Pilze und Wetter 2026

02.01.2026 – Saisonauftakt-Exkursion am Vielbecker See

02.01.2026 – Saisonauftakt am Vielbecker See

Pilzwandern im Jahr des Igelstachelbartes

Am Vielbecker See bei Grevesmühlen

02.01.2026

Am Nordufer des Vielbecker Sees mit seinem von Grauerlen dominierten Bruchwald findet man viel Totholz, das an feucht-milden Wintertagen Lebensraum für unzählige Pilze bietet.
Foto: Chris Engelhardt


Einer der Mooshäublinge (Galerina sp.).
Foto: Christian Boss

Heute trafen sich Torsten, Chris und Christian zu einer Saisonauftakt-Exkursion nordöstlich von Grevesmühlen.

Unser Ziel war der nördliche Teil des Vielbecker Sees. Mit seinem bewaldeten Ufer und dem reichlich vorhandenen Totholz bietet dieses Gebiet gerade zu dieser Jahreszeit ideale Bedingungen, um nach Ascomyceten und kleinen Hutträgern Ausschau zu halten.

Neben Zitter- und Schwarzpappeln sowie einigen wenigen alten Eichen war der häufigste Baum erfreulicherweise die Grauerle (Alnus incana). An diesem Standort hat sie sich bislang noch behauptet und wurde noch nicht von der konkurrenzfähigeren und langlebigeren Schwarzerle (Alnus glutinosa) verdrängt.

Dabei einige seltene Pilze, die Torsten auch erstmalig gefunden hat, wie z.B. den Gemeinen Kristallknorpelporling und den Erlen-Strombecherling, den Phillip letztes Jahr erstmalig für Mecklenburg-Vorpommern gefunden und bestimmt hat.

Im Folgenden haben wir einige unserer schönsten Funde in Fotos zusammengestellt.

Christian

 

Zapfen der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto: Christian Boss

 

Der Erlen-Kätzchenbecherling (Ciboria amentacea) wächst – wie der Name schon vermuten läßt – auf verrotteten vorjährigen Kätzchen von Erlen. Heute waren sie an vielen Stellen unter Erlen zu finden.
Foto: Christian Boss

 

Erlen-Stromabecherling (Rutstroemia alni) auf einem entrindeten Stamm von Grau-Erle (Alnus incana). Er bildet kleine, becher- bis schüsselförmige Apothecien aus, die oft gestielt sind. Charakteristisch für die Gattung ist ein oft dunklerer oder gezähnelter Rand.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Ascus und Sporen des Erlen-Stromabecherlings.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die sehr großen Sporen und die kleinen runden Konidien des Erlen-Stromabecherlings. Die Konidiensporen werden ungeschlechtlich durch Umbildung von Hyphen oder an Konidienträgern gebildet.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die für den Erlen-Stromabecherling typischen „Bonbonsporen“. Eine sehr treffende Bezeichnung für Sporen, die unter dem Mikroskop eine charakteristische Form aufweisen: Die Sporen sind bei Reife septiert und mehrzellig und oft werden kleine Nebensporen (Konidien) an den Enden abgeschnürt, was an die Form eines eingewickelten Bonbons erinnert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Winter-Helmlinge (Mycena tintinnabulum).
Foto: Christian Boss

 

Wunderschöne Judasohren (Auricularia auricula-judae).
Foto: Christian Boss

 

Graureiher (Ardea cinerea) auf dem Eis. Am Ufer im Hintergrund noch ein Silberreiher (Ardea alba).
Foto: Chris Engelhardt

 

Gelbstieliger Muschelseitling (Sarcomyxa serotina).
Foto: Christian Boss

 

Fastblauer Saftporling (Postia alni) an liegendem Grau-Erlen-Stamm (Alnus incana). Im Gegensatz zum Fastblauenden Saftporling (Postia subcaesia) hat der Fastblaue Saftporling kleinere Fruchtkörper und die Oberfläche des Hutes ist nicht so behaart wie die von Postia subcaesia, sondern eher verfilzt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Poren des Fastblauen Saftporlings (Postia alni) sind rundlich und ca. 4 – 5 mm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Basidiosporen des Fastblauen Saftporlings sind allantoid (wurstförmig) und dünnwandig.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die Sporen sind sehr klein – nur ca. 5 – 6 x 1 – 1,2 µm.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon).
Foto: Christian Boss

