Wälder durchstreifen. Ich war darüber durchaus nicht böse, denn es gab ja tolles zu entdecken, allen voran die bei uns eigentlich als recht selten geltenden Orangeseitlinge. Wir fanden sie mehrfach in verschiedenen Wäldern. Siehe dazu auch die beiden Winter – Artikel etwas weiter oben.

Am 30. März unternahm ich mit unserem Raritäten – Jäger Andreas Okrent bei herrlich warmen Frühlingswetter eine Info – Tour durch verschiedene Wälder und zu ausgesuchten Zeigerstellen. Der Auwald überzeugte uns nicht, dafür, wie oben schon erwähnt, ging an dem von uns aufgesuchten Lorchel – Standort die Post ab. Insbesondere Scheibenlorcheln waren in einem nie zuvor beobachteten Ausmaß vertreten. Nahezu auf Schritt und Tritt und in dichten Flächen. Ein ganzer Waldbereich war übersät von ihnen! Dazwischen unzählige Frühjahrslorcheln!

Der absolute Top – Fund war allerdings zwischen etlichen Schwarzweißen Becherlorcheln dieser Leutende Prachtbecherling (Caloscypha fulgens). Andreas war außer sich vor Freude! Standortfoto: Andreas Okrent.

In einem anderen Gebiet die tollsten Kelchbecherlinge mit ihrem knalligen Rot. Dazu frische Rötel – Ritterlinge und die herrlichsten Stockschwämmchen an alten Birkenstubben.

Österreichischer Kelchbecherling (Sarcoscypha austriaca). Standortfoto am 30.03.2019 am Roten See bei Brüel.

Der März war in M-V mehr als drei Grad zu warm und brachte nach dem trockenen Februar auch wieder ausreichende Niederschläge, so dass die Wachstumsbedingungen durchaus gut sind. Leider gab es in der vergangenen Nacht allerdings bis zu minus 10 Grad am Boden und heute Nacht kann es nochmals bis auf minus 4 Grad runtergehen! Den klassischen Frühlingsarten dürfte es allerdings kaum schaden. Im Verlauf der Woche soll es nach dem strahlenden Sonnenschein von heute wieder unbeständiger werden. Über Mitteleuropa bildet sich eine Tiefdruckrinne, die warme Luft in der Osthälfte Deutschlands von kalter Luft im Westen trennt. An ihr wird es zu kräftigen Schauern und Gewittern, Regen und starken Schneefällen kommen. Der Schnee dürfte sich auf die Berglagen und dem Südwesten Deutschlands beschränken und bei uns im Nordosten wird es wieder wärmer.

Herrliche Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis) am 30.03.2019 am Roten See bei Brüel. Ausgezeichneter Speisepilz!

Dienstag, 02. April – Schönes, sonniges und wieder wärmeres Wetter herrschte heute in Mecklenmburg vor. Unterdessen haben erste Schauer und Gewitter den Nordwesten Deutschlands erreicht. Auch Hamburg und Schleswig – Holstein bekommen am Abend noch etwas davon ab. Vieleicht auch schon der Westen Mecklenburgs. Ansonsten können wir uns morgen auf schauerartige Regenfälle einstellen. Die Luftmassengrenze bleibt dann wohl bis in Richtung Wochenende bestehen. M-V soll nach jetzigem Stand eher auf der Vorderseite, in recht warmer Luft bleiben. Ein beständiges Hoch ist längerfristig nicht auszumachen, so dass eine größere Trockenheit bis auf weiteres nicht in Sicht ist. Günstige Bedingungen für die fortschreitende Entwicklung des Frühlings – Aspektes. Immerhin habe ich heute an exponierten Stellen bereits die ersten Löwenzähne blühen sehen. Wir sind dem langjähren Mittel etwa 2 – 3 Wochen voraus. Selbst der Raps dürfte bald erstes, zartes gelb zeigen!

Derzeit sind aber nicht nur Frühlingspilze zu finden. Auch einige Herbstarten holen versäumtes nach. Dazu zählen nicht nur die obigen Stockschwämmchen, die bei geeigneten Bedingungen ohnehin ganzjährig auftreten können. Auch vereinzelt Schmutzige Rötel – Ritterlinge werden gefunden und meist für Violette Rötel – Ritterlinge gehalten. Das macht aber nichts, sie sind genauso essbar. Bei meiner Samstagstour mit Andreas Okrent hielten wir an einer Waldstraße kurz an und eine größere Gruppe von Lederbraunen Mürblingen begrüßte uns am Straßenrand. Wir kennen sie aus dem Herbst. Im Prosekener Grund dann auch schon ein Gelbstieliger Dachpilz. Immer wieder Duft – Trichterlinge, einige Tintlinge, Schwefelköpfe und Winter – Trompeten – Schnitzlinge. Wir haben, einschießlich der klassischen Frühlingsarten, hier gleich drei Jahreszeiten vereint.

Schmutziger Rötel – Ritterling (Lepista sordida). Die essbaren Pilze wuchsen Ende März in parkartigem Gelände in Hamburg, wo sie von unseren dortigen Pilzfreunden Griffel am Standort fotografiert worden sind.

