10.12.2025 – Vereinsexkursion im Löwitzer Holz bei Rehna

10.12.2025 – Vereinsexkursion im Löwitzer Holz bei Rehna

Vereinsexkursion

Pilzwandern im Jahr der Amethystfarbenen Wiesenkoralle

Im Löwitzer Holz bei Rehna

10. Dezember 2025

Blick in das urwüchsige Löwitzer Holz. Alle suchen das Totholz nach interessanten Pilzen ab.
Foto: Roland Lebendig


Eine alte knorrige Hainbuche.
Foto: Christian Boss

Das Löwitzer Holz ist ein kleines Waldgebiet bei Rehna, zwischen den Ortschaften Löwitz, Falkenhagen und Klein Rünz. Nur einmal führte 2017 eine Vereinsexursion in dieses Gebiet.

Für uns neu, für Mitglieder des Pilzvereins Rehna, speziell für Torsten Richter und Christopher Engelhardt (der auch den Wismarer Pilzfreunden) angehört, alles andere als unbekannt. Die beiden haben hier bereits intensive Untersuchungen und Kartierungen vorgenommen und darüber auch schon eine Veröffentlichung herausgebracht.

Heute trafen sich 8 Pilzfreunde hier. Feuchte Erlenbrüche und jede Menge Totholz bieten im Löwitzer Holz derzeit aufgrund der milden Witterung üppige Wachstumsbedingungen für viele Arten Becherlinge, Schleim- und Schichtpilze, Kohlenbeeren und diverse Arten gallertiger Pilze. Aber auch ein paar Hutpilze ließen sich finden.

Hier ein paar Eindrücke von unserer Vereinsexkursion.

 

Auf Schritt und Tritt fanden wir auf am Boden liegenden Totholz diese farbenfrohen Kleinsporigen Grünspanbecherlinge (Chlorociboria aeruginascens).
Foto: Christian Boss

 

Die oft kurz gestielten Fruchtkörper sind leicht durchscheinend lagunenblau bzw. grünblau und becherförmig, später flach unregelmäßig tellerförmig.
Foto: Christian Boss

 

Großsporiges Drechselstiel-Becherchen (Allophylaria macrospora) auf morschem Zitterpappelstamm (Populus tremula). Die Stiele der Becher in der Gattung sehen teilweise wie gedrechselt aus – daher auch der Name.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Zitronengelbes Reisigbecherchen (Bisporella citrina)
Foto: Catrin Berseck

 

Die Orangeseitlinge (Phyllotopsis nidulans) sind wunderschöne Pilze – haben jedoch einen unangenehmen süßlich-fruchtigen Geruch oder stinken wie fauler Kohl. Genauso unangenehm muffig ist sein Geschmack, weswegen dieser Pilz nicht zu den Speisepilzen zählt.
Foto: Christian Boss

 

Weil die Orangeseitlinge so schön und fotogen sind – hier noch einmal eine pelzige Nahaufnahme.
Foto: Christian Boss

 

Das Gallertfleischige Stummelfüßchen (Crepidotus mollis) lässt sich durch sein transparentes, gelatinöses Häutchen gut erkennen.
Foto: Roland Lebendig

 

Der Borstige Gallertblättling (Resupinatus trichotis) wird wegen seiner „Größe“ auch Flaumiger Zwergseitling genannt.
Foto: Christian Boss

 

An toten entrindeten Ästen einer Pappel hat Phillip dieses schöne Haarbecherchen gefunden und zu Hause mikroskopisch bestimmt. Es handelt sich um das Marmorierte Weißspitz-Haarbecherchen (Lasiobelonium variegatum).
Foto und Bestimmung: Phillip Buchfink

 