 

Langschnäbeliger Kohlenkrustenpilz (Peroneutypa scoparia) an einem toten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der Langschnäbelige Kohlenkrustenpilz ist ein zylindrisch-säulenförmiger schwarzer Kernpilz, der in mehreren Fäden büschelig dem Substrat entspringt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Der Langschnäbelige Kohlenkrustenpilz ist ein zylindrisch-säulenförmiger schwarzer Kernpilz, der in mehreren Fäden büschelig dem Substrat entspringt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Die fast farblosen Sporen des Ascomyceten sind wurstförmig gekrümmt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Kerndrüsling (Myxarium nucleatum).
Foto: Christian Boss

 

Phleogena faginea heißt im Deutschen zwar „Buchen-Hütchenträger“, der Pilz wächst aber an verschiedenen Laubgehölzen.
Foto: Christian Boss

 

Das Rasige Hängebecherchen (Merismodes anomala) ist ein im Winter häufiger Basidiomyzet, den man auf den ersten Blick für ein Becherchen, also für einen
Ascomyzeten halten könnte.
Foto: Chris Engelhardt

 

Diesen auffälligen Schichtpilz hat Torsten Richter als Zusammenfließender Reibeisenpilz (Radulomyces confluens) bestimmt. Die voll resupinaten Fruchtkörper wachsen u.a. auf abgestorbenen Weiden und anderen Laubbäumen und haben frisch eine wachsartige Haptik.
Foto: Chris Engelhardt

 

Hier sehen wir den Weißfäule auslösenden Gemeinen Kristallknorpelporling (Sidera vulgaris) an sehr morschem Pappelholz. Der Pilz bildet flach auf dem Substrat wachsende (resupinate), weißliche Fruchtkörper aus.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Die Poren des Gemeinen Kristallknorpelporlings sind rundlich bis eckig, sehr fein und oft mit bloßem Auge kaum zu erkennen.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Und hier sehen wir unter dem Mikroskop die namesgebenden Kristalle des Gemeinen Kristallknorpelporlings.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Hier sehen wir die winzigen bläschenförmigen Basidien.
Foto und Fund: Torsten Richter
Bestimmung: Frank Dämmrich

 

Kurzzelliger Rindenpilz (Brevicellicium olivascens) an einem entrindeten Ast von Schwarzem Holunder (Sambucus nigra). Die wachsig-krustige Oberfläche ist locker warzig – zum Rand hin aber zunehmend glatt.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir in einer Nahaufnahme warzige Oberfläche des Kurzzelligen Rindenpilzes. Wie der Name „Kurzzellig“ bereits verrät, ist dieser Pilz nur mikroskopisch sicher zu bestimmen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Flaumiger Rindenpilz (Peniophorella pubera) auf einem morschem Stamm der Grau-Erle (Alnus incana).
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Bereits mit Lupe sind die kristallbeschopften Lamprozystiden des Flaumigen Rindenpilzes zu sehen.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Hier sehen wir die langen Lamprozystiden des Flaumigen Rindenpilzes durch das Mikroskop.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Für Interessierte dann noch die dickwandige und schlank-spindelige Lamprozystide mit Kristallschopf in Wasser mikroskopiert.
Foto und Bestimmung: Torsten Richter

 

Schleimpilze sind eine ganz besondere Organismengruppe und stehen trotz der Ausbildung von Sporen in mancher Hinsicht den Tieren näher als den Pilzen. Hemitrichia calyculata habe ich bisher fast ausschließlich im Winter gefunden.
Foto und Bestimmung: Chris Engelhardt

 

Torsten, Chris und Christian am Ufer des Vielbecker Sees.
Foto: Torsten Richter


 

Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Wetter und Pilzwachstum in Mecklenburg

Tagebuch zu Pilze und Wetter Januar bis März 2026

Samtfuß-Rüblinge (Flammulina velutipes).