Mittwoch, 03. April – Da Irena mich heute bat, mit nach Ludwigslust zu kommen, fiel meine eigentlich geplante Mittwochsexkursion in`s Wasser. Wasser gab es zwar auch von oben, aber die Mengen hielten sich in Grenzen. Lediglich der äußerste Westen Mecklenburgs wurde mit etwas mehr bedacht, da dort schon seit der Nacht häufiger Schauer durchzogen. Nach Ludwigslust waren alle ehrenamtlichen Pilzberater des Landkreises eingeladen, um aktuelle Probleme und Wünsche im Zusammenhang mit ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit zu diskutieren. Dabei wurde angemerkt, ob nicht die Ehrenamtsvergütung, die leider sehr unterschiedlich in den einzelnen Landkreisen von M-V  ausfällt, vereinheitlicht werden könnte. Die Pilzberater des Landkreises Ludwigslust – Parchim befinden sich in der Höhe der Vertraglich zugesicherten Aufwandsentschädigung am unteren Ende. Dennoch wurde der neue Vertrag von allen anwesenden unterzeichnet und die Saison 2019 kann beginnen.

Gelbstieliger Dachpilz (Pluteus romelli) am 30.03.2019 im Prosekener Grund. Wächst vom Frühling bis zum Herbst an Laubholz. Ohne Speisewert.

Donnerstag, 04. April – Ein sehr freudlicher und milder Tag war das heute im Nordosten. Der Frühling ist bei uns voll im gange. Anders im Südwesten Deutschlands und besonders auch in der Schweiz. Dort kommen teils erhebliche Mengen an Schnee vom Himmel. Wir haben in diesem Jahr getauscht, denn letztes Jahr waren wir Anfang April noch tief verschneit. Aber der Spuk wird auch dort bald vorbei sein. Die warme Jahreszeit ist nicht mehr aufzuhalten, auch wenn es in der nächsten Woche bei uns im Norden wieder abkühlen soll, bei klassischem Aprilwetter mit Schauern. Der mittelfristige Trend geht auch eher in Richtung Tiefdruckeinfluß. Ein Hoch über Skandinavien soll sich im Verlauf nach Norden zurückziehen und dann könnte der Weg frei werden für kräftige Antlantik – Tiefs, die dann auch viel Regen im Gepäck haben würden. Ob es wirklich so kommt, muß aber noch abgewartet werden.

Wir dürfen uns aus heutiger Sicht jedenfalls auf einen tollen Frühlingaspekt freuen, der ja bereits voll im gange ist und sich bei den zu erwartenden Witterungsbedingungen weiter steigern dürfte. Immerhin hat unser Vereinsfreund Peter Kofahl heute die Morchel – Ernte seines Lebens eingefahren. An die 6 Kilo Spitzmorcheln sollen es gewesen sein, die nun zum trocknen ausgelegt wurden. Natürlich für den Eigenbedarf, obwohl es in Geldeswert schon ein kleines Vermögen wäre! Da die Morchel – Ernte sozusagen künstlich erzeugt wurde, also von keinem natürlichen Standort stammt, nähmlich von im letzten Jahr frisch ausgebrachten Rindenmulch, dürfte er damit auch keinesfalls irgendwelche Naturschutz – Standards verletzt haben. Peter schwärmte von dieser Pracht. Die Pilze wuchsen teils sogar in Büscheln von bis zu 10 Exemplaren.

Während die wertvollen Morcheln ausschließlich im Frühling wachsen, kennen wir die Lederbraunen Mürblinge (Psathyrella conopilus) eigentlich aus dem Herbst. Ihnen war es damals auf lange Strecken viel zu trocken und sie sind nun dafür im Frühling erschienen. Standortfoto am 30.03.2019 im Prosekener Grund. Ohne Speisewert.

Freitag, 05. April – Raritäten – Jäger Andreas Okrent rief mich am Abend an, dass er gerade auf einer Feieraben – Tour im Raum Graal – Müritz unterwergs ist. Im Vergleich zu unseren Erfolgen im westlichen Mecklenburg herrscht dort im wesentlichen tote Hose. Einzig über eine Spitzmorcheln in den Ostsee – Dünen konnte er sich freuen. Ansonsten keine Spur von Verpeln, Riesen – Lorchel und Co., die dort um diese Jahreszeit durchaus vertreten sein können. Es ist dort auch schon wieder sehr trocken. Die Regionen östlich von Rostock haben offensichtlich weniger Niederschlag in den letzten Wochen bekommen und zusätzlich trocknet auch der Seewind die Strandnahen Bereiche ab.

Besser sieht es da schon bei uns aus, obwohl die letzten Niederschläge durchaus ergiebiger hätten ausfallen dürfen. Dafür hat das westliche Niedersachsen, besonders zur Nordsee hin, durch die Luftmassengrenze der letzten Tage ordentlich Regen bekommen. Bei uns ist jedenfalls aus heutiger Sicht bis Mitte nächster Woche kaum etwas in Sicht. Ob dann die Niederschläge ergiebiger ausfallen können, steht in den Sternen. Nennenswerte Regenfälle sollen sich zunächst eher auf die Südhälfte Deutschlands beschränken. Da sich aber immer wieder kleinere Tiefs einmogeln oder bilden können, ist es nicht ausgeschlossen, dass auch wir mal in den Genuss stärkerer Regenfälle kommen können. Nicht gänzlich unmöglich ist hingegen auch eine trockene Ostwindlage bei deutlich tieferen Temperaturen. Ohnehin soll es mit den Temperaturen in der nächsten Woche deutlich bergab gehen mit Nachtfrösten.

Wie dem auch sei, die Saison ist super angelaufen und morgen starten wir zur ersten Pilzwanderung des Jahres. So wie es aussieht, wird diese ein voller Erfolg auch im Hinblick unserer Mykophagen. Estmals seit Beginn unserer geführten Lehrwanderungen vor Jahzehnten besteht die Möglichkeit, gleich bei der ersten Wanderung im April reichlich Speisepilze einsammeln zu können.