Auch Torsten hat das Marmorierte Weißspitz-Haarbecherchen (Lasiobelonium variegatum) mit genommen und bestimmt. Der Becherling ist 1-2 mm breit und sitzt flach dem Substrat auf. Am Rand befinden sich unzählige Haare, die in feuchter Umgebung winzige Tröpfchen ansammeln.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Bärtiges Glashaarbecherchen (Olla transiens) an einem entrindeten Stamm der Zitterpappel.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Solange die Apothezien des Bärtigen Glashaarbecherchens frisch sind – also die langen Haare weiß und strahlig abstehend -kann man die Art eigentlich auch makroskopisch kaum verwechseln.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Mikroskopisch sind die Haare des Bärtigen Glashaarbecherchens bestimmungsrelevant. Sie haben zumindest teilweise eine „Glasspitze“, dass heißt lichtbrechenden Inhalt (VBs). Die Asci haben keine Haken und die Apikalregion färbt sich in IKI (= Lugolsche Lösung) blau.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier ist der Name Programm: Strahligreißendes Lochbecherchen (Stictis radiata). Dieses Becherchen findet man auf toten alten Pflanzenstängel oder Holzresten.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Holzbewohnendes Wandelsporbecherchen (Vexillomyces xylophilus) – ebenfalls an einem morschen entrindeten Stamm der Zitterpappel. Die Art wurde bisher extrem selten nachgewiesen – für Mecklenburg-Vorpommern wurde er bisher noch nicht dokumentiert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Das Holzbewohnende Wandelsporbecherchen soll häufig vergesellschaftet mit Gallerttränen (Gattung Dacrymyces) auftreten.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Ebenfalls an einem morschen entrindetem Zitterpappel-Stamm fand Torsten diese Schwarzen Hartbecherchen (Patellaria atrata).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Um das Schwarze Hartbecherchen sicher von ähnlichen Becherchen abgrenzen zu können, muss mikroskopiert werden. Hier sehen wir die Asci und Sporen des Pilzes.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Haariger Kohlenkugelpilz (Lasiosphaeria hirsuta)
Foto und Bestimmung: Chris Engelhardt

 

Und hier sehen wir die Sporen des Haarigen Kohlenkugelpilzes.
Foto und Bestimmung: Chris Engelhardt

 

Der Abgestutzte bzw. Stoppelige Drüsling (Exidia truncata) ist eine ganzjährige recht häufige und Feuchtigkeit liebende Art an Laubholz – vowiegend an Eiche. Hier sehen wir die namesgebende stoppelige Außenseite.
Foto: Chris Engelhardt

 

Auf den ersten Blick etwas verwirrend… aber tatsächlich kann Exidia truncata auch mal so blassbraun aussehen…
Foto: Chris Engelhardt

 

Und hier ein sehr seltener Pilz, der erstmalig 1997 von dem britischen Mykologen P. Roberts beschrieben wurde. Es handelt sich um den auf dem Stoppeligen Drüsling (Exidia truncata – veraltet Exidia glandulosa) parasitierenden Gallertpilz Heteromycophaga glandulosae. Dieser Pilz bildet auf dem Drüsling knötchenförmige Gallen aus, die sowohl aus Wirts- als auch Parasitenhyphen gebildet werden. Dieser Pilz wurde bis jetzt erst wenige male nachgewiesen und gehörte zu den Highlights unserer heutigen Exkursion.
Foto: Chris Engelhardt

 

Hier noch einmal mehrere Fruchtkörper der Stoppeligen Drüslinge, die von Heteromycophaga glandulosae befallen sind.
Foto und Bestimmung: Chris Engelhardt

 

Auf Totholz in Auwäldern kann man diesen transparent weißlichen Gallertpilz finden. Es handelt sich um den Kerndrüsling (Myxarium nucleatum). Die Einzelfruchtkörper fließen oft zusammen, im Innern befindet sich meist ein kleiner weißlicher Kern (Calciumoxalat-Kristall). Der Pilz wird auch Kristallgehirn genannt.
Foto: Christian Boss

 

Von dem Fleischroten Gallertbecher (Ascocoryne sarcoides) gibt es zwei Erscheinungsformen (Fruchtformen). Hier sehen wir beiden zusammen. Links die kreisel-, schalen- oder auch becherförmige Hauptfruchtform (Teleomorphe) und rechts die keulenförmigen Nebenfruchtform (Anamorphe) – auch Coryne dubia genannt.
Foto: Christian Boss

 

Coryne dubia – die Nebenfruchtform vom Fleischroten Gallertbecher (Ascocoryne sarcoides).
Foto: Catrin Berseck

 

Der Siebenpunkt-Marienkäfer oder Siebenpunkt (Coccinella septempunctata) ist die wohl bekannteste Art aus der Familie der Marienkäfer. Die Deckflügel sind rot gefärbt und haben jeweils drei schwarze Punkte. Ein siebter schwarzer Punkt, nach vorne von zwei weißen, dreieckigen Flecken flankiert, findet sich auf dem Schildchen. Der Halsschild ist bis auf die weißen vorderen Ecken schwarz gefärbt. Diese erstrecken sich als schmaler Saum auch auf die Unterseite des Halsschildes. Auf dem schwarzen Kopf befinden sich an der Innenseite der schwarzen Facettenaugen zwei weiße Punkte.
Foto: Christian Boss

