27. – 29. April 2018 – Pilzseminar in Mecklenburg

Ein Pilzwochenende in Mecklenburg

Frühlingsseminar 2018

Speisemorchel (Morchella esculenta) im April 2017.

27. – 29. April 2018 in Keez (Keezer Schmiede), bei Brüel (19412). Das Grundstück liegt direkt an der B 104. Etwa 3 Km aus Richtung Brüel, rechter Hand zur Straße, etwa 100 m vor der Einfahrt zum Dorf Keez, Dorfstraße 1 . Aus Richtung Schwerin kommend, das letzte Grundstück links zur Fahrbahn. Bitte nicht in den eigentlichen Ort Keez fahren! Die Häuser am Abzweig von der Bundesstraße nach Keez sind die Keezer Schmiede! In begrenzter Anzahl sind Parkmöglichkeiten auf dem Grundstück vorhanden. Ansonsten können Fahrzeuge auch an den Abzweigen nach Keez oder Golchen geparkt werden.

Wie schon in den Jahren zuvor, haben wir auch in diesem Frühjahr wieder zu einem „Pilzwochenende in Mecklenburg“ eingeladen. Sowohl Theorie wie auch Praxis standen auf dem Programm. Schwerpunkt bildeten Exkursionen durch die waldreiche Umgebung bis hin an die Ostseeküste, um die begehrten Frühlingspilze in ihrer natürlichen Umgebung aufzuspüren und auch neues kennenzulernen. Mit 25 gemeldeten Teilnehmern + Veranstalter und Referenten waren wir voll ausgebucht.

Der Steinpilz – Aufsteller signalisierte den Anreisenden unsere Außenstelle in Keez und den Ort des Geschehens.

Hier das Programm:

  • Freitag, der 27. April – Theorietag. Ab 12.00 Uhr Anreise. 14.00 – 20.00 Theorieteil mit unserem Pilzexperten Ulrich Klein. Nach dem Abendbrot gemütliches beisammensein und besprechung der Exkursionsgebiete.

Ulrich Klein während seiner Erläuterungen und Ausführungen.

Nicht nur ich habe wieder einiges dazugelernt. Beispielsweise das wir in Zukunft unsere Pilzwanderungen unter dem Oberbegriff „Wald – Baden“ stellen sollten.

Zum Schluß seiner Präsentation erhielt Ulrich wie immer ein kleines Dankeschön. Unter anderem eine flauschig weiche Stoffmatte mit Steinpilz – Motiv. Rechts von ihm Lebensgefährtin Anke und links Gastgeber Reinhold Krakow.

  • Sonnabend, der 28. April – Exkusionstag. Nach dem Frühstück brachen wir gegen 09.00 Uhr zu einer Tagesexkursion an die Ostseeküste am Klützer Winkel auf. Hier mußten noch Autos von A nach B umgesetzt werden. Am späten Nachmittag kehrten wir bei Anke und Ulrich in Arpshagen ein. Anke hatte für uns eine festliche Kaffee – Tafel vorbereitet. Im Anschluß fuhren alle wieder nach Keez. Irena servierte mit Hilfe ihrer Schwester ein warmes Abendbrot. In gemütlicher Runde ließen wir den schönen Tag ausklingen, denn auch das Wetter zeigte sich von seiner freundlichen Seite.

Ankunft auf dem Strandparkplatz bei Groß Schwansee.

Aufbruch in Richtung Strand.

Die fast 30- köpfige Gruppe sollte sich bald zerstreuen.

Es dauerte nicht lange und die erste Morchel wurde entdeckt. Sie wurde ein beliebtes Foto – Motiv.

Und auch ich möchte natürlich ein Standortfoto für den Bericht schießen. Silja Petersen aus Hamburg erzielte während dessen diesen Schnappschuß.

Käppchen – Morchel (Morchella gigas). Leider waren, im Gegensatz zu anderen Jahren, heute nicht viele von ihnen vertreten.