Diese Blätterpilze waren seit dem Herbst konstant in feuchteren Laub- und Nadelwäldern vertreten. Sie werden sich bald verabschieden, denn es wird ihnen zu warm. Durch den deutlichen Anis – Duft sind diese giftigen Duft – Trichterlinge gut von ähnlichen Arten aus der Gattung zu unterscheiden. Foto am 30.03.2019 im Prosekener Grund.

Sonnabend, 06. April – Mit der ersten öffentlichen Pilzlehrwanderung starteten wir heute ganz offiziell in die neue Saison. Ziel waren die Wälder zwischen Jesendorf und Tarzow. Sandige Nadel- und Mischwälder am Rande der dortigen Kiestagebaue und am Tarzower See. Die 10 Pilzfreunde erlebten bei sonnigem und warmen Kaiserwetter eine der erfolgreichsten Frühjahrswanderungen aller Zeiten. Aller Zeiten, damit meine ich natürlich die Zeiten, an die ich mich erinnern kann. Immerhin haben wir gleich zur ersten Wanderung Anfang April noch nie so viele Frischpilze vorgefunden, die zum Teil auch noch für die Küche geeignet waren, wie heute. Es war eine rundum gelungene Pilzwanderung, bei der sowohl der Lerneffekt, wie auch der Küchen – Aspekt gleichermaßen zur Geltung kamen. Die Unterschiede zwischen giftigen Frühjahrslorcheln und essbaren Morcheln konnten am Frischpilz erläutert und heraus gestellt werden. Es gab also nicht nur Lorcheln, sondern auch Morcheln im sandigen Kiefernwald. Dazu aber nicht nur giftige, sondern auch essbare Lorcheln, allen voran die ergiebigen Scheibenlorcheln in größeren Mengen. Delikate Stockschwämmchen waren an Laubholzstubben vertreten und auch die Unterschiede zwischen den leckeren Graublättrigen- zu den giftigen Grünblättrigen Schwefelköpfen konnten am frischen Objekt studiert werden. Siehe unter „Auftakt mit Lorcheln und Morcheln

Leckere Spitzmorcheln (Morchella elata) in trauter Eintracht mit Giftlorcheln (nicht im Bild) im Kiefernforst bei Jesendorf. 06.04.2019. Wertvolle Speisepilze.

Sonntag, 07. April – Bei sonnigem und warmen Frühlingswetter startete ich heute zu einer Exkursion durch den Schlemminer Forst b.z.w. durch das Bernitter Holz. Ich holte meine Mittwochsexkursion nach. Neue Saison, neues Meßtischblatt – 2137 = Bützow. Besonders der erste Quadrant ist überaus gut bearbeitet, weil wir hier schon oft unterwegs waren. Kartierungen seit den 1990er Jahren haben schon viele Funddaten geliefert, so dass heute kaum etwas neues dabei gewesen sein dürfte. Ich bin überwiegend in Buchenwäldern unterwegs gewesen, teils waren Nadelbäume eingestreut und auch kleinere Moor – Bereiche waren dabei. Frischpilze gab es bis auf vertrockenete Austern – Seitlinge keine.


Hier die Artenliste von MTB: 2137/1 – Schlemminer Forst/Bernitter Holz: Schwefelporling (vorjährig), Eichen – Rindensprenger, Echter Zunderschwamm, Striegeliger Schichtpilz, Runzeliger Schichtpilz, Flacher Lackporling, Ockerfarbene Zonentramete, Flächiges Eckenscheibchen, Brandkrustenpilz, Laubholz – Harzporling, Riesenporling (vorjährig), Orangefarbenes Brennnesselbecherchen, Zugespitzter Kugelpilz, Buckel – Tramete, Birken – Blättling, Reihige Tramete, Striegelige Tramete, Fenchel – Tramete, Adlerfarn – Fleckenpilz, Schmetterlings – Tramete, Rotrandiger Baumschwamm, Angebrannter Rauchporling und Austern – Seitling.


Im Anschluß fuhr ich noch kurz in die Kiefernaufforstung bei Perniek. Hier traf ich unsere Pilzfreundin Angelika Boniakowski mit ihrem lieben Mann, die gerade zum Nachmittagsspaziergang ansetzten. Natürlich mit Korb bewaffnet, aber dieser blieb leer. Im Vergleich zu Jesendorf, mit einem ganz ähnlichen Biotop, gab es hier kaum etwas zu holen. Nur vereinzelt mal eine Scheibenlorchel oder Schwarzweiße Becherlorchel. Einige Blätterpilze wie Zapfenrüblinge, Duft – Trichterlinge, Frühlings – Samthäubchen oder Rötlinge waren noch auszumachen. 

Auf dem Mittelstreifen eines sandigen Waldweges im Kiefernforst Perniek wuchs eine Gruppe Frühlings – Samthäubchen (Conocybe aporos) Giftverdächtig!