01.01.2026 – Neujahr

Fliegenpilz (Amanita muscaria)
Aquarell: Sylvina Zander

Mit diesem Aquarell von Sylvina wünschen wir allen Pilzfreunden und Lesern des Tagebuches für 2026 Gesundheit, Glück, Erfolg und Freude.

Der Fliegenpilz ist ein bekanntes Glückssymbol, obwohl er giftig ist.

Die genaue Herkunft ist unklar, aber Theorien umfassen seine frühere Verwendung als Rauschmittel, das Glückgefühle auslöst. Seine auffällige Optik wird mit Magie verbunden.

Und letztendlich können Fliegenpilze Pilzsucher zu Glückspilzen machen, da in ihrer Nähe oft auch die begehrten essbaren Steinpilze zu finden sind.

In diesem Sinne wünschen wir euch allen viel Glück für 2026!

Eure Pilzfreunde der Gemeinnützigen Gesellschaft Wismar e.V.

 

 


02.01.2026 – Freitag

Kleine Judasohren (Auricularia auricula-judae) brechen hier aus der Rinde eines Holunders hervor.
Foto: Christian Boss

Heute trafen sich Torsten, Chris und Christian zu einer Saisonauftakt-Exkursion nordöstlich von Grevesmühlen. Als Ziel hatten sie sich den langgestreckten Vielbecker Waldsee mit viel Totholz ausgesucht.

Der Vielbecker See ist ein flussähnliches Gewässer, welches sich über den nördlichen Ortsteil von Grevesmühlen erstreckt. Um den knapp 30 Hektar großen See führt ein Wanderweg, am nordöstlichen Ufer schließt sich ein größeres Waldgebiet an.

Neben Zitter- und Schwarzpappeln sowie einigen wenigen alten Eichen war der häufigste Baum erfreulicherweise die Grauerle (Alnus incana). An diesem Standort hat sie sich bislang noch behauptet und wurde noch nicht von der konkurrenzfähigeren und langlebigeren Schwarzerle (Alnus glutinosa) verdrängt.

Einen ausführlichen Bericht mit einigen ausgewählten Funden findet ihr hier.

 

Bambus im Uferbereich des Sees. Es handelt sich bei Bambus um eine ausufernd wachsende invasive Pflanzenart, die nichts in unserer heimischen Natur zu suchen hat. Er bringt auch keinen ökologischen Nutzen. Da er nicht blüht und keine Früchte bildet, bietet er Vögeln und Insekten keine Nahrung.
Foto: Christian Boss

 

Buchen-Hütchenträger (Phleogena faginea).
Foto: Christian Boss


03.01.2025 – Sonnabend

Austern-Seitlinge (Pleurotus ostreatus) unter einer Schneehaube.

Heute hat der Winter mit stellenweise starken Schneefällen endgültig in Mecklenburg-Vorpommern Einzug gehalten.

Das steuernde Tief „Tizian“ liegt bei Gotland. Randtiefs ziehen dabei von der Nordsee her mit viel Feuchtigkeit nach Norddeutschland.

Ein Sturmtief über der Ostsee führt kalte polare Meeresluft mit sich und brachte Schnee, Frost sowie teils stürmischen Wind. An der Ostsee treten örtlich Wind- und Sturmböen mit Geschwindigkeiten von 60 bis 70 Kilometern pro Stunde auf, vor allem in Küstennähe besteht zudem ein geringes Risiko für kurze Wintergewitter. In den Nächten kann die Temperatur im Binnenland auf bis zu minus sieben Grad absinken, an der Küste auf minus vier Grad.

Auch in den kommenden Tagen bleibt es laut Deutschem Wetterdienst winterlich.

 

Laut Wettervorhersage bleibt es auch die nächsten Tage winterlich mit Frost und Schnee.
Quelle: Deutscher Wetterdienst