Mehrfach waren diese kleinen, warmbraunen Blätterpilze zu finden. Es dürfte sich mit großer Wahrscheinlichkeit um das Frühlings – Samthäubchen (Conocybe aporos) handeln. Da es weitere, ähnliche, beringte Arten in der Gattung gibt, sollten sie sicherheitshalber mikroskopiert werden. Vor allem zu anderen Jahreszeiten. Giftverdächtig!

Das Wetter und die Landschaft sind herrlich.

Es dauerte nicht lange und die ersten Maipilze (Calocybe gambosa) der Saison wurden entdeckt.

Eine gepfleckte Lindenallee führt hinauf zum Schloss Groß Schwansee.

An feuchteren Stellen des Erlen/Eschenwaldes wuchsen hier und da einige Schmalblättrige oder Frühlings – Mürblinge (Psathyrella spadiceogrisea). Sie sind essbar, aber meist wenig ergiebig.

Unter Rotbuchen erregten diese schwarzen Mumien von Blätterpilzen im Trauergewand das Interesse der Pilzfreunde. Es handelt sich um vorjährige Sprödblättler, nähmlich um Dickblättrige Kohlentäublinge (Russula nigricans).

Diese Judasohren (Hirneola auricula – judae) waren dem frischen Seewind ausgesetzt. Ihre Ränder sind eingetrocknet.

Annemonen – Becherlinge (Dumontinia tuberosa) gab es stellenweise als Massenpilze. Hier wuchsen sie sowohl bei Scharbockskraut, als auch bei Buschwindröschen. Standortfoto.

Oliver Justus aus Berlin versuchte mit diesem Schnappschuß das Massenvorkommen, welches sich über ein größeres Gebiet erstreckte, erahnen zu lassen.

Diese Gugelhupf – Maipilze hatte uns Pilz – Tommi aus Berlin mitgebracht. Wir ließen sie uns auf der Zwischenrast schmecken.

Eigenartige Strukturen auf der Unterseite dieses Flachen Lackporlings (Ganoderma lipsiense).

Wunderschöne Farben und Zonierungen auf der Oberseite. Der grünliche Belag wird durch Algenbewuchs hervorgerufen.

Auf modernden Pflanzenresten wie Heu und Stroh, hier war es altes Laub, findet sich vom Frühling bis zum Herbst der Gold – Mistpilz (Bolbitius vitellinus) ein. Der hübsche Blätterpilz, der den Tintlingen nahe steht, besitzt keinen Speisewert.

Schuppige Porlinge (Polyporus squamosus). Wir finden sie an altem Laubholz. Ihre Größe und der Geruch nach frischen Gurken kennzeichnen diesen jung essbaren Holzbewohner.

Und es gab sie doch – Speisemorcheln (Morchella esculenta) unter Eschen. Jung und frisch! Standortfoto Silja Petersen.

Zwar nur drei Stück, aber dafür wunderbar frisch. So wie es aussieht, handelt es sich um junge Dickfuß – Morcheln (Morchella esculenta, var. crassipes). Sie können riesig groß werden. In der Vegetation waren sicher noch etliche versteckt und werden sich in den nächsten Tagen strecken.

Blick auf die Lübecker Bucht. Zeitweise brauten sich dunkle Wolken zusammen, die aber nur wenige Tropfen fallen ließen.

Oliver und Tommi aus Berlin auf dem Endspurt.

In diesem Bereich fanden wir vor Jahren, während einer öffentlichen Pilzlehrwanderung, nahezu monströse Dickfuß Morcheln. Heute leider Fehlanzeige!

Dafür konnte Sohn Jonas direkt am Strand diese schönen Seesterne (Asterias rubens) entdecken.

Auch Fingerhut – Verpel (Verpa conica) sind hier traditionell zu hause. Sie sind essbar, aber nicht sonderlich ergiebig.