Montag, 08. April – April, April, er weiß nicht was er will. Einmal fast schon Sommer und dann geht es wieder in Richtung Winter. Die Wetterlage stellt sich um. Anstatt Frühlingswärme aus dem Süden, dreht die Ströhmung nun auf Nordost und führt in den nächsten Tagen immer kältere Luft arktischen Ursprungs heran. Die so ziemlich kälteste Luft, die zu dieser Jahreszeit überhaupt möglich ist! Nachtfröste werden in dieser Wochen an der Tages- b.z.w. Nachtordnung sein. Anders als vor einigen Tagen noch angenommen, zieht sich das Skandinavienhoch zunächst nicht zurück, sondern verstärkt sich noch. Dabei stellen sich zunehmend spätwinterliche Verhältnisse ein. Die Luft ist so kalt, dass sich bei nordöstlicher Anströhmung sogar der aus den Wintermonaten bekannte Ostsee – Strich einstellen kann. Die eisige Luft ströhmt dabei über das vergleichweise warme Ostseewasser, welches zu dieser Jahreszeit eigentlich eher für Kälte bei uns in Seenähe sorgt. Es bilden sich Quellwolken und teils kräftige Schneeschauer sind die Folge. Diese Schauerstraßen sind strichweise angeordnet und können stunden bis tagelang über die selben Küstenstreifen bis ins Binnenland vordringen und dann teils enorme Schneemengen bringen. So schlimm wird es um diese Jahreszeit natürlich nicht, aber auf Regen- und Schneeschauer können wir uns in Ostseenähe in den nächsten Tagen einstellen. Wenigstens etwas Feuchtigkeit, denn die Oberflächenböden sind bei dem sonnigen Wetter der letzten Tage schon wieder stark abgetrocknet. Die Entwicklung an der Frühlings – Pilzfront, wie auch in der übrigen Natur, wird jetzt erst einmal gedrosselt. Der eigentliche Durchbruch an der Morchelfront wird somit noch etwas auf sich warten lassen.

Unterdessen konnte unser Lorchel – Experte Christian Ehmke wieder einen tollen Fund verbuchen. Die seltene Riesenlorchel (Gyromitra gigas) ging ihm ins Netz, b.z.w. unter das Mikroskop. Deutlich sind die zwei seitlichen Anhängsel zu sehen und auch die netzig – warzige Ornamentierung der Spore, die sich dadurch eindeutig von der viel häufigeren Frühjahrslorchel unterscheiden läßt. Foto: Christian Ehmke.

Dienstag, 09. April – Die trockene Kaltluft ist inzwischen bei uns im Norden angekommen. Teils Sonne, teils bewölkt und dazu zeitweise ein lebhafter Wind. Die Schauer lassen noch auf sich warten. Zusätzlich könnte sich zum Wochenende noch ein kleines Höhentief nähern, das die Schauertätigkeit begünstigen könnte. Größere Niederschlagsmengen sind aber wohl nicht zu erwarten. Auch wenn in der nächsten Woche wieder wärmere Luft aus Südwesten einfließen sollte, wird zwar in der Südhälfte Deutschlands in feuchter Luft wieder eine Zunahme der Schauer- und Gewittertätigkeit erwartet, aber bis zu uns, nordöstlich der Elbe, wird sich die Niederschlagstätigkeit wohl nicht ausbreiten können. Das Skandinavienhoch dürfte dagegen halten. So scheint sich in unseren Gefilden wieder eine längere Trockenperiode anzubahnen und der bisher gut in gange gekommene Frühlingsaspekt könnte in`s Stocken geraten. Erinnerungen an letztes Jahr keimen allmählich auf. Die Dürre scheint wieder ihren Lauf nehmen zu wollen. Hoffen wir, dass sich die Natur für einen anderen, feuchteren Witterungsverlauf entscheiden möge.

In der Pilzberatung wurden mir heute Spitzmorcheln und Frühjahrslorcheln aus einer Kleingarten – Anlage in Grevesmühlen vorgelegt. Die Familie hatte dort an zwei verschiedenen Stellen Rindenmulch aus Nadelholz ausgebracht. Auf der einen Fläche wuchsen Spitzmorcheln, auf der anderen Frühjahrslorcheln. Jede Art beanspruchte ihr Revier für sich. Auch eine gute Gelegenheit, die Unterschiede der beiden Frühlings – Klassiker gleich am Standort zu studieren.

Diese Rötlinge hat Pilzfreundin Angelika Boniakoswki am Sonntag, während unserer zufälligen und gemeinsamen Kurzexkursion im Kiefernforst bei Perniek gefunden. Es dürfte sich um den Scherbengelben Rötling (Entoloma cetratum) handeln. Eine häufige Art vom Frühling bis in den Herbst in Nadelwäldern, auf sandigen, armen Böden und in Heidelandschaften. Gut sind auch die bei Erhard Ludwig erwähnten Lamelletten und runzligen Lamellenflächen zu erkennen. Kein Speisepilz.

Mittwoch, 10. April – Bei kühlem, heiter bis wolkigem Wetter, ging es heute wieder hinaus zu einer Mittwochsexkursion. Dazu begleitete mich auch Irena. Der zweite Quadrant des Bützower Meßtischblattes war an der Reihe. Der Nachteil dabei, es gibt im gesamten Quadranten praktisch kein nennenswertes Waldgebiet. Nur kleine Bauminseln, Alleen und kleine, parkartige Flächen. Daher fehlen hier bisher auch sehr viele, durchaus häufige Arten, auf unseren Kartierungslisten. Am Bützower See fanden wir dann doch ein kleines Wäldchen und konnten einiges notieren, fotografieren und für die Ausstellung mitnehmen.