 

Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon) und Gesäter Kohlenkugelpilz (Ruzenia spermoides).
Foto: Catrin Berseck

 

Die Gekrümmte Röhrige Keule (Macrotyphula fistulosa var. contorta) ist eine eine reine Hungerform (Kümmerform) aufgrund von Witterungseinflüssen die aus der Röhrigen Keule (Macrotyphula fistulosa) entsteht. Contorta bedeutet übersetzt verdreht bzw. gewunden.
Foto: Chris Engelhardt

 

Die Fruchtkörper des Orangeroten Kammpilzes (Phlebia radiata) sind sehr farbvariabel. Zwischen blassem Rosa und intensivem Orange hat der Kammpilz ein breites Farbenspektrum im Angebot.
Foto: Roland Lebendig

 

Bei diesem jungen Ockerrötlichen Resupinatstacheling (Steccherinum ochraceum) sind die noch nicht voll entwickelte Stacheln trotzdem schon leicht zu sehen.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier sehen wir die Stacheln des Wachsgelben Fadenstachelpilzes (Mycoacia uda). Dieser Pilz wächst auf der Unterseite abgestorbener, am Boden liegender Äste und Stämme verschiedener Laubhölzer – hier an morschen Stamm der Zitterpappel (Populus tremula).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Stachel sind ca. 1 bis 3 mm lang, sind an den Spitzen pinselartig gefranst und werden zum Rand hin meist kürzer. Die Farbe ist schwefel- bis wachsgelb, alt auch ockergelb.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Dieser stinkende Mottenkugel-Lederrindenpilz (Scytinostromae hemidichophyticum) war bereits von weitem zu riechen.
Foto: Catrin Berseck

 

Der Gallertfleischiger Fältling (Merulius tremellosus) besiedelt als Saprophyt bevorzugt Stämme, Äste und Stümpfe von abgestorbenen Laubhölzern.
Foto: Catrin Berseck

 

Die Fruchtkörper des Gallertfleischigen Fältlings wachsen meist in größeren Gruppen dachziegelartig übereinander. Die grobfilzige Hutoberseite ist grauweißlich bis fleischrosa gefärbt.
Foto: Catrin Berseck

 

Ein Schmetterling aus der Familie der Spanner, die von Mitte Oktober bis Ende Dezember fliegen. Der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata).
Foto: Christian Boss

 

Diesen Erannis defoliaria (Großer Frostspanner) fand Roland noch auf dem Rückweg – deutlich größer als der Kleine Frostspanner und nicht ganz so häufig, kann dieser Winterschmetterling sehr variabel gezeichnet sein.
Foto: Chris Engelhardt

 

Junger Laubholz-Harzporling (Ischnoderma resinosum) an Esche. In der Gattung Ischnoderma sind derzeit nur zwei Arten bekannt. Das sind einmal der Laubholz-Harzporling an Laubolz und der Gebänderte Harzporling (Ischnoderma benzoinum) – auch Schwarzgebänderter oder Nadelholzporling genannt – an Nadelholz
Foto: Torsten Richter

 

Purpurroter Wachsporling (Ceriporiopsis purpurea) an Eschenstamm (Fraxinus). Die Fruchtkörper liegen ebenfalls resupinat (flächig ausgebreitet) auf dem Substrat und das Hymenium (Fruchtschicht) ist frisch wachsartig, woher die Gattung auch ihren Namen hat. Jung ist dieser Porling cremeweißlich mit hellen fleischrosa Farbtönen, später rosarot bis purpurrot.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Oberseite von Antrodiella onychoides an einem Haselnuss-Ast. Diese Tramete hat keinen deutschen Trivialnamen. „Onychoides“ ist ein wissenschaftlicher Artname und bedeutet wörtlich“krallenartig“ oder „nagelförmig“. Die Hutoberseite ist glatt, die Farbe weißlich und die nieder gedrückten Hutränder werden hornig braun.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Poren von Antrodiella onychoides sind vieleckig und von unterschiedlicher Größe. Frisch sind sie weißlich, trocken hell- bis dunkelocker. Die resupinat auf dem Substrat aufliegenden Teile haben oft einen schmalen helleren Rand (rechts im Bild gut zu sehen).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist ein Parasit lebender Bäume, meist Buche oder Birke, er bewirkt eine intensive Weißfäule. Nach dem Absterben der Bäume wächst der Pilz noch lange Zeit saprob (zersetzend) weiter. Die konsolenförmigen, oftmals hufförmigen Fruchtkörper sind mehrjährige Gebilde und können im Durchmesser bis zu 30 cm erreichen. Die krustige Oberseite ist hellgrau oder blass bräunlich gefärbt und fein zoniert.
Foto: Christian Boss