Endlich geschafft. Nun heißt es warten, bis die restlichen Autos vom Parkplatz Groß Schwansee geholt sind. Danach fuhren wir alle nach Arpshagen wo uns eine festlich gedeckte Kaffee – Tafel erwartete.

Dieses steinpilzige – Logo begrüßt alle Gäste auf der Grundstückseinfahrt bei Anke und Ulrich.

Stellvertretend für weitere, leckere Tortenkreationen, soll dieses Foto stehen, die unsere Gastgeberin Anke Weselow extra für uns gezaubert und serviert hat.

Wir danken Anke (Im Hintergrund links stehend, neben Heike Bunk von den Sächsischen Pilzfreunden) sehr herzlich!

  • Sonntag, der 29. April – Nach dem Frühstück gab es einen Beamer – Vortrag von Christopher Engelhardt aus Lübeck. Dabei standen Schlauchpilze im Mittelpunkt. Hier vor allen Kleinarten auf Pflanzenresten und auch Kot! Wunderbare Mikro – Aufnahmen von Sporen, Schläuchen, Septen und Zystiden begeisterten die Teilnehmer. Ein wenig beachtetes Feld der Mykologie bei den meisten Pilzfreunden.

Gespannte Zuhörer und Zuschauer während des Vortages von Chris in unserem Schulungsraum in Keez.

Wie bereits Ulrich am Freitag, überreichte ich auch Christopher eine flauschig weiche Matte mit Naturmotiven als Dankeschön für seine Mühen und den überaus interessanten Vortrag.

Ich hatte auch einen Tisch mit Info – Material und teils antiquarischen Pilzbüchern vorbereitet, der reges Interesse fand.

Im Anschluß zeigte ich noch einen Film zur allgemeinen Pilzkunde und Verhütung von Vergiftungen. Am späten Vormittag starteten dann alle zu unserer Abschlußexkursion. Dafür hatte ich die Wälder um Tarzow und Jesendorf ausgesucht.

Bei unserer Ankunft im Wald gab es zunächst Mittag an frischer Luft.

Oder man entspannte als begleitender Vierbeiner auf dem warmen Sand.

Dann ging es aber los.

Hier und da in den Kiefern einige Bittere Zapfenrüblinge (Strobilurus tenacellus). Bittere Würzpilze.

In fetter Krautschicht einige Maipilze (Calocybe gambosa).

Der Rehbraune Dachpilz (Pluteus atricapilus) wirft fleischfarbenes Sporenpulver ab, wächst vorwiegend auf Laubholz und gehört zu den Freiblättlern. Außerdem ist er essbar.

Sind ansonsten die kleinsten der Großen für Chris Engelhardt von Bedeutung, so kann er sich aber auch von den größten des Pilzreiches begeistern lassen. Hier sind es Schuppige Porlinge (Polyporus squamosus).

Aber auch diese starten zunächst relativ klein.

Hoch an einer alten Birke erfreute der Schiefe Schillerporling (Inonotus obliquus), besser bekannt als Chaga. Er wird einen gesunden Tee – Aufguß liefern.

Geotropismus nennt man die Fähigkeit mancher Porlinge ihre Fruchtkörper bei Schieflage derart umzubauen, dass die Fruchtschicht wieder nach unten zeigt um den Sporenabwurf zu gewährleisten. Hier beim Echten Zunderschwamm (Fomes fomentarius).

Kiefern und Birken auf grobkörnigen Kiesböden. Auch im Frühling schon eine gute Adresse. Heute zwar nicht, aber in günstigeren Jahren gibt es hier um diese Zeit sogar schon Butterpilze.

Heute waren nur einige Bittere Zapfenrüblinge (Strobilurus tenecellus) vertreten.

Kaum zu glauben, aber vor wenigen Jahren hatte ich in dieser kargen Kieferngegend mit Raritäten – Jäger Andreas Okrent sogar Speise – Morcheln gefunden!

Heute waren es nur sterile Unterteile von Beutel – Stäublingen (Calvatia excipuliforme) vom letzten Jahr.