Hier die Artenliste von heute, MTB: 2137/2 – Bützower See: Buckel – Tramete, Flacher Lackporling, Rötende Tramete, Orangefarbenes Brennnesselbecherchen, Zugespitzter Kugelpilz, Ockergelbe Zonentramete, Schwefelporling (vorjährig), Gemeiner Feuerschwamm, Erlen – Schillerporling, Pflaumen – Feuerschwamm, Anis – Tramete, Judasohr, Rotrandiger Baumschwamm, Schmetterlings – Tramete, Bovistähnlicher Schleimpilz, Gift – Häubling, Frühlings – Mürbling, Krauser Adernzähling, Samtiger Schichtpilz, Echter Zunderschwamm, Warziger Drüsling, Goldgelber Zitterling, Grauer Faltentintling, Glimmer – Tintling, Muschelförmiger Feuerschwamm und Striegelige Tramete.


Im Frühjahr eher die Ausnahme, im Herbst allerdings häufig, finden wir an Nadel- und Laubholz den Gift – Häubling (Galerina marginata). Er ist der klassische Verwechslungspartner des derzeit auch wachsenden Stockschwämmchens. Er zählt zu unseren gefährlichsten Giftpilzen und kann tödlich wirken. Lebensgefahr besteht zwar noch nicht bei diesen vier Fruchtkörpern, aber eine Menge von 100 – 150 g können ausreichen, um das Zeitliche zu segnen! Foto am 10.04.2019 am Bützower See.

Donnerstag, 11. April – Es ist wirklich kalt geworden. Man fühlt sich in den Winter zurück versetzt. Und da war es im zurückliegenden über weite Strecken milder als derzeit. Die angekündigten Schauer lassen noch weitgehend auf sich warten, auch wenn heute verzeinzelt ein Paar Tropfen und Flocken dabei waren.

Heute war wieder langer Tag im Steinpilz und ich nutzte diesen, um unsere Dauerausstellung nach der Winterruhe wieder auf Vordermann zu bringen. Frisches Moos hatten wir schon in der letzten Woche mitgebracht und auch im Kühlschrank warteten die ersten Frischpilze der Saison auf ihren Auftritt. Es liegen nun 70 Arten auf der Fläche.


Hier die aktuelle Auslage: Gewimperter Erdstern, Kamm – Erdstern, Großer Nest – Erdstern, Rötender Erdstern, Dünnschaliger Kartoffel – Hartbobist, Wiesen – Staubbecher, Eier – Bovist, Winter Zitzen – Stielbovist, Löwengelber Porling, Stachelbeer – Feuerschwamm, Gemeiner Violettporling, Winter – Stielporling, Rotbrauner Borstenscheibling, Wurzelschwamm, Nördlicher Zinnoberschwamm, Frühlings – Mürbling, Gift – Häubling, Frühlings – Samthäubchen, Bitterer Zapfenrübling, Schwarzweiße Becherlorchel, Duft – Trichterling, Ahorn – Holzkeule, Vielgestaltige Holzkeule, Adlerfarn – Fleckenpilz, Warziges Eckenscheibchen, Blasiges Eckenscheibchen, Flächiges Eckenscheibchen, Vielgestaltige Kohlenbeere, Holzkohlenpilz, Frühjahrs – Lorchel, Schildförmige Scheibenlorchel, Buckel – Tramete, Österreichischer Kelchbecherling, Schmutziger Rötel – Ritterling, Schmetterlings – Tramete, Grauer Faltentintling, Fenchel – Tramete, Kiefern – Feuerschwamm, Eichen – Feuerschwamm, Striegelige Tramete, Mottenkugel – Lederrindenpilz, Schwarzroter Stielporling, Scherbengelber Rötling, Rotrandiger Baumschwamm, Grauweißer Resupinatporling, Kiefern – Braunporling, Schuppiger Schwarzfußporling, Echter Zunderschwamm, Wulstiger Lackporling, Schiefer Schillerporling, Rostbrauner Feuerschwamm, Flacher Lackporling, Hexenbesen, Angebrannter Rauchporling, Glänzender Lackporling, Eichen – Zystidenrindenpilz, Pappel – Feuerschwamm, Runzliger Schichtpilz, Gebänderter Dauerporling, Kupferroter Lackporling, Eichen – Wirrling, Gemeiner Feuerschwamm, Beutel – Stäubling, Flaschen – Stäubling, Birnen – Stäubling, Hasen – Stäubling, Riesenbovist. Sternstäubling, Dickschaliger Kartoffel – Hartbovist und Rötende Tramete.


Hier sehen wir recht hell geratene Graue Faltentintlinge (Coprinus atramentarius). Sie wuchsen am Rande eines feuchten Erlenbruchs am Bützower See. Durch den knotigen Wulst im unteren Stielbereich werden sie auch Knoten – Tintlinge genannt. Jung essbar, aber mit Alkohol giftig!

Freitag, 12. April – Zahlreiche Schauer zogen heute über das Norddeutsche Tiefland. Einige Tropfen erreichten auch die Hansesadt Wismar und das Umland. Nachts und morgen ziehen weitere Schauer in der spätwinterlichen Kaltluft durch. Sie können durchaus auch in festem Aggregat – Zustand niedergehen. Dabei weht ein böiger und kalter Nordostwind. Ab nächster Woche stellt sich die Großwetterlage wieder um und von Süden erreichen uns spätestens in Richtung langes Osterwochenende deutlich wärmere Luftmassen. Nennenswerter Regen ist damit für den Nordosten nicht auszumachen. Das Skandinavien Hoch behauptet seine Stellung und von Westen anlaufende Wetterfronten verpuffen wie so oft auf ihrem Weg nach Nordosten. Die mittelfristigen Modellläufe deuten allenfalls in Richtung Ende des Monats stärkere Tiefs mit Regen- und Schneefällen an. Warten wir`s ab!