 

Die Röhren auf der Unterseite haben eine braune Farbe und sind oft mehrfach geschichtet. Die Porenmündungen sind jung weiß bis hellgrau und bei Berührung braun verfärbend. Das Fleisch kann als zäh aber nicht völlig aushärtend beschrieben werden, frisch mit einem intensiven Geruch nach Gurke oder Wassermelone. Das Fleisch bildet nahe der Anwuchsstelle einen charakteristischen ca.10-20 mm dicken, weicheren, grob marmorierten Kern.
Foto: Christian Boss

 

Junge Hasel-Kleiebecherlinge (Encoelia furfuracea) wachsen – wie der Name schon verrät – vorwiegend auf abgestorbenen Ästen von Hasel. Sie besitzen eine lederbraune, kleiig-körnige Außenseite. Bei Reife breiten sie sich schüsselförmig aus und geben dann die dunklere braune Fruchtschicht frei.
Foto: Christian Boss

 

Auch Pilze mit Hut und Stiel gab es. Der Rillstielige Helmling (Mycena polygramma) war auf dieser Exkursion sehr häufig anzutreffen – man beachte die namengebenden „Rillen“ auf dem Stiel.
Foto: Christian Boss

 

Die Fruchtkörper des Rillstieligen Helmlings (Mycena polygramma) wachsen einzeln oder in kleinen Büscheln auf oder neben alten Stümpfen, besonders häufig wächst er auf totem Eichenholz in der Initialphase der Vermorschung. Wenn er auf vergrabenem Holz wächst, kann er schon mal so einen langen Stiel haben.
Foto: Christian Boss

 

Rosascheiteliger Helmling (Mycena smithiana).
Foto: Christian Boss

 

Dieser winzige Kreisling (Cudoniella acicularis) wächst auf Eichen-Totholz und benötigt einen Lebensraum mit hoher Luftfeuchtigkeit. Der Pilz ist auch unter den Namen Dünnstieliger Helmkreisling oder Eichenholz-Zwergkreisling bekannt. Die kleinen Fruchtkörper sind maximal 1 cm groß und die polsterförmig vom Stiel abgesetzten Köpfe haben einen Durchmesser von ca. 2-4 mm. Der ganze Fruchtkörper ist weiß, alt gilbt er besonders zur Stielbasis.
Foto: Christian Boss

 

Judasohren (Auricularia auricula-judae) an Holunder – ihrem Lieblings-Substrat. Der Pilz wird deswegen auch in manchen Regionen als Holunderschwamm bezeichnet.
Foto: Catrin Berseck

 

Hier sieht man schön die feinfilzige dunklere Oberfläche und die von Adern durchzogene etwas hellere Unterseite des Judasohres.
Foto: Christian Boss

 

Außer den Judasohren waren als Speisepilze auch vereinzelt Austern-Seitlinge (Pleurotus ostreatus) zu finden.
Foto: Roland Lebendig

 

Fadenfruchtschleimpilz (Badhamia utriculare)
In diesem Bild frisst das gelbe Plasmodium eines Schleimpilzes einen Schichtpilz auf. Es handelt sich wahrscheinlich um den Fadenfruchtschleimpilz (Physarum utriculare). Das Plasmodium (Plasmamasse) besteht aus einer einzigen Zelle mit tausenden von Zellkernen. Es wandert so lange umher, wie ist etwas zu fressen gibt oder bis sich die Umgebungsbedingungen zum Nachteil des Schleimpilzes.
Foto: Christian Boss

 

Ebenfalls zu den Schleimpilzen zählt – wie der Name schon sagt – der Rotköpfige Schleimpilz (Trichia decipiens). Dieser Schleimpilz hat das Stadium des Plasmodiums bereits hinter sich und befindet sich am Beginn der Fruktifikation. Die glänzenen Fruchtkörper können orangene, rote oder rotbraune Köpfchen haben, sind meist gestielt und bilden kleine bis große Ansammlungen.
Foto: Christian Boss

 

Und hier unser obligatorisches Abschlussfoto aus dem Löwitzer Holz.
Foto: Torsten Richter