Schließlich gab es noch Kaffee und Kuchen von unserer guten Seele Irena (im Hintergrund) und Schwester Betty (links) serviert.

Viele unserer weitgereisten Gäste traten danach die Heimfahrt an. Der Rest vom Schützenfest schaute noch einmal für ein Stündchen in den Jesendorfer Wald und das sollte sich durchaus lohnen!

Zunächst waren es zwei Rötlinge. Wir vermuteten den Scherbengelben Rötling (Entoloma cetratum).

Chris legte sie unter das Mikroskop und sandte mir diese Aufnahme zu. Die Mikromerkmale bestätigen im großen und ganzen unsere Vermutung, nur die Hutoberfläche mit ihren Schüppchen ist etwas irritierend.

Es dauerte nicht lange und die ersten Nester von Frühjahrs – Lorcheln (Gyromitra esculenta) wurden entdeckt. Der wichtigste Unterschied zu den Morcheln sind die hirnarigen Windungen des Hutes.

Teils üppig ausgebildete Fruchtkörper von Schildförmigen Scheibenlorcheln (Gyromitra ancilis) sollten folgen.

Pilzfreund Jürgen Horn fand sogar beide Arten eng miteinander verbunden. Sie teilen also gerne ihren Standort, zumindest dort, wo reichlich modriges Nadelholz im Waldboden vorhanden ist. Das Foto symbolisiert auch ihre nahe Verwandtschaft. Während die Frühjahrs – Lorchel bei uns in Mitteleuropa nach wie vor als unberechenbarer Giftpilz gilt, wird sie in Nordosteuropa als wertvoller Speisepilz geschätzt, natürlich nur bei Beachtung aller erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen. Auch die Scheibenlorchel ist zumindest roh giftig, wurde gut durchgegart von uns aber ohne Folgen des öfteren verspeist.

Nun gab es kein halten mehr. Nach so langen Suchen konnte nun endlich gesammelt werden.

Auch Betty Mews, die Schwester von Irena, war verblüfft und begeistert über diese, ihr bisher völlig unbekannten Pilze.

Pilz – Tommi aus Berlin hatte doppelt Glück. Zum einen über die vielen Pilze, zum anderen, dass ihm jemand einen Korb dafür geliehen hatte.

Mit knapp 30 Pilzfreunden aus nah und fern, darunter allein 11 Mitglieder der Fachgruppe Mykologie Leipzig, war unser diesjähriges Frühlingsseminar das bisher bestbesuchteste überhaupt. Dafür danke ich allen Teilnehmer auf das herzlichste! Sie haben dem Steinpilz – Wismar für drei Monate das Überleben gesichert und hoffentlich auch viele gute Eindrücke, neues Wissen und Erfahrungen mit heim genommen. 28.04.2018 am Ostseestrand von Groß Schwansee.

Wir möchten uns außerdem bei Anke Weselow und unseren Referenten Ulrich Klein und Christopher Engelhardt sowie auch bei allen anderen ganz herzlich bedanken, die uns eine zusätzliche Spende oder das eine oder andere Geschenk mitbrachten!

Teilnahmegebühr war: 50.00 €

Hinzu kamen 35,00 € für unser Verpflegungsangebot. Das waren jeweils 2 – 3 mal Kaffee + Kuchen, 2 mal Abendbrot und 2 mal Mittag.

Anmeldung zu weiteren Seminaren (Siehe unter Termine) können schriftlich unter Steinpilz – Wismar, ABC Straße 21 in 23966 Wismar erfolgen oder per E – Mail unter steinpilz.wismar@t-online.de

Anfragen unter Tel: 03841/228917 oder Handy: 0173/6977219

Übernachtungsmöglichkeiten können in Zukunft wieder im begrenzten Umfang angeboten werden.

Wer also Lust hat mit uns ein hoffentlich schönes Pilzwochende in Mecklenburg zu verbringen, ist auch weiterhin sehr herzlich eingeladen.