Was bedeutet das für unser Pilzwachstum? Natürlich nichts gutes! Derzeit dürfte die Entwicklung ohnehin durch die widrigen Witterungsverhältnisse stagnieren. Vorgebildete Speisemorcheln können sich dann bei wieder wärmerem Wetter an noch ausreichend feuchten Standorten strecken. Die weitere Entwicklung (Maipilze und Co.) hängt stark davon ab, ob es tatsächlich bis Ende des Monats ergiebigere Niederschläge geben sollte, sonst droht ein Hungeraspekt.

Nichts desto trotz hat Christian Ehmke heute diesen schönen Morchelbecherling (Disciotes venosa) gefunden und fotografiert. Morchelbecherlinge oder auch Flatschmorcheln kommen auf guten Böden vor, dort, wo wir in der Regel auch Speisemorcheln erwarten dürfen. Also Bachtäler, Auwälder, Gärten und ähnliche Biotope. Sie riechen charakteristisch nach Chlor und sind geschmort eine Delikatesse!

Sehr ähnlich kann auch die Schildförmige Scheibenlorchel (Discina ancilis) aussehen. Sie wächst an altem, mulmigem Nadelholz von Kiefer und Fichte und riecht nicht nach Chlor, ist eher ohne besonderen Geruch. Auch sie ist nach ausreichendem Durchgaren essbar, erreicht aber nicht den Wohlgeschmack des Morchelbecherlings. Dieses Standortfoto, zusammen mit einer kleinen Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta), habe ich am 30.03.2019 im Kiefernforst bei Jesendorf aufgenommen.

Sonnabend, 13. April  – Heute wurde ich von einem Hobby – Pilzanbauer kontaktiert, der gerade Rundhölzer mit Zuchtpilz – Substrat beimpft hatte und noch Pilzbrut übrig behalten hat, die er nicht wegschmeißen wollte. Ich fuhr zu ihm in den Stadtteil Wendorf und schaute mir seine Arbeit an. Er hat eine Villa am Seeblickpark und dort wurden kürzlich Baumfällarbeiten durchgeführt und dabei leider auch Bäume auf seinem Grundstück in mitleidenschaft gezogen, so dass sie teils erheblich beschnitten werden mußten. Ahorn, Pappel, Robinie und Kastanie. Als Feuerholz waren ihm die Stämme zu schade, so dass er sie jetzt mit Pilzbrut beimpft hat. Austernpilze, Shitake und Reishi. Ich nahm die Reste mit und schaute im Keller nach, wo ich noch reichlich Holzscheiben aus Keez liegen hatte. Diese waren trocken gelagert, aber schon etwas älter. Ich legte sie in ein Wasserbad und nagelte daraus eine Pyramide zusammen. Zwischen den einzelnen Holzscheiben legte ich die Pilzbrut der verschiedenen Arten aus. Das ganze versiegelte ich an den Rändern mit Moos. Schließlich kam die Pyramide in eine Plastik – Mülltüte, die ich mit weiteren Hölzern und Moos ausfüllte, um den Kern zu ummanteln. Das ganze bekam dann nochmals etwas Wasser und wurde verschnürt, natürlich mit Atmungsspalten, und in eine schattige Ecke auf dem Hof der ABC Straße 21 gestellt. Nun heißt es warten, was hier passiert. Ein Experiment, dass ganz und garnicht nach Vorschrift ausgeführt wurde, aber immer noch besser als die Pilzbrut zu entsorgen. Im besten Fall wird sich möglicherweise wenigstens eine der drei Pilzarten durchsetzen und mit viel Glück vieleicht innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre auch den einen oder anderen Fruchtkörper hervorbringen, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass dieses eher ausbleiben wird, weitaus größer sein dürfte. 

Die beimpften Stämme in Wendorf. Sie wurden angebohrt, die Bohrungen mit Substrat verfüllt und mit Käsewachs versiegelt. Nun werden sie bewässert und in eine schattige Ecke des Gartens verbracht. Hoffen wir, dass die Arbeit längerfristig von Erfolg gekrönt sein möge.

Sonntag, 14. April – Die erste Vereinsexkursion des Jahres stand heute auf dem Programm. Sieben Pilz- und Naturfreunde durchstreiften dazu das Hellbachtal bei Neubukow. Eigentlich eine gute Adresse für Frühlingspilze, aber heute sah es ausgesprochen bescheiden aus. An Frischpilzen im Prinzip nur einige Tintlinge. Aber es wurden frische Kräuter gesammelt und auch einige Arten erläutert und vorgestellt, die nicht unbedingt für den Kochtopf geeignet sind und auch einiges notiert für unsere Datenbank. Siehe unter „Vereinsexkursion mit Gästen“.

Das Wetter war dazu nochmals sehr ungemütlich, grau und regnerisch. So wurde die Tour eher zu einem nasskalten Vergnügen, aber die Regenmengen, die heute und auch gestern zusammen kamen, sind nicht der Rede wert! Und nun stellt sich die Wetterlage um. Vom Spätwinter in den Frühsommer. Das Skandinavienhoch bleibt uns dabei erhalten und verstärkt sich noch. Bei meist blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein soll es mit den Temperaturen täglich etwas höher hinauf gehen. An Ostern können wir uns auf 20 Grad freuen. Mit etwas Vorsicht ist der Trend nach Ostern zu genießen, aber aus heutiger Sicht soll es weiter aufwärts gehen und die Temperaturen steuern auf hochsommerliche Werte von bis zu 30 Grad zu! Einzig ein Schauer oder Gewitter kann hier und da mal dazwischen Funken. Es geht also wieder in Richtung Dauerhoch, Sommerwärme und Trockenheit. Vieleicht bekommen wir dann zu unseren großen Ausstellungen im Herbst noch rechtzeitig einiges an Regen?

Neben Grauen Faltentintlingen fanden wir heute auch Glimmer – Tintlinge (Coprinus micaceus). Dieses Standortfoto habe ich allerdings am Mittwoch am Bützower See aufgenommen.

Montag, 15. April – Wir haben Monats – Halbzeit. Begann der April noch sehr vielversprechend, haben sich die Bedingungen durch Trockenheit und auch durch die frostigen Temperaturen in den Nächten deutlich verschlechtert. Die Trockenheit wird inzwischen auch für die Landwirtschaft wieder zum Problem. Die Bedingungen sind schon jetzt deutlich angespannter als im letzten Jahr zu dieser Zeit, wo noch sehr viel Feuchtigkeit in den Böden steckte und die Landwirte endlich froh waren, dass sie mit ihren Maschienen auf die zuvor oft aufgeweichten Böden konnten. Und jetzt kommt wieder blauer Himmel mit zunehmender Sonne und Wärme. Etwas Regen kann es noch in der Südwesthälfte Deutschlands in den nächsten Tagen geben. Der Nordosten geht leer aus, es sei denn, ein Kaltlufttropfen, der nordöstlich der Bundesrepublick in der Höhe herum wabert, könnte an Ostern zu uns herein eiern. Das würde zumindest einige Schauer bedeuten. Der Modellauf für Profis zeigte heute bei Wetter – Online im letzten Monats – Drittel Tiefdruckeinfluß über Mitteleuropa mit entsprechenden, dann durchaus nennenswerten Regenfällen an. Dieses Szenario ist aber noch nicht in feuchten Tüchern. Wie oft haben wir im letzten Jahr solch hoffnungsvolle Tendenzen in den Wetter – Modellen ausmachen können, die letztendlich wie Seifenblasen platzten.

Vorgebildete Speisemorcheln dürften sich am Osterwochenende strecken. Für Maipilze wird es eng. Da können nur noch die möglichen Niederschläge im letzten Monatsdrittel die Rettung sein und einen Hungeraspekt abwehren.

Torsten Richter, Chris Engelhardt und Christian Ehmke vom Rehnaer Pilzverein waren am vergangenen Wochenende ebenfalls auf Tour und konnten die in Deutschland seltene Schildförmige Scheibenlorchel (Discina parma) finden. Es dürfte der zweite Nachweis dieser Art in M-V sein. Leider sind sich die Namensgeber der deutschen Pilzbezeichnungen nicht einig, denn auch unsere recht häufige, auf Nadelholz vorkommende Scheibenlorchel wird zumindest in M.H.K. ebenfalls als Schildförmige Scheibenlorchel bezeichnet. Hier gezeigte Art kommt auf Laubholz vor und wurde erstmals im Jahre 1970 in der Schweiz entdeckt und neu beschrieben. Man könnte sie durchaus Schweizer Scheibenlorchel nennen, um Verwechslungen zu vermeiden. Immerhin gibt es bei uns auch zahlreiche Österreicher in rot! Allerdings bedeutet die deutsche Übersetzung des Begriffes parma = Schild oder Rundschild. Foto: Christian Ehmke.

Dienstag, 16. April – Nach dem die Spitzmorcheln nicht nur in Wismar auf Rindenmulch von Nadelholz bereits Ende März/Anfang April einen Frühstart hingelegt haben, scheinen sich nun allmählich auch Speise – und Käppchenmorcheln strecken zu wollen. Jedenfalls werden aus verschiedenen Teilen Deutschlands tolle Morchelfunde vermeldet. In Baden – Würtemberg wurden sogar schon die ersten Maipilze gesammelt. Ich denke, auf der Suche nach Ostereiern an entsprechenden Standorten dürften wir am langen Feiertagswochenende auch im Nordosten mit Erfolgen rechnen können. Zumindest dort, wo es noch feucht genug ist, denn mit Regen ist bis einschließlich Ostern bei uns nicht zu rechnen. Am  Dienstag nächster Woche könnte der bereits gestern erwähnte Kaltlufttropfen vieleicht noch bei uns im Nordosten vorbei schrammen und einige Schauer im Gepäck haben. Auch heute wurde in den Modelläufen vorübergend Tiefdruck – Dominanz mit Regenfällen im letzten Monatsdrittel simuliert. Zumindest ein Hoffnungsschimmer, mehr leider noch nicht! 

Pilzfreund Oliver Justus aus Brandenburg sandte mir dieses Foto vom blühenden Misthaufen seiner Eltern zu, mit der Bitte um Bestimmungshilfe. Augenscheinlich dürfte es sich um Blasige Becherlinge (Peziza vesiculosa) handeln. Unter dem Motto „In der Not frißt der Teufel Fliegen“, könnte man sie sicher auch essen. Ich empfehle allerdings: weiter blühen lassen!

Mittwoch, 17. April – Die obligatorische Mittwochsexkursion stand heute wieder auf dem Programm. Begleitete mich vor einer Woche Irena, so war es heute unser Vereinsmitglied Christopher Engelhardt aus Lübeck. Gegen 10.00 Uhr trafen wir uns auf dem Parkplatz am ZOB in Wismar und starteten zum Zielgebiet. Das Meßtischblatt 2137/3 war an der Reihe. Während im zweiten Quadranten, in dem wir letzte Woche unterwegs waren, kaum Wald vorhanden ist, hätte man heute den ganzen Tag unterwegs sein können, ohne dass man die gesamte Waldfläche auch nur annähernd untersuchen hätte können. Wir durchstreiften deshalb auch nur einen relativ kleinen Bereich des Rühner Holzes bei Bützow. Da vier Augen mehr als zwei sehen und Chris sich darüber hinaus auch mit Phytoparasiten auskennt, kamen heute einige Arten mehr zusammen. Überhaupt macht es mit Chris richtig Spaß, weil man viel interessantes aus Flora und Fauna erfahren kann. Ob Pflanzen, Schnecken, Käfer, Schmetterlinge, Vögel und vieles mehr, Chris kennt fast alles! Siehe unter „Mittwochsexkursion am 17.04.2019“. Dort ist auch die heutige Artenliste zu finden.

Phytoparasiten sind Kleinpilze und oft hochspezialisiert auf eine ganz bestimmte Pflanze. Ihre Bestimmung setzt also zunächst Pflanzenkenntnis voraus. Hier sehen wir den Ampferblatt – Rostpilz (Ramularia rubella).

Gründonnerstag, 18. April – Ein Hoch geht und das nächste kommt, war heute bei Wetter – Online zu lesen. Das bedeutet weiterhin Sonne satt, angenehme Temperaturen und zeitweise ein lebhafter Ostwind. Eine denkbar schlechte Konstellation für das Wachstum von Frischpilzen, das stellenweise, trotz schon recht großer Trockenheit, noch möglich ist. Weiter wird aber simmuliert, dass ab Mitte nächster Woche eventuell etwas Regen auch bei uns möglich ist, allerdings wohl in Form von Schauern und Gewittern. Und das ist meistens nur eine örtliche Angelegenheit. Eine mögliche Variante ist aber auch, dass bis Monatsende kein Topfen bei uns fällt. Wie dem auch sei, wir müssen es nehmen, wie es kommt. Auf jedenfall ist das lange Osterwochenende auch unser Morchelwochenende. Die günstigen Witterungsverhältnisse im Februar und März haben auch bei uns reichlich Primordien vorbilden lassen, die sich in diesen Tagen, an schattigen und noch hinreichend feuchten Stellen, strecken werden. An ungünstigen Standorten dürften sie leider steckenbleiben. So wurden mir heute auch von zwei Ratsuchenden Frauen Morcheln aus ihren Gärten in Wismar vorgelegt. Zum einen schöne Speisemorcheln, die noch recht frisch aussahen. Zum anderen Spitzmorcheln neben einem Komposthaufen, die schon am Standort trocken – Konserviert waren. Wäre jetzt feuchtwarmes Wetter mit Regenfällen angesagt, ich denke, wir hätten einen tollen Morchelfrühling erleben können. So wird es nur einen Hungeraspekt geben, aber örtlich kann durchaus reichlich gefunden werden, nähmlich dort, wo es feuchter ist. Also Bachtäler, Seeuferbereiche oder auch in Gärten, wo gewässert wird.

Trotz der Trockenheit, einige Tintlinge sind derzeit immer noch frisch unterwegs. Dieses stimmungsvolle Foto hat Christopher Engelhardt gestern während unserer gemeinsamen Exkursion am Waldwegrand im Rühner Holz fotografiert. Grauer Falten – Tintling (Coprinus atramentarius). Essbar, in Verbindung mit Alkohol giftig!

Karfreitag, 19. April – Den sonnigen und warmen Frühlingstag nutzte ich, um nach Parchim zu fahren. In zwei Wochen findet dort unser diesjähriges Frühlingsseminar statt. In diesem Zusammenhang gilt es mögliche Exkursionsgebiete ganz in der Nähe zu erschließen, an denen Frühlingsklassiker zu erwarten sein könnten. Heute umwanderte ich den Wockersee, der direkt an die Stadt Parchim grenzt. Weite Teile des Uferbereiches sind bewaldet. Teils torfige Böden, teils lehmig/sandig. Torfmoorartige Gebiete, Erlenbrüche, aber auch interessante Steilhänge, teils mit Eschen bewachsen und tolle Rotbuchenbereiche, sehr ausgehagert und kurz bemoost. Die sind auf jeden Fall für den Sommer und Herbstaspekt vielversprechend. Es geht auch durch parkartiges Gelände und vorbei an Kleingartenanlagen. Ein sonniger Eschenhang sah sehr vielversprechend in punkto Morcheln aus, aber nach Süden exponiert und daher durch die intensive Sonneneinstrahlung schon stark ausgetrocknet. An Frischpilzen fand ich lediglich einige Bovistähnliche Schleimpilze und Grünblättrige Schwefelköpfe. An Ostern werde ich wohl weitere Bereiche erkunden. Ansonsten liegt unsere Unterkunft „lüttpütt“ mitten in einem größeren Waldgebiet, den Pfifferlingstannen. Ein nicht nur dem Namen nach vielversprechendes Pilzrevier, sondern auch in der Realität, zumindest im Sommer und Herbst, falls die Witterung es zuläßt.

Diesbezüglich scheint die seit Tagen in der 14 Tage Simulation angedeutete, feuchtere Witterungsphase, tatsächlich eintreten zu wollen. Nach Ostern kann es ziemlich verbreitet zu Schauern und Gewittern kommen. Losgehen soll es am Dienstag oder Mittwoch bei uns im Nordosten. Es würde nicht nur unserem Frühlingsseminar sehr zu gute kommen.

Wanderwege und bewaldete Hänge am Wockersee bei Parchim. 19.04.